Schreibwerkstatt

Ganz konkret wird jetzt die Lesung mit meiner Schreibwerkstatt. Die Mädels und Jungs – ja, mittlerweile haben wir auch einen schreibenden Kerl – sind aufgeregt / nervös. Termin ist der 07. März bei Rosa Lux (Tübinger Buchhandlung). Die Plakate hängen aus, alle Flyer sind verteilt. Den coolen Entwurf verdanken wir T. und seinem professionellen Know how.

Vorhaben nach und nach umzusetzen heißt, sich dadurch neue Realitäten anzueignen (Kulturamt?).

Die jährliche Anthologie wird es auch wieder geben. Texte aus der Schreibwerkstatt, diesmal aber auch Texte aus dem Unterricht mit speziellen Schreibaufträgen. Wir sind prominent vertreten …

Veröffentlicht unter 2017

Nur Geräusch

Ich musste heute eine Stunde lang nichts machen. Nur dasitzen und andere arbeiten lassen.

Wow! Entspannungsmodus mitten am Vormittag:

Das ganze Geschrei und Gelaber geht nicht an meine Adresse. Fliegt an meinen Ohren vorbei in andere Ohren. Keine Aufnahme, keine Verpflichtung, keine Aufmerksamkeit, kein Interesse, kein Auge, kein Ohr –

ich bin körperlich da und funktioniere ganz legal nicht.

Wie angenehm gefühlte tausend Stimmen klingen, wenn sie statt Sätze und Worte und Forderung nur Geräusch sind

wie Krähenkrächzen, Instrumente stimmen, Donnergrollen, Meeresrauschen, Gläserklirren, Windtanzen, Papierrascheln …

Veröffentlicht unter 2017

Ewig jung

(Sonntag) Ewig Jung im LTT ist eine gnadenlose Show übers Altwerden in einer Gesellschaft, die reich genug ist, den Alten ihren Spaß zu lassen, sie ansonsten aber mit zynischer Ignoranz, versteckt unterm christlich-sanften Freundlichkeitsdeckmäntelchen, in bewährter Weise in Schach zu halten.

Fünf alte Schauspieler – alle tragen ihre Originalnamen, zur Freude des Abo-Publikums und aller LTT-Insider – leben in einem ausgedienten Theater und weinen alten Zeiten hinterher. Zuerst denkst du, was für ein seichtes Boulevard: Die Alten haben nichts als ihre Erinnerungen und Schwester Laura in weißer Kittelschürze stimmt mit ihren betagten Schützlingen christlichen Sakropop zum Mitklatschen an.

Doch die Stimmung kippt. Spätestens, wenn besagte Schwester Laura statt in cleanem Weiß im schwarzen Tiefdekolletierten die Bühne betritt, um eine Arie über das Sterben zum Besten zu geben, bleibt dir das Lachen im Hals stecken. Der Text besteht nur aus wenigen Worten: Sterben!, Abkratzen!, Verrecken!, Ab in die Kiste! Der Aufforderungsmodus könnte nicht deutlicher sein.

Als während einer reichlich slapstickartigen und natürlich fürchterlich daneben gehenden Zauberschau plötzlich die Perücke von Frau Beyer wegfliegt und die Ärmste nun aussieht wie ein schwer abgetakelter Kerl, könnte man fast schon heulen. Aber weiter gehts mit tollen Liedern und verrückten Einlagen, die hier aufzuzählen ich heute, am Sonntag Morgen, nicht die Zeit habe, da gleich großes Frühstück angesagt ist und ich eigentlich längst schon Brötchen holen gehen müsste.

Nur noch das: Ganz schlimm wird es, wenn plötzlich das Bein von Frau Kornprobst auf der Bühne liegt. Es ist ein Bein mit Netzstrumpfhose und Tigerstiefelette, die dem aufmerksamen Zuschauer beim ersten Auftritt der abgetakelten Lady direkt ins Auge gefallen sind. Und nun liegt es da, die beiden Herren  Ruchter und Schnicke spielen unkonzentriert damit herum und wissen dieser Peinlichkeit nicht Herr zu werden. Das Zitat geht an Dürrenmatts Claire Zachanassian. Frau Kornprobst schminkt sich indes weiter, als habe sie den kleinen Fauxpas nicht bemerkt. Doch nachdem sie ihr Bein wieder angeschraubt hat, hieft sie sich wackelig aus dem Sofa und hebt mit leise blecherner Stimme an zu singen:

I’m a Barbie girl in a Barbie world
Life in plastic, it’s fantastic
Come on Barbie, let’s go party!
Ah ah ah yeah …

Oh Gott! Müssen wir nicht alle mal? Diese kleinen, peinlichen Momente? Hoffen, dass es keiner gesehen hat? Aber alle haben es …

Zitate gibt es übrigens reichlich: Dick und Doof, Stuttgart 21, Die 68er, Tom Jones, die alte Sexbombe, Glückliche Tage von Samuel Beckett, Sonny and Cher’s Lovestory …

Das schöne, pralle Leben geht zuende, und du kannst nichts dagegen tun außer zu sterben.

Und ich gehe jetzt Brötchen holen …

 

Veröffentlicht unter 2017

Alles gut

Du fühlst dich wichtig und unsterblich – das ist Geburtstag.

Gut, dass dieses Ereignis nur ein Mal im Jahr stattfindet.

