Die schützende Hand

Mittwoch. Wenn du dich umfassend über die Geschichte der BRD informieren willst, ist der dokumentarische Roman Die schützende Hand von Wolfgang Schorlau eine Bereicherung, die ihresgleichen sucht (Spiegel-Bestseller 2015, mit großer Verspätung meinerseits). Hier kann jeder nachlesen und es dämmert dir plötzlich, warum zum Beispiel Obama berechtigt war, Angie Merkels Handy abzuhören.
Man kann sich pro forma ein bisschen darüber aufregen, wie es unsere Politiker*innen, inklusive Merkel, ja auch vorgeführt haben und uns jeden Tag vorführen, aber die Strukturen stehen fest. In welcher Form und in welchem Ausmaß, darüber hat die breite Öffentlichkeit keine Ahnung. Und nur die wenigsten haben große Lust, sich selbst aufzuklären (ich nehme mich da nicht aus). Die Medien tun es nämlich nicht, mit gutem Grund. Unterm Strich bist du danach, gelinde gesagt, beunruhigt. Man könnte auch sagen, dein Gesamtbild von unserem beschützenden Rechtsstaat, sofern es überhaupt bestanden hat, gerät verdammt ins Wanken. Wer hat daran Interesse? Die Kritiker der Feuilletons jedenfalls nicht. Das Buch wird in die Verschwörungsecke gestellt, ein Totschlagargument, ohne Gegenargumente zu erbringen. Ist für Buchkritiker ja auch ein schwieriges Feld … Lieber tut man das alles als Spinnerei ab und kann weiterhin ruhig schlafen, vögeln, fressen, konsumieren.