Intensiv und viel

Zieh mir gerade zum zweiten Mal Billy von Einzlkind rein. Mache ich selten, ein Buch nochmal lesen. Jeder Satz ein Gewinn, viele wie eine Berührung von nur angedachten oder schlafenden Gedanken.

Das Fest ist vorbei, der Vorbereitungsstress, die Freuden, die Begegnungen und Abschiede schon wieder Vergangenheit, mit so einer Spur von Ewigkeitsgefühl. Ich hatte das eingelegte Filet vergessen auf den Tisch zu stellen. Große Pleite. Warum hat W. mich nicht daran erinnert? Hat er etwa gedacht, ich hätte mich UMENTSCHIEDEN? Wegen seinem sagenhaften Zitronenhuhn? OMG, so viele unausgesprochene Gedanken! Jedenfalls der Kartoffelsalat war gut, das Raclette sowieso. W. meinte, Weihnachten er bei mir, das sei nun schon eine Tradition.

Heute morgen der verblassende Vollmond über den Weinbergen des Aartals. Und jetzt scheint die Sonne über der Aar (über der glitzernden Aar). Beinahe ein Frühlingstag. Gestern bei unserer Abfahrt in Tübingen waren es 16 Grad.

L. und Familie sind noch bei mir in der Wohnung geblieben, vielleicht sehe ich sie nächste Woche in Köln wieder. B. hat einen schwierigen Job und er träumt sich in allerlei Wachträumen weg, träumt zum Beispiel davon, eine Galerie zu eröffnen, oje! T. und S. hatte ich schon länger nicht mehr gesehen. T. nimmt gerade eigene Stücke ohne Band(?) auf, bin gespannt aufs Ergebnis. Sie alle haben sich so viele Gedanken gemacht bei den Geschenken, sie sind mit guten Gefühlen gekommen, nehmen die Veränderungen in meinem Leben mit Offenheit und Neugier auf, S. hängt sich in ihre Ausbildung, sie will den Abschluss, sie redet Klartext mit T., überhaupt redet sie Klartext, sie erzählt vom Zirkus, wo sie aufgewachsen ist, und wir bestaunen die Eleganz ihrer Bewegungen, mit denen sie ihre unglaublichen Geschichten untermalt, sie alle nehmen PM mit großem Wohlwollen auf, sie lauschen seinen Geschichten, die auch exotisch und wie von einem anderen Stern sind, es ist intensiv und viel, es ist so, wie Weihnachten – auch in einer ziemlich kranken Welt – sein sollte.