Kleinscheiß

Die Politik kümmert sich nur noch um Kleinscheiß, und wenn man die diversen EU-Urteile der letzten Monate betrachtet, um Kleinstscheiß. Jedenfalls nicht um das, was ansteht und die Bürger – mich – bewegt.
Die Frage: Leben wir überhaupt noch in einer Demokratie?
Sind Alternativmodelle zur Demokratie denkbar, die den Bürgerwillen einbeziehen, sich also wieder um die wesentlichen Belange kümmern?
Die Arbeitslosen, die Geringverdiener, die maximal ausgebeuteten Dauerpraktikanten, die Ausgetricksten und in die Scheinselbstständigkeit Gezwungenen, die von Vermittlungsagenturen abhängigen Tage- oder Wochenlöhner, sie alle sind von den Entscheidungsprozessen abgehängt. Sie sind allein gelassen.
Unsere Demokratie ist eben nicht mehr für alle BürgerInnen da. Manche, ziemlich viele, haben Pech gehabt, wie man so sagt. Eine Wahlbeteiligung von maximal 60% zeigt das anschaulich, doch diese 60% scheinen zu genügen. Mehr braucht unser Staat nicht von uns. Die restlichen 40% lassen sich mitziehen, und die, die den Anschluss komplett verloren haben, vertreiben sich derweil mit anderen Dingen die Zeit. Solange der Tisch voll ist – Fressen, Saufen, PC-Games -, stört sie das offenbar auch wenig.
Nur manchmal ist da so ein verdammt ungutes Gefühl. Als politisch interessierte Bürgerin empfinde ich einen großen Frust angesichts einer Politik, die mittlerweile so unsexy daher kommt, dass jeder Impuls, sich einzubringen, müde in sich zusammenfällt. Motiviert, zuversichtlich erregt auf die Straße gehen – das war einmal. Es gibt keine Bewegung in dem Sinne mehr. Auf Facebook posten ist auch keine echte Alternative. Global Players, die Lenker weltweit verzahnter wirtschaftlicher Prozesse, geben uns zu verstehen, dass die Möglichkeit einer Veränderung durch persönliches Engagement ausgeschlossen ist. Jeder Versuch in diese Richtung zwecklos.
Das macht mir Angst. Die Angst lässt mich ins Private verkriechen, auch in die Kunst. Machen wir uns nichts vor: Die Kunstszene – Literatur, Musik, Malerei – ist absolut unpolitisch, und damit beliebig, geworden. Die „postmoderne“ Literatur – was immer das sein soll – hat es sich zur Aufgabe gemacht, kleinste Dorf-, Familien-, Beziehungseinheiten wortreich larmoyant zu inspizieren. Allenfalls gewürzt mit ein wenig Ironie, ein wenig Zynismus. Kunstvoll geschrieben, Schreibschulen-geschult, aussagefrei.
Hallo, großer Wurf, Hallo, modernes Revolutionsstück, Hallo big, big Ölgemälde mit provokanten Köpfen unter provoakanter Guillotine  – wo versteckst du dich denn?