Die Andere

Giulia will bei mir Fernsehen gucken. Sie will auch mit ihrem Laptop an meinem Esstisch sitzen.

So war das aber eigentlich nicht gedacht. Ich will von deinem Tellerchen essen, ich will in deinem Bettchen schlafen, denke ich. Oder ist sie einfach nur anhänglich? Giulia will hier einen Platz im Regal, da einen Platz im Regal, und an der Badezimmertür will sie einen Haken für sich. Für ihren Bademantel.

Muss sich alles erst einpendeln, denke ich, als sie mit ihrem Laptop die Treppe raufstiefelt und  mich mit großen Augen durch ihre Brille anguckt.

Komisch, und jetzt sitzt sie da am Esstisch, an meinem Platz sogar, weil ihr Kabel kürzer ist als meins und nur in diese Steckdose passt, wie sie gleich messerscharf erfasst hat. Und ich, weil ich auch arbeiten muss, sitze ihr mit meinem Laptop gegenüber, am anderen Tischende, an dem ich noch nie gesessen habe, und wenn ich es mir jetzt recht überlege, wie wir da sitzen und schweigen und vor uns hin daddeln, dann finde ich das eigentlich ganz possierlich.

Wie schnell man ein anderer wird, durch die Begegnung mit einem anderen Menschen. Unheimlich!