Nach-denken

Dienstag. Wie nennt man diesen Zustand, wenn du so richtig viel geschafft hast, aber eben noch nicht alles. Für den Augenblick kannst du die Ärmel wieder runterrollen, aber schon demnächst, nächstens, musst die Power remobilisiert werden – stand by, nur ein Knopfdruck.

Unser Sommerfest mit 45 Leuten, die ich lange nicht gesehen habe oder noch nie, die mich kennen lernen und was von mir haben wollen, umgedreht genauso, die Freitag Abend vor der Tür stehen und sich freuen mit ihren Geschenken und Geschichten, auf die bin ich natürlich scharf, das sind Schicksale, die will ich am liebsten alle gleichzeitig hören, und am Samstag ist der Hauptact und dann regnet es ohne Unterbrechung, weshalb die Sache also verlegt wird in überdachte Räume, und PMs und meine Kinder sind auch da und die Freude und Aufregung beim Start und dann die Traurigkeit beim Abschied am Abend oder erst Sonntag Morgen, je nachdem, nach dem gemeinsamen Frühstück auf der Terrasse bei jetzt wieder großartigem Wetter und dazwischen die Müdigkeit, weil die Erschöpfung der letzten Arbeitswochen mir in den Gliedern steckt – kann ja auch nicht abschalten, weil am Montag kommt’s noch mal so richtig fett.

Eine lange Zugfahrt mit Primär- und Sekundärliteratur um mich rum verstreut, und weil auch diese vier, fünf Stunden dafür nicht ausreichen, eine durchgearbeitete Nacht. Montagmorgen: Eröffnungskonferenz, nur zwei Stündchen Schlaf und die auch nicht so richtig und wo ist dieser Herr Sowieso und wie diese Frau Sowieso wohl drauf ist, Konzentration, Konzentration, und dann Prüfungen bis zum Abend und am Abend, als alle durch sind und alle bestanden haben und alle bewertet worden sind und mein Empathiepool ausgeschöpft ist und meine Konzentration und Power sowieso, stehe ich völlig neben mir und wie so oft das Gefühl, dass die Dinge sich nur bedingt planen lassen und du vor lauter Funktionieren nicht zum Denken kommst. Irgendwie läuft’s und irgendwie läufst du mit. Das ist der Moment, wo du nur denkst, nichts wie weg! Aber das bringt nichts, das geht woanders genauso weiter. Das ist das Leben und Arbeiten im postmodernen Beschleunigungswahnsinn.

Jetzt, wenn ich nach-denke, endlich, über das Fest und dass auch die Tübinger Freunde dabei waren und T. und J. und L. und B., dann weiß ich, dass sie und all die anderen sich auf den Weg gemacht haben, um es mit uns zu feiern, und das ist ein schönes Gefühl.