Ost und West

Wenn PM was richtig lustig findet, sagt er Nein, Nein, Nein!, in einem geradezu flehentlichen Ton. Manchmal greift er dabei sogar nach meinem Arm, seine Bitte um Nachsicht unterstreichend, denn es könnte ja sein, dass er gleich vor Lachen stirbt.

Nein, Nein!, und er windet sich nicht nur vor Lachen, sondern auch ein bisschen vor Ekel, als ich ihm von einem lange Verflossenen erzähle, der seine Bettwäsche exakt ein Mal im Jahr wechselte. Nach einem Semester drehte er sie auf links, nach dem zweiten Semester wurde sie abgezogen und gewaschen. Es war derselbe, der im Winter mit einer Sofadecke um die Schultern durch die Straßen zog – wir hatten die Siebziger und waren gegen Konsum und Komfort.

PM als ehemaliger DDR-ler kennt nur echten Mangel. Die Decke nennt er ab sofort jenen Verflossenen, der in seinen Augen nur ein Volltrottel gewesen sein kann.

Nein, Nein!, als ich ihm von einem WG-Genossen erzähle, der einst in mein Zimmer kam und sich in meinen Besuchersessel warf und bei eilig herbeigeholtem Tee und Räucherstäbchen mir sein Herz ausschüttete, weil er es nicht länger ertragen wollte, Schwanzträger und Frauenausbeuter zu sein.

Weißt du noch…, beginnen die Geschichten, mit denen PMs Kumpel und Weggefährte Jürgen am Abend aufwartet: Weißt du noch, wie ich im Café Erholung keinen auf die Toiletten gelassen habe? Alles besetzt, Freunde. Los, macht euch vom Acker!, hieß es dann, und ihr konntet in Ruhe …

PM nickt versonnen.

Hatte das mit der Stasi zu tun?, frage ich begeistert.

PM und Jürgen wechseln indifferente Blicke, kichern, halten sich bald die Bäuche vor Lachen.

Nein, Nein!, japst PM, nachdem ich, ganz sensibel, noch einmal die Stasi eingebracht habe – mir können sie das doch erzählen, ich weiß schließlich Bescheid -, und greift nach meinem Arm.

Nicht die Stasi? Was dann? Was war auf dem Klo, was kein anderer …

Die beiden kriegen sich nicht mehr ein. Nein, Nein, Nein!, und Hahahahaha.

Ach so! Mädchen! Um Sex ging es. Gab ja keine WGs im Osten, wo man mal ungestört –

PMs Vergangenheit. Was die angeht, trennen uns manchmal Welten.