Heimat I

Heimat ist, was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war. (Ernst Bloch)

Nichtheimat also, nur eine Sehnsucht: Wo gehöre ich hin? Wo ist meine Ladestation?

Das Loch, das nie gefüllte …

Sie haben einen großen Schaden genommen, sagt Doc K., mein unermüdlicher Begleiter seit Wochen, so ernst, und ich erschrecke bis in meine allerverklebtesten Schichten hinunter.

Ist mir doch gar nicht mehr so präsent, diese uralte Geschichte, murmel ich und weiß schon, was er nun sagen wird.

Ja ja, sagt er.

Das macht er manchmal, ganz wenige Worte, die einen Vorhang öffnen, und mit einem Wimpernschlag wechseln die Paradigmen und die Welt steht unter einem anderen Vorzeichen.

Das Kind, über das kürzlich ein langer Artikel in der FAS kam – es hat sich weggehungert. Es ist tot. Ich lebe. Bin ja auch im Gegensatz zu dem toten Kind gerade noch rechtzeitig in die Klinik gebracht worden.

Es hat doch nur aufgehört zu essen!, sage ich fassungslos.

Nur?, sagt mein Doc.

Diese „Sache“, schon so unendlich lange her, sei die Ursache für das Loch – so will es mein Doc. Und ich will es aus irgendwelchen Gründen nicht. Da hat er noch zu tun, mein Doc. Aber er macht das gerne. Er hat sich mich ausgesucht, sagt er. Er arbeite gerne mit mir.

Das sagt er, um das Loch zu stopfen. Das Loch, in dem laut Bloch die Heimat aufscheint. Doch die ist irgendwie an mir vorüber gegangen.