45 Millionen Suppenküchen-Besucher

Clinton oder Trump? Wie es aussieht, macht Trump das Rennen, was mich zunächst mal, um nicht um den heißen Brei zu reden, kalt lässt, da ich mich über einen Sieg Clintons nicht gerade gefreut hätte.
 
Ein Land, das sich 45 Millionen Suppenküchen-Besucher leistet, das das Mantra der freien Märkte in die Welt trägt, als gäbe es keine Alternativen, und von dessen Abgeordneten jeder zweite Millionär ist, während die Mittelschicht sich auflöst, setzt auf ein verwöhntes Milliardärs-Söhnchen, der mit 34 Jahren den Trump-Tower bauen ließ und sich damit schon gleich mal ein Denkmal setzte.
 
Jetzt ist er für höhere Löhne und für mehr Arbeitsplätze – Trump, der Geläuterte? Niemand weiß, was er nach einer Wahl wirklich tun würde. Sein Gepöbel und Gepolter öffnet Spielraum für Interpretationen: Außenpolitisch wolle er sich weniger einmischen, als die USA es bisher getan haben. Will er Truppen zurückziehen? Etwa Geheimdienste disziplinieren? Ist er gegen „Regime-Change“ im Mittleren Osten – wer bisher nicht wusste, was ein Euphemismus ist, weiß es jetzt -, gegen Putin-Bashing, gegen Aufrüstung, gegen Nuklearwaffen?
 
Immerhin wirft er Hillary vor:
 
„Die Außenpolitik Hillary Clintons hat Amerika tausende Leben und Billionen Dollar gekostet – und den IS entfesselt. …2009, bevor Hillary Clinton ins Amt geschworen wurde, war es eine andere Welt. Libyen hatte kooperiert. Irak erlebte einen Rückgang der Gewalt. Syrien war unter Kontrolle. Iran wurde von Sanktionen stranguliert. Ägypten wurde von einem freundlichen Regime regiert, das seinen Frieden mit Israel geschlossen hatte. Der IS war noch gar nicht auf der Landkarte. …
In nur vier Jahren hat Ministerin Clinton es vollbracht, fast im Alleingang den gesamten Mittleren Osten zu destabilisieren. Ihre Invasion in Libyen hat das Land IS-Barbaren ausgehändigt…. Hillary Clintons Unterstützung für einen gewaltsamen Regimewechsel in Syrien hat das Land in einen der blutigsten Bürgerkriege gestürzt, den man je gesehen hat – und dem IS eine Startrampe für Terrorismus gegen den Westen geliefert. Sie hat geholfen, ein freundliches Regime in Ägypten mit der radikalen Moslembruderschaft auszutauschen.“ (zitiert nach Geo Litico)
 
Auch in der Wirtschaftspolitik setzt Trump verbale Zeichen und scheint damit geradezu ein Verbündeter des deutschen Widerstands zu sein. Er ist gegen TTIP! Er spricht von „Großspendern“, die das Big Business manipulieren und die Löhne niedrig halten. Das sind deutliche Worte.
 
Selbst ein Wirtschaftsmogul, hat er ja auch die perfekte Innensicht. Er weiß, wie das Spiel läuft, er kennt die Regeln. Nutzt er sein Insiderwissen für einen Kampf gegen das Big Business, dem er selbst entstammt? Wartet er gar mit einem Ökonomie-Change auf?
 
Trump: „… Wir können uns zur Lösung all dieser Probleme nicht auf eben die Politiker verlassen, die sie verursacht haben. Wir werden niemals in der Lage sein, ein manipuliertes System zu reparieren, indem wir uns auf diejenigen verlassen, die es überhaupt erst manipuliert haben. Die Insider haben die Spielregeln aufgestellt, um damit an der Macht und am Geld zu bleiben.“
 
Vielleicht machen die Medien, die Trump verabscheuen und seit Monaten so tun, als habe er überhaupt keine ernsthafte Chance, die Rechnung ohne das US-Volk. Vielleicht ist er Amerikas letzte Chance.
 
„Ich bin mit dem Volk!“, sagt Trump. Angesichts des Demokratieverlustes in den entwickelten Staaten hört sich das, mal ganz naiv gesprochen, gut an. Mit Clinton würde alles beim Alten bleiben, und ihre Volksnähe – na ja! Trump, indem er Korruption und soziale Missstände beim Namen nennt, stellt einen Neuanfang zur Diskussion. Man darf gespannt sein.