Abenteuer

Gutes Gespräch, gutes Gefühl.

Bin 1 Stunde zu früh da und schaue mir das Städtchen und die Wallfahrtskirche an und besorge mir in einem Laden schnell eine neue Jacke, weil ich mir meine unterwegs versaut habe, bis es Zeit ist, die angegebene Adresse anzusteuern.

So ein Typ, als kenntest du ihn schon seit 20 Jahren. Na, ist ja auch ein bisschen so (seh ihn direkt morgens im Fernsehen, als ich mir die Wimpern tusche, und sag Hallo zu ihm, wir treffen uns ja nachher). Ein großer Erzähler vor dem Herrn. Wirft mir mit seinem Einstieg gleich mal mein Konzept über den Haufen, was aber nicht schadet, im Gegenteil. Ich bin gut vorbereitet, es kann nichts mehr schiefgehen. Die Gesprächsführung hole ich mir zurück. Ein saugutes Gefühl. Der hier vor mir sitzt, ist intelligent, vielseitig, ein kreativer Schnelldenker.

Nur einmal, als es ans Eingemachte geht, steht er auf und macht sich ewig lang an seiner Espressomaschine zu schaffen. Und redet dabei weiter, auf der Suche nach den richtigen Worten, immer auf der Hut, immer die Angst zu viel zu sagen, ich muss mehrmals nachhaken gegen den Widerstand der großen Gefühle, da ist die Maschine eine willkommene Ablenkung, bloß leider steht er jetzt so weit weg und setzt und setzt sich nicht mehr hin, und genau diese ganz wichtige Passage ist nun in der Aufzeichnung von einem sehr lauten, sehr nervigen Brummen unterlegt, keine Ahnung wieso und keine Ahnung, wie die gute Frau H. das bei der Abschrift hinkriegen soll.

Ende April ist das nächste Interview. Das ist ein abenteuerliches Ding, was ich da mache. Wenn ich unterwegs bin zu meinen GesprächspartnerInnen, sind da diese Fragen, liege ich richtig mit meinen Einschätzungen und Vorüberlegungen, wo lebt die Person, wie arbeitet sie, lässt sie sich auf mich ein, das gehört alles zusammen, und wenn du dann deinen Platz einnimmst, hast du schon so ein Gefühl, wie es laufen könnte.