(Diese wunderbaren Briefe, diese Sonne am samtblauen Himmel, dieses unentwegt brummende Handy mit besten Wünschen, dieser solide volle Kühlschrank, weil diese liebsten Freunde heute Abend kommen, diese Fragen und Nachfragen von guten KollegInnen, diese beinahe 100-Prozent-Zusagen für Freitag – das Leben ist schön. Was mir direkt auffällt: Ich hab einiges richtig gemacht, entschieden, aussortiert, festgehalten, überdacht. Eine gute Bilanz. Muss ich mir jetzt ganz ironiefrei mal selber ausstellen. Mein Vorhaben, heute mit Pokerface durch den Tag zu schreiten …  was kümmert’s mich, mein Geschwätz vom Morgen.)

Veröffentlicht unter 2017

Lauf der Zeit

In meinen Geburtstag rein sehe ich einen Film – Was bleibt – mit Las Eidinger und mit Corinna Harfouch und Ernst Stötzner. Harfouch und auch Stötzner gehören für mich zu der Handvoll Darsteller, die immer die progressiven Rollen abgekriegt haben. Sind die dabei, ist der Film gut. Und jetzt spielen sie Großeltern! Das ist der Lauf der Zeit.

Veröffentlicht unter 2017

Tote Zeugin Nummer 6

Ich glaub’s nicht – schon wieder eine tote Zeugin im NSU-Prozess.

Der Vorsitzende des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses, Wolfgang Drexler (SPD), will nun Informationen. Ah ja! Solche wie bei den ersten vier oder fünf Zeugen, die auf rätselhafte Weise und ohne jede Vorerkrankung „starben“?

Es dreht sich ja auch bloß um rechts-kontaminierte Personen, da mag das vielleicht nicht so schlimm sein…

Auch die neue Zeugin ist eine ehemalige Rechtsextremistin, genauer: Sie war es vor 27 Jahren! Darüber hinaus soll sie eine Freundin des NSU-Mitglieds Beate Zschäpe sein. Sie lebte in einem Pflegeheim. Was ihr nun aber auch nichts genützt hat. Ob der Zschäpe das Gefängnis nützt? Da darf man gespannt sein…

Die Tote sollte als Zeugin geladen werden. Drexler: „Das wäre für uns eine interessante Zeugin gewesen.“ So was Dummes aber auch: Ihre Leiche ist schon verbannt worden. So, wie der Wohnwagen der beiden Uwes auch dummerweise verbrannte. Und das Auto von Florian Heilig und er selber auch. Ach ja: Selbstmord war das. Selbstmörder verbrennen sich ja bekanntlich ziemlich oft in ihrem Auto oder in ihrem Wohnwagen.

Von Florian Heiligs – natürlich toter – Freundin gar nicht zu reden. Die hatte im zarten Alter von 21 Jahren eine Lungenembolie. Ganz plötzlich. Soviel zur offiziellen Version unserer Justizbehörden! Ein Jahr nach ihr „starb“ übrigens auch ihr Verlobter. Logo: Suizid. Interessiert das noch jemanden?

 Dieses Zeugensterben spricht von einer atemberaubenden Hemmungslosigkeit. Scheint ja auch zu funktionieren … Die/der wievielte ist das nun? Hab irgendwann aufgehört mitzuzählen, aber ich glaube, es ist die sechste.

Veröffentlicht unter 2017

Woran ich gerade denke

  • an diesen speziellen grünen Hugo mit irre viel pürierter Minze und Limetten drin, in der Strandbar von Tel Aviv.
  • an meine neue, knallrote Slimjeans von Mos Mosh, sozusagen vom Schaufenster weggekauft.
  • an „Sehr geil – gut mitgedacht!“ Blöder Arschtyp bei Rewe vorhin!
  • an meinen fertigen Text. Bin glücklich!
  • an PM’s schöne Beine. Er behauptet, das habe ihm noch keine gesagt 😉
  • an den kleinen L., der „Me“ zu Mond sagt.
  • an Wolfgang und ob er mich morgen zum Sonntagsfrühstück einlädt.
  • an meine Freundin Susanne, die Mittwoch Abend zusammen mit M. und H. zum Essen kommen. Ich koche nicht! Es gibt Pizza von gegenüber.
Veröffentlicht unter 2017

Wochenende der anderen Art

Samstag, Tübingen. Gestern Arbeitsfrühstück bei Bea. Sowohl in kulinarischer als auch geistiger Hinsicht maximal gehaltvoll. Bea hat es drauf, in ihrer leisen Art Dinge, die ihr wichtig sind, drei Mal zu wiederholen. Das ist mir erst aufgefallen, als ich die Aufnahme unseres Gespräches abgehört habe.

Bea kann Schwerpunkte setzen. In diesem Fall hat sie die entscheidenden Inputs gegeben.

Aus dem Gespräch ist heute Nacht um halb drei ein Text fertig geworden. Der dritte Essay des Buchprojekts.

Ein Wochenende ohne PM. Komisch, aber die richtige Entscheidung. Ich werde einfach nicht gesund. Das ist mein Plan für dieses WE: Auschlafen, keine Termine, keine Verpflichtungen, am Buch weiterarbeiten. Also gesund werden.

Ich vermisse ihn trotzdem.

Veröffentlicht unter 2017