Attacke auf Hilfskonvoi

Wer steckt hinter dem Bombenanschlag auf den UN-Hilfskonvoi nach Syrien/Aleppo? Etwa das russische Militär?
 
Heilige Sch…, man blickt nicht mehr durch. Es gibt sie nicht, die Guten und die Bösen, es gibt nur Eigeninteressen, nationale, aber durchaus auch persönliche, das musst du dir immer wieder klar machen als höchst unvollständig informierte Netzleserin.
 
Diese Geschichte jetzt mit dem Konvoi lässt einen so unvermittelt an den „versehntlichen“ Bombenangriff auf Assads Truppen durch US-Streitkräfte vor ein paar Tagen denken, dass ein Zusammenhang sich einfach aufdrängt. So wie es die USA auch interpretieren. No doubt!, für sie stecken Putin oder Assad dahinter. Doch weiß man es?
 
Schon einen Tag später, so lesen wir heute, scheint die Sache mit dem Luftangriff gar nicht mehr so sicher: „Wir sind nicht in der Lage festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Luftangriff gehandelt hat“, sagt ein Sprecher der Vereinten Nationen. Die frühere Formulierung „Luftangriff“ in UN-Erklärungen ginge vermutlich auf einen Fehler bei der Erstellung des Entwurfs zurück. Die UN hatten wie die USA zunächst von einer Bombardierung aus der Luft gesprochen. Damit würden als Verantwortliche für die Zerstörung von 18 der 31 Lastwagen nahe Aleppo insbesondere Russland oder Syrien infrage kommen.
 
Also alles nur ein Formulierungsfehler? Hm.
 
In einer Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums heißt es, eine Foto-Analyse ergebe keine Belege dafür, dass der Konvoi aus der Luft angegriffen worden sei. „Es gibt keine Krater, und das Äußere der Fahrzeuge weist nicht die Schäden auf, die zu aus der Luft abgeworfenen Bomben passen würde“, heißt es. Vielmehr habe die Ladung des Konvois Feuer gefangen.
 
Putin weist vehement jede Schuld von sich.
 
Doch die USA – im Gegensatz zur UN? – halten an ihrer Darstellung fest. „Wir wissen nicht genau, was passiert ist, wir arbeiten noch daran“, sagt der US-Regierungsvertreter Brett McGurk. „Aber wir glauben, dass es ein Luftangriff war.“
 
Auch Russland kündigt eine Untersuchung des Zwischenfalls an. „Das Militär wird die Vorgänge vom 19. September prüfen, um alle Details zu klären“, teilt das Außenministerium in Moskau mit. Das Außenamt weist erneut Vorwürfe zurück, Russland könne in den Angriff verwickelt sein. „Mit Empörung nehmen wir die Versuche (…) wahr, der russischen und der syrischen Luftwaffe die Verantwortung für den Zwischenfall zu geben“, heißt es der Agentur Interfax zufolge in einer Mitteilung. Für solche Anschuldigungen gebe es keine Beweise.
 
Das russische Verteidigungsministerium teilt mit, auf Videoaufzeichnungen sei gut sichtbar, dass „Terroristen“ mit einem Lastwagen den Konvoi begleiten würden. „Auf dem Fahrzeug steht ein großkalibriger Granatwerfer“, sagt Generalmajor Igor Konaschenkow. Der Vizechef des Verteidigungsausschusses in Moskau, Franz Klinzewitsch, ruft nun die USA mit Nachdruck zur Zusammenarbeit mit Russland im Syrien-Konflikt auf. „Ich sage nicht, dass die USA den Konvoi bombardiert haben. Aber es ist klar, dass sie den Konvoi schamlos für einen Informationskrieg benutzen.“
 
Da ist er raus, der böse Verdacht, noch verbrämt durch eine verharmlosende Negation: Die USA hätten den UN-Konvoi selber in die Luft gesprengt. Wozu? Reicht ein „Informationskrieg“ aus, sich das Risiko eines im Wahrheitsfall verheerenden Negativimages einzuhandeln?
 
Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schließt sich der Sichtweise der USA an und teilt mit, der Angriff sei entweder von den syrischen oder den russischen Streitkräften geflogen worden.
 
Wir können gespannt sein. Die Zuschreibungen scheinen samt und sonders eher an Eigeninteressen als an der Wahrheit orientiert.
 
Bei dem Vorfall sind 18 von 31 UN-Fahrzeugen mit humanitären Hilfsgütern – Medikamenten, Lebensmittel und Decken – bombardiert und etwa 20 Menschen getötet worden. Der Vorfall belastet massiv die Aussicht auf eine Wiederbelebung der jüngsten Waffenruhe und verschärft wieder einmal die Spannungen zwischen Washington und Moskau. Nach dem Angriff stellen die Vereinten Nationen vorerst sämtliche Hilfsleistungen in Syrien ein. 
Leidtragende sind die Menschen in Aleppo.

Quellen u.a.: n-tv.de , jga/rts/dpa