Heimat II – oder Das Einzige

Die einzige Botschaft, die meine Mutter mir auf den Lebensweg mitgegeben hat, ist, dass das Leben an sich nichts taugt. Ihr eigenes Leben hat sie als Zumutung empfunden. Das Leben der Anderen auch; stellvertretend sozusagen, für die Anderen.

Das Einzige, was meine Geschwister und mich in Sachen Lebensführung verbindet, ist ein sensationeller Aktionismus. Wir lassen nur wenig aus, wir nutzen jede Sekunde. Ich schreibend, mein Bruder wirtschaftend, meine Schwester gestaltend. Wir haben Energie zum Abwinken. Wir sind sehr gründlich, jeder auf seinem Gebiet. Wir sind ultimativ kreativ (wir kriegen den Kopf aus jeder Schlinge). Wir lassen uns nichts vormachen (die Jahrzehnte lange Rhetorik-Schulung einer vom Leben Enttäuschten). Wir sind der personifizierte Protest. Wir sind gerüstet. Wir haben vor kaum etwas Angst. Wir rennen rein und schaffen viel. Manches geht auch gewaltig daneben. Aber wir fangen wieder von vorne an.

Als müssten wir uns immer noch beweisen, dass das Leben schön ist.

Ist es ja auch. Und manchmal sogar, ohne sich so verdammt anzustrengen.