Nachts telefonieren

Sonntag, 22. September 2013

 

Hallo Juliane! Wahnsinn! Bleib bitte dran. Ich komme gerade zurück aus Berlin. Ich bin sozusagen nackt. Einen Moment.

Es raschelt, dann ist Friedrich wieder da:

Fabelhaft, oder wie die Vieregges sagen würden, farrrbelhaft war es! Meine vierundneunzigjährige Mutter ist in Brandenburg, genauer: in Müllrose, in einen Kahn gestiegen, hat abgelegt, ist rückwärts gerudert, dann vorwärts, und los gings. Mit vierundneunzig. Ich hab mir diese Gene ja leider kaputt gesoffen. Jaja, jetzt sagst du wieder, ich soll nicht alles pathologisieren. So, jetzt habe ich ein Hemd an. Was sagst du zur Wahl? Das ist doch Wahnsinn. Die pendeln so um die absolute Mehrheit rum, die CDU, oder? Ja, die Angie, wer hätts gedacht. Weißt du noch, wie die damals im Schlepptau von Kohl angetrabt kam? Was gibts noch Wichtiges? Ob die AfD wohl drin ist?

Friedrich, weißt du, dass du der einzige Mensch bist, den ich noch nach Mitternacht anrufen kann, und der nicht gleich denkt, es ist etwas Furchtbares passiert?