Stimmungsschwankungen beim Lesetreffen

Das Wort für das heutige Lesetreffen ist „Athen”.

Das stresst mich. Ich habs nicht so mit der antiken Mythologie. Was sonst außer Mythen soll man aber mitbringen, wenns um Athen geht? Mir jedenfalls fällt nichts ein. In allerletzter Sekunde (und eine Sekunde vor Abgabe meiner Wahlzettel zu Europa-, Kreis- und und Kommunalwahlen in der Grundschule um die Ecke) ziehe ich die Lysistrate vom obersten Regalbrett: Reclamheftchen mehrerer Jahrzehnte vereinigt euch!

Als Dorle mit Fürst Pücklers Reisebericht durch Griechenland anfängt und mehr und mehr Vergnügen am Vorlesen jener vergangenen Sprach- und Erlebniswelt findet, starre ich noch indifferent aufs Teppichmuster. I.`s Geschichte der Namensgebung der Pflanzenwelt, die seinerzeit ein gewisser Theophrast aus Athen angeleiert habe, lässt meine Augenlider schon gefährlich sinken. Bei dem Krimi, aus dem A. vorliest, geht es um lauter Mordopfer, denen nur eins gemeinsam ist, nämlich dass sie alle irgendwann in ihrem Leben einmal in Athen gewesen sind, und ich werde für einen Augenblick wieder wach. Den Rest gibt mir dann allerdings ein historischer Roman, angesiedelt in?, richtig, Athen! G. hat ihn mitgebracht, und die Stelle, die er sich zum Vorlesen ausgewählt hat, ist eine unendliche Kette von Was-hätte-sein-können-wenn-Konstruktionen. Da fallen selbst I. die Augen zu.

Die Reihe ist an mir. Warum ich zwei Exemplare der Lysistrate besitze, entzieht sich meiner Kenntnis, doch jetzt kommen sie uns zugute. Ein drittes findet sich noch in Dorles Bücherregal. Schnell sind die Rollen verteilt; I., die von uns allen am besten vorträgt, soll die Lampito lesen, das ist mir wichtig. Ich selber lasse mir die Rolle der Lysistrate nicht nehmen. Ist ja schließlich mein Beitrag für diesen Nachmittag.

I. macht ihre Sache wie immer großartig. Allgemeine Freude über diese ganz prima versauten Stellen, die der alte Herr Aristophanes sich da vor 2500 Jahren hat einfallen lassen. Chapeau! Und dann wird es doch wieder spät und der Tatort ist nun auch vorbei, und ich, ich freue mich nur noch aufs Telefonieren mit PM,

(der später fragen wird: Warum habt ihr nicht Alexis Sorbas genommen?)