Dumm gelaufen

In falschen Zug gestiegen. Sechsstündige statt wie sonst vierstündige Fahrt. Finde mich plötzlich in Bruchsal wieder. Dann in Karlsruhe. Hier die Information, dass der Zug, den der Zugbegleiter mir rausgesucht hat, 100 Minuten, in Worten: einhundert Minuten Verspätung hat, Mannomann! Dank schnellem iPhone finde ich eine andere Verbindung und komme über Mannheim und Frankfurt und Köln endlich um 22 Uhr in Bonn an, wo mich ein maximal müder PM abholt.

Hab in Stuttgart die Durchsage wg. Gleisänderung nicht gehört und bin einfach eingestiegen. Der Zug stand ja schon da. War eben bloß der falsche. Anderen ging es ähnlich. Schwacher Trost. In falschen Zug einsteigen ist immer so eine mini traumatische Erfahrung. Kann mich an jeden einzelnen Fall erinnern, und während die Landschaft an mir vorüber zischt, rufe ich sie mir in fast masochistischer Penibilität auf, lasse nicht locker und komme auf insgesamt sechs Fälle (einmal mit meinen Kindern zum big Vieregge-Familientag, als ich statt in Naumburg in Halle lande).

Ist ja doch dann immer gar nicht so schlimm, und in dieser Lage erfasst du nebenbei, wie gut das Schienennetz ist und wie hilfsbereit die Leute, aber etwas bleibt zurück, dieses miese kleine Gefühl, in einer ganz alltäglichen Situation – ach nee, das führt jetzt aber echt zu weit.

Viel gelesen in den sechs Stunden, 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies. Anstrengendes Buch.