Deadline

Oh Shit, der Zug geht, das Wochenende geht vorbei, dem i-phone geht der Saft aus und ich muss noch einen Text verfassen. Bis Dienstag Abend habe ich Zeit, aber Zeit ist relativ. Morgen ist komplett ausgebucht, heute sowieso. Übermorgen ist schon Dienstag und zur Arbeit gehen heißt nicht schreiben können. Deadline ist jetzt! 9 1/2 Stunden geht dieser Tag, dieser Sonntag noch, doch keine erotischen Spielereien erwarten mich, sondern Langeweile und Pflichten. Das ist hart, wenn der Geist in alle Richtungen explodiert, aber es GEHT NICHT. Noch nicht, immer: noch nicht, aufgehoben ist genau das gleiche wie aufgeschoben, weil Aufgeschobenes verdampft, mit beleidigter Miene dampft es durch die Gehirnwindungen nach draußen, ungenutztes, ungebrauchtes Potenzial, Gedankenblitze, Textfragmente. Vorbeigegangen.

Gleich werde ich in den Zug steigen, meine Tasche zwischen die Beine stellen und noch eine Weile nach draußen sehen, in zwei Augen, die mir viel bedeuten, dann einen Platz suchen und vielleicht keinen finden, mit Blick aus dem Fenster das Wochenende durchspielen mit seinen Highlights und seinen Traurigkeiten, ja die auch, während der Zug durch die Gegend brettert am schönen Rhein entlang durch das schöne Andernach und das schöne Bingen und soviel Schönheit macht ja auch ein bisschen müde und ich weiß nicht, was das nächste Jahr – die Zukunft! – bringt, und das ist vielleicht das Denkwürdige daran, dass mich das nicht beunruhigt.

Nicht länger auf die Nebengleise starren und Hauptsache kein Stillstand. Todeslinie. Dem Unechten den Platz verweigern und dem Echten die Stirn bieten. Und das Herz.