Ich bin ein Mensch, der

Kennt wahrscheinlich jeder, diese Ansagen, die mit den Worten anfangen: Ich bin ein Mensch, der …

Wow, denkst du, was kommt jetzt, dass die – oder der – das so feierlich einleitet, und dann geht es weiter:

… grundsätzlich nichts plant! Oder: … keine Tiere isst! Oder: … die Wahrheit liebt!

Ja, toll. Und jetzt? Dann plan eben nich. Iss keine Tiere. Sag die Wahrheit. Tun andere auch. Is eigentlich jetzt nich so was Besonderes, ey!

 

Veröffentlicht unter 2017

My Life is My Life

Ein paar special präzise Sätze der Mitscherlichs (darüber, dass die unbefangene Aufmerksamkeit, die kreative Phantasie und die geistige Beweglichkeit eines Einzelnen – oder eines ganzen Volkes – unterdrückt und verhindert werden, wenn alle Energie der Abwehr des Unbewältigten geopfert wird);

das Glitzern des Morgenlichts auf der bewegten Oberfläche der Ahr;

der alte Tisch vom Kalvarienberg-Flohmarkt, den ich nicht gekauft habe, weil PM die besseren Argumente hatte;

die Erinnerung an einen kurzen, aber intensiven Besuch gestern in Godesberg;

ein Bild, das noch fremd an der Wand lehnt und mir schon bald vertraut sein wird;

die auf dem Teppich verteilten Arbeiten, angefangen und nicht fertig geworden;

das Wissen, dass ich heute Abend zurückfahre und die Fahrt noch so weit weg scheint;

der Geruch meiner allmorgendlichen Kaffee-Kakao-Mische;

das Gesicht des noch schlafenden PM

– das alles ist mein Leben, meine Lebendigkeit, meine Phantasie und meine Aufmerksamkeit –

Veröffentlicht unter 2017

Viel schlimmer

Kaum passiert etwas in der Welt, werden wir mit Bildern und schlauen Sprüchen zugespamt. Im Handumdrehen bekommt das Ereignis ein Image: Trump der Trottel, Putin der fiese Strippenzieher … Und ehe ich irgendwas erfasst habe vom wirklichen Ereignis, von den wirklichen HINTERGRÜNDEN – OMG!, was für ein antiquiertes Wort -, ist es schon mundgerecht durch den Medien-Fleischwolf gedreht.

Kauen? Überfüssig!

Dass die Interpretationen sehr oft ohne Informationen auskommen (wollen), spüren wir inzwischen. Inzwischen sind wir aufmerksamer. Zu viele Fehldeutungen, zu viele unbedachte Zitate, zu viele falsche Bilder – zum Beispiel im ZDF-Heute Journal – haben uns schon auf die falsche Fährte gesetzt und bei ihrer Entlarvung erschreckt: Was, sogar die Öffentlichen? Oder gerade die Öffentlichen?

Zu viele Ereignisse werden zu schnell totgeredet, verpackt, verschnürt und abgelegt, als dass ich sie dort auf dem Berg des Vergessens vor sich hin modern lassen könnte. Bei mir regt sich da eher der Trieb des Verbotenen: Verschnürte Pakete will ich aufreißen. Was verbirgt sich dahinter: Ist es etwa der Versuch, das Schreckliche in den Griff zu kriegen?

Eher nein! Eher sollen wir wohl daran gehindert werden, uns unsere eigenen Gedanken zu machen. Das Putin-Bashing wird mittlerweile bis zur Satiregrenze strapaziert. Ich kann die Nachrichten nicht mehr ernst nehmen. Wer mich nicht ernst nimmt, den nehme ich nicht ernst. So einfach ist das.

Es ist aber nicht nur einfach, sondern auch ärgerlich: Wozu brauche ich einen Journalismus, der über einen Kamm geschert scheint? Harald Martenstein schrieb am 23. Januar 2017 in seiner Zeit-Kolumne, er habe das Fernsehen