Täuschung

Sonntag, 01. September 2013

 

Es gibt diese Filme, da wird der Held verfolgt, gehetzt und gejagt von einem oder mehreren Gegnern, und dann, nach der Hälfte des Films ungefähr, taucht endlich einer auf, ein Deus ex machina, der helfen könnte und bestimmt auch helfen wird und an den der Gejagte sich von nun an hält.

Hoffnung breitet sich aus, seiner grässlichen Lage doch noch zu entkommen, nicht nur bei dem bedauernswerten Helden, sondern auch beim mitleidenden Zuschauer.

Und plötzlich kippt was in der Geschichte und du merkst, dass du aufs Glatteis geführt worden bist und der Gejagte auch, aber der merkt es (noch) nicht. Der vertraut weiterhin dem vorgeblichen Freund, der in Wahrheit sein allerschlimmster Feind ist, plaudert alles aus und kapiert nicht, dass er sich, blind vor Vertrauen, sein eigenes Grab schaufelt.

Zuerst willst du es nicht wahrhaben: Der einzige Hoffnungsschimmer, der Lebensretter – nichts als eine Täuschung. Das ist das Grauen, das Entsetzliche, das dir nie, niemals im Leben passieren darf.

 

Und dann passiert es. Eines Tages ist es da, von einem Augenblick auf den anderen.
Und du erkennst: Alles war Täuschung. Dein Leben wird nie wieder so sein, wie es war. Jede einzelne Minute, Sekunde in den vergangenen eineinhalb Jahren hast du dich getäuscht. Das ist es, was du aus seinem Betrügermund erfahren hast. Das ist die Wahrheit. Eineinhalb Jahre schon hat in Wahrheit niemand dich geliebt und begehrt. Sondern eine andere, die an deine Stelle getreten ist. (Bäumchen, Bäumchen wechsle dich.) Der Plot des schlechtesten Rosamunde-Pilcher-Films – das ist dein Leben! Und die Frage vergiftet dir dein Gehirn: Wie war das denn die neunzehn Jahre davor? Wann ist die Täuschung auf den Plan getreten? Wer ist dieses Phantom, dem du deine verschissene Liebe geschenkt hast?

 

Es gibt Filme, die sind nicht gut für dein Urvertrauen. Da machst du am besten ganz schnell die Glotze aus.