High Heels

Du hast aber hohe Absätze!, höre ich öfter, wenn ich hohe Absätze trage.
Ja, sage ich dann.
Manchmal sage ich aber auch: So hoch sind die gar nicht. Oder (bei Plateauschuhen): Die sind vorne auch hoch, das relativiert sich.
Als wäre ich damit entschuldigt.
Fragt sich nur, für was. Ist das Tragen hoher Absätze ein Vergehen?
Vielleicht. Man ist auf einmal größer als sonst, eventuell sogar größer als andere. Man macht sich groß, sozusagen. Das klingt nach Täuschung, oder noch schlimmer: nach Hybris, nach Selbsterhebung.
Mit fünfzehn hätte ich mir die Absätze, die ich heute trage, nicht zugetraut. Für Absätze braucht es Standing, und das nicht nur in körperlicher Hinsicht. Vielleicht ist es das, was auf andere provozierend wirkt. Die Absatzträgerin gibt nicht nur zu erkennen, dass sie dieses Standing hat, sondern auch, dass sie weiß, dass sie es hat. Hätte sie es nicht, würde sie nämlich umknicken.
Umknicken, stolpern auf Absätzen aber ist der Gipfel der Lächerlichkeit. Das weckt Schadenfreude. Es gibt Schauspielerinnen, die in High Heels auf dem roten Teppich hinknallten. Die werden das nie mehr los. Die werden ihr Leben lang mit dieser Fallgeschichte assoziiert, als wären sie nur dafür berühmt geworden.
Ich kann es nur empfehlen, hin und wieder auf hohen Hacken herumzulaufen. Ist gut fürs Selbstbewusstsein. Vor vielen Jahren, als mir ein schwieriges Gespräch mit einem älteren Kollegen bevorstand, zog ich am Morgen Stiefel mit Absätzen, mit hohen, harten Absätzen an. Der Kollege stand schon im Gang und sah mir entgegen, mit seinem überlegenen Lächeln im Gesicht. Da ließ ich sie knallen, die Absätze, tock, tock, tock, mit jedem Schritt wuchs ich dem Himmel entgegen, und das Lächeln wurde sichtlich dünner.
Dann stand ich vor ihm, und ich sagte den ersten Satz und sagte ihn auch noch laut genug – das ist ganz wichtig -, und der Kollege konnte jetzt nur noch re-agieren und ich wusste, dass ich gewonnen hatte.