Einsichtshemmung

„Der Verzicht auf Gewalt, die Vertauschung der Muskelaktivität gegen die Sprachaktivität gelingt uns … höchst unvollkommen. Im Leben der Individuen kann der Dauerstreit mit Worten nicht weniger belastend sein als eine physische Auseinandersetzung, weil Einsichtshemmungen im Dienste der tyrannischen Triebansprüche auch mit vielen Worten nicht gelöst zu werden brauchen.“*

OMG!

Wenn ich diese Erkenntnis 20 Jahre vorher gehabt hätte … Warum hab ich nicht ganz einfach mal meine Muskelaktivität in Gang gesetzt, wenn der Hero meines abgelegten Lebens wieder eine seiner gefühlten hundert Ex- und Wieder- und Neufreundinnen gedatet hat und Dauerstreitereien im Vor- und Nachfeld auf „Nur du hast damit ein Problem“ oder „Was kann ich dafür, wenn du damit nicht klarkommst“ rausliefen?

Anstatt auf die Kraft des Wortes zu setzen, mit dämlicher/weiblicher? Unermüdlichkeit, ich Vollpfosten.

Einsichtshemmung im Dienste der tyrannischen Triebansprüche – die zielgerichtete Griffigkeit des psychoanalytischen Theorems trifft mich heute Morgen mit seiner geballten Explosivkraft.

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*Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, S. 118