Palacio dos Arcos

Gestern um 11.30 Uhr hat der Flieger abgehoben und kurz darauf konntest du weit unter dir den Kölner Dom sehen – was L. wohl gerade macht, aufstehen?, arbeiten?, ist sie an diesem WE überhaupt in Köln? -, den Rhein, dann eine weiße Wolkenschicht unter und den blauen Himmel über dir, und knappe drei Stunden später liegt da unten der Atlantik und wie ein durcheinandergeratenes Webmuster die Stadt, deren Außenränder kein Ende zu nehmen scheinen: Lissabon.

Nach der Landung und dem Warten auf das Reisegepäck fährt das Taxi nicht nach Lissabon rein, wie es der Taxifahrer denkt und wohl gewöhnt ist, sondern nach Oeiras, genauer: nach Pacos de Arcos. Hier ist nämlich unser Hotel. Wie PM das gefunden hat, weiß ich nicht. Gefunden hat er ein „Palacio“ aus dem 16. Jahrhundert, maisgelb getüncht, mit einer schmalen, gepflasterten Toreinfahrt – gerade breit genug für die Kutschen – und Blumenstauden und Kletterpflanzen in poetischem Dunkelviolett.

Aus- und umgebaut zu einer langgestreckten Hotelanlage, liegt der „Palacio“ in einem Park, der dich glauben lässt, du bist direkt im Paradies angekommen. Palmen, Bananenstauden, Bougainvillen, Clematis, Lavendel, wildwuchernde, duftende Kräuterbeete, ein gebüschumwucherter Teich, Skulpturen, versteckte Sitzplätze, fettgrüner Rasenteppich und ein schillernder, mit blauen und bronzefarbenen Mosaiken gepflasterter Pool. Die Liegen und die Schirme und sogar die Handtücher sind cremefarben, die Leute sprechen Französisch, Englisch, Portugiesisch und einige wenige Deutsch.

Das Hotel gewährt dir allen Comfort, an den du noch nie im Leben gedacht hast, der dir nun aber durchdacht und höchst sinnvoll erscheint. Da beschleicht dich glatt die Furcht, du könntest dich dran gewöhnen, wo solche Eindrücke doch die absolute Ausnahme bleiben müssen, wenn du nicht eine blöde Kuh, eine Ignorantin werden willst.

Schon die Rezeption wartet mit gediegenen Antiquitäten auf, und in der Bar stehen ein Flügel und rote und gelbe Polstersessel. Überflüssig zu erwähnen, dass der Blick aus dem Frühstücksraum unmittelbar aufs Meer fällt oder, je nachdem, an welchem Fenster du gerade sitzt, auf den Park mit seiner wirklich originellen Skulpturengruppe.

Das Beste aber kommt noch. Von der Rezeption in den Neubau läufst du über einen Ballustradengang, und dann stockt dir der Atem: Unter dir liegt eine Kirche. Eine richtige! Mit Altar, Sitzbänken, Weihwasserbecken, Madonnenstatue – alles dran. Das war einmal die Kapelle der ursprünglichen Palastanlage, erklärt der junge Kerl, der meinen Koffer vor sich her rollt und uns zu unserem Zimmer begleitet …