Wo sind die Antworten der Politk?

Wenn ich die ganzen Artikel über Antisemitismus und Islamismus und ISIS und die wachsende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen etc. pp. studiere, frage ich mich, wo eigentlich die Antworten der Kirchen und der Intellektuellen und der Künstler bleiben. Ich frage mich das angesichts der bedauerlichen Tatsache, dass die Antworten in der Politik ausbleiben – jener Garde, von der ich zwar als erstes Antworten erwarten dürfte, die aber aufgrund von extremer Unflexibilität und Phantasielosigkeit zur Antwort nicht in der Lage ist.
Wann kommen wir – SchriftstellerInnen, JournalistenInnen, PfarrerInnen, LehrerInnen, PsychologInnen, ErzieherInnen, Mütter, Väter – über das Lamentieren hinaus und entwerfen eine neu ansetzende Gesellschaftsanalyse, eine Vision, wohin es mit unserer westlichen Gesellschaft gehen soll?
Wir lamentieren auf hohem Niveau. Uns geht es gut, und die großen Weltprobleme scheinen so weit weg. Uns fehlt einfach – noch – der zwingende Grund zur leidenschaftlichen Auseinandersetzung. Wir sind satt und abgesichert. Sattheit und Sicherheit sind aber der größte Hemmschuh der Kreativität. Gut fressen, gut saufen, bequem schlafen (und im Schreibtisch jede Menge Versicherungspolicen) lassen uns zur Kreatur werden, nicht zum Kreator.
Doch es ist Kreativität, was in der Politik brennend fehlt.
In der Kirche übrigens auch. Wo sind die Antworten, die der zeitgemäße Glauben bereithält? Da fühle ich mich als Theologin besonders in der Verantwortung.
Ich bin aber nicht nur Theologin, sondern auch Künstlerin und Sprachwissenschaftlerin und Lehrende und Lernende und Mutter und Geliebte und Witzereißerin und Autorin und vieles mehr. Auf all diesen Spielfeldern stehe ich in der Verantwortung. Gerne würde ich mit offenem Geist die Spielfelder mischen: Künstlerisch glauben, lernend lieben, witzig lehren, um nur ein paar beliebige Beispiele dieses kreativen CrossOvers zu nennen.
Vielleicht könnten wir uns dann von eingefahrenen Denkmodellen trennen. Vielleicht könnten wir uns dann mit Mut, auch mit Mut zum Irrtum, auf unsere Position besinnen, ohne nur die Abgrenzung im Sinn zu haben.
Und um es nicht beim bloßen Studieren von Zeit-, FAZ- und taz-Artikeln zu belassen.