Wirklichkeit …

… ist: Das Flattern des Vorhangs vor dem offenen Fenster, PM’s Atem, rosa Wolkentupfen auf blauem Morgenhimmel, der Landeanflug der Taube auf der Antenne gegenüber, die Konturen von PM’s Geburtstagstisch, die Einkaufstüten neben dem Sessel, das wundersame Heimatgefühl, das ein Hotelzimmer zu vermitteln in der Lage ist, die Melancholie des Abschieds, die Ungewissheiten, die vielleicht nur als Ungewissheiten wahrgenommen werden.

Buchenwald, gestern. Die verwirrende Größe / Weite des Mahnmals – wie groß muss ein Mahnmal sein, um diese Schuld zu tilgen? Die Kahlheit des vergangenen Grauens, das Gespräch mit S. auf der Mauer des ehemaligen Appellhofes, S.’s coole, elegante Wohnung am Waldrand unmittelbar neben dem Sendemast, S.’s Disziplin. Die Ordnung, die Aufgeräumtheit, um die Einsamkeit zu ertragen. PM’s Hoffnung, dass sich politisch etwas bewegt, Nach-Wahl-Analysen im AfD-lastigen Thüringen, ideologische Gräben, die keine echten Gräben sind, Glaubwürdigkeit.

Und heute Abend wieder zu Hause. Wo Steve mit seinem Grinsen in der Tür steht. Wo T. und J. wegen ihrem Umzug lauter Sachen von mir brauchen. Wo J. noch eine heftige Operation bevorsteht. Wo unbearbeitete Texte warten. Wo Verlags- und Vertragsverhandlungen nur langsam in Gang kommen.
„Kann dauern.“ „Kein Thema, alles klar“. „Läuft!“
Das geht seinen sozialistischen Gang.
Unerträgliche Langsamkeit contra Alltagshektik.
Berufsalltag, jetzt wieder, nach längerer Abstinenz: gefräßiges, gesundheitsfressendes Gewaltmonster.
Der alte Traum: Aufwachen und einfach nicht mehr funktionieren – was würde passieren?