Cekryler

Sonntag, B.N. Tomaiolo ist ein Ort in Italien. Habe ich kürzlich und zufällig aufgeschnappt; weiß nichts darüber, auch nicht, wo er liegt. Cekryler – oder Wismertik oder Lerontice – sind Kunstwörter, die der Wort-Generator NameRobot in Sekundenschnelle aus drei beliebigen Begriffen (Wissenschaft, Mercedes, Kryonik) kreiert und die nur ein sehr kurzes Leben haben werden, weil sie niemandem, nicht einmal mir selbst, etwas sagen. Es gibt aber auch Wörter, die keine Kunstwörter sind und mir trotzdem nichts sagen. Es gibt sogar solche, die ich schon drei Mal gegoogelt habe und jedesmal wieder vergessen. Durchaus möglich, dass ich beim vierten Zusammentreffen immer noch oder wieder keinen Schimmer habe, was sie bedeuten.

Manchmal google ich mit Absicht nicht. Ein unbekanntes Wort ist eine Art Geheimnis. Es bleibt so eine Restungewissheit, ob ich jetzt trotzdem den Zusammenhang noch blicke, und mit der lebt es sich recht gut. Manche Ungewissheiten verfolgen mich mein Leben lang. Ein Mal nicht gegoogelt oder nachgeschlagen, und jedesmal, wenn das Wort meinen Weg kreuzt, erinnere ich mich meiner Vergesslichkeit. Oder Faulheit. Oder Freude am Ungewissen. Ich weiß es nicht und es macht mir nichts aus. Das ist der kleine Tropfen Anarchie im durchgegoogelten Alltag.

Etwas nicht zu wissen, ist das eine, es nicht zu googeln, das andere. Die Googelmaschine lässt kaum eine Ausrede zu. Smartphone raus, eingeben und zack! – bist du wieder einen Zacken schlauer. Oder eben nicht. Tomaiolo ist für mich ein Ort in den Bergen. Ich weiß genau, wie es dort aussieht, ich weiß sogar, wie es dort riecht. Nämlich nach Hühnern, Mortadella und Friedhofsnebel.

Und wenn Tomaiolo in Wahrheit am Meer liegen und wenn ich das eines Tages erfahren sollte, habe ich eben Pech gehabt.