Heimat III

Hab geträumt, ich steige an einem unbekannten, kleinen Bahnhof aus dem Zug nach Tübingen und weiß nicht weiter. Laufe mit meinem Gepäck in den Ort, wo ich an einem hübschen Haus vorbeikomme, und kann bei der Familie auf dem Sofa übernachten. Das Mädchen untersucht meine Schminksachen, während sie mir von ihren Schulproblemen erzählt. Am nächsten Tag bringen die freundlichen Menschen mich zum Bahnhof, und ich stelle fest, dass ich einfach im Zug hätte sitzen bleiben müssen.

Mit welchen Empfindungen werde ich heute Nacht den Schlüssel in die Haustür stecken? Wie wird meine Wohnung nach so langer Abwesenheit auf mich wirken? Wie wird sie riechen? Ob T. die Blumen gegossen hat? Und die Post rausgenommen? Sehr wahrscheinlich. Auf T. ist unbedingt Verlass.

Heute Abend fahre ich nach Hause, aber keineswegs mit dem Zug. Sondern mit meinem Mfg-Favorit Florian. („Selbe Stelle zur selben Uhrzeit wie gehabt.“) (s. 18. Mai)

Die nächste Woche wird so gedrängt sein, dass es mir den Atem verschlägt, wenn ich daran denke.

Am Freitag heiratet L.

Gestern drei Stunden unterwegs wg. Tischdeko und Geschenken. PM nimmt am Freitag die ganzen Sachen mit nach Köln. Die Rede ist soweit fertig. Ein Post wg. Bitte um Inputs bei meinen 443 Facebook-Freunden ergab nur von Heinz Koch halbwegs Brauchbares. Halte Udos und meine Teamarbeit in diesem Punkt für eine stimmige Lösung angesichts der nicht gerade einfachen Familienverhältnisse. Auch angesichts der Gästeliste. L. hat Befürchtungen wegen drei Konfliktherden im Gästepool. Ich hab ihr gesagt, wegen mir braucht sie sich keine Sorgen zu machen. Heikel ist die Sache mit N.’s Freund, der in Wirklichkeit eine Frau ist, weshalb N.’s Mutter den Kontakt zu N. abgebrochen hat, auf L.’s Hochzeit wird sie den beiden aber mit Sicherheit begegnen.

Beim Thema Kontakt zum eigenen Kind abbrechen – mir fällt nichts Versagermäßigeres und auch nichts Sinnloseres ein – erinnere ich mich gerade an einen Fernsehbeitrag von vorgestern: Endlich hat mal einer von den Psychoexperten öffentlich gesagt, dass ADHS eine Scheinkranktheit ist, die nur den Pharmakonzernen nützt. Wieso kommt dieses Statement erst jetzt? Pillen sind ja so bequem …

Es ist Sonntag Morgen. PM schläft noch. Es ist kalt und der Himmel einerleigrau. Bringe ihm jetzt mal den Kaffee hoch.