Telefontermin Literaturagentin

Aufschlussreiches Gespräch mit meiner Literaturagentin. Das Sachbuchprojekt mögen sie also, sie und ihre Chefin. Den Roman finden sie und ihre Chefin zu gewagt.

Hä? Wollen sie ein weiteres nichtssagendes, nichts erzählendes Buch auf den Markt werfen aus irgendeiner Großstaddtschreibschule von irgendeinem Großverlagslektor, der sich dort seine gelehrigsten Schülerinnen zusammenklaubt, damit der Wendepunkt auch wirklich exakt in der Mitte des Buches sich ereignet und auch sonst sämtliche Regelchen eingehalten sind, die die neue Literatur so ermüdend, so gleichgeschaltet machen?

Ich sage ihr das alles. Ich sage ihr auch, dass ich selber eine Schreibwerkstatt leite und dass ich das alles kenne und dass es nur wenige Seiten braucht, um ein Buch von einem Schreibschulenautor zu erkennen.

Und finden Sie das gut?, fragt sie  mich mit ehrlichem Interesse und fällt für einen Moment aus ihrer Rolle.

Nee, sage ich, das finde ich langweilig.

Sie habe das Manuskript gerne gelesen. Sie habe es sogar bis zu Ende gelesen!, sagt sie. Aber die Stellen, also Ihre Sexstellen, windet sie sich, die sind – anders. Wir wissen ja nicht, wie das ankommt…

Ja, hoffentlich, erwidere ich. Das ist ja keine Anmachlektüre. Das erschreckt und soll auch erschrecken. Das ist furchtbar, was die Protagonistin sich da antut…

Das ist schon Scheiße, wenn man sein eigenes Buch verteidigen muss. Da hab ich keinen Bock drauf. Entweder sie kapiert, oder sie kapiert nicht.

Sie trauen sich nichts. Sage ich. Und sie: Doch, mit einem Titel haben wir uns schon was getraut.

(Wow! Na toll! Verdammte Axt, wenn ich wüsste, welcher EINE Titel das ist …)

Meine beiden Projekte sind nur im Doppelpack zu haben, sage ich unfreundlich.

Das Gespräch ist beendet.