Zu Pegida, Bärgida, Kögida …

Die Diskussion über den Islam und die islamische Kultur wird m.E. in Deutschland zu oberflächlich geführt.
Da macht sich eine diffuse Angst vor dem „Fremden“ breit, das ja, zum Glück meistens auf recht unkomplizierte Weise, längst in unserer gesellschaftlichen Mitte Fuß gefasst hat.
Vielleicht aber so unkompliziert auch wieder nicht. (Mich beschleicht zum Beispiel ein sehr ungutes Gefühl, wenn ich komplett verschleierte Frauen in den Straßen von Bad Godesberg sehe, die von ihrem Mann am Arm geführt werden müssen, weil ihnen nicht mal ein Sehschlitz zugestanden wird.)
In der öffentlichen Diskussion wird die diffuse Angst oft umgelenkt (wohl aus bekannten historischen Gründen) in eine eher leichtfertige Vorstellung vom Islam als einem folkloristischen Phänomen, das man, wie andere Minderheiten auch, schützen müsse (siehe z.B. so verniedlichende Bezeichnungen wie Muselmanen, oder den auch in seiner ständigen Wiederholung wenig überzeugenden Hinweis auf die kulturelle Bereicherung des Döners).
Durch solche unzulässige Marginalisierung wird die Angst aber nicht beantwortet.
Geschützt, bzw. durchdacht werden müsste zunächst, was eigentlich unsere westliche Identität ausmacht. Erst, wenn ich meinen eigenen Standort kenne, kann ich mich von der Furcht vor Fremdem frei machen.
Meinungsfreiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit/Gewaltenteilung, Menschenrechte, Gleichberechtigung von Mann und Frau, keine Benachteiligung wg. sexueller, religiöser oder politischer Zugehörigkeit, Pressefreiheit, Chancengleichheit – das sind Werte, die mir spontan dazu einfallen; durch sie ist meine eigene und unsere gesellschaftliche Wirklichkeit geprägt.
Die allein entscheidende Frage ist, ob der Islam mit diesen Werten kompatibel ist. Eine Frage, die letztlich nur unsere muslimischen MitbürgerInnen selbst, bzw. deren Interessenvertreter / islamischen Verbände beantworten können. Bisher fallen die Antworten, soweit ich das beurteilen kann, nicht eindeutig aus. Das ist es, was mich persönlich beunruhigt.
Meine Beunruhigung wird definitiv nicht adäquat damit beantwortet, dass in Dresden 18.000 Mann „gegen Fremde“ auf die Straße gehen.
Wir sollten es unseren Politikern nicht ersparen, auf Antworten zu bestehen – auf Antworten von unseren muslimischen MitürgerInnen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben und hier – selbstverständlich – auch bleiben sollen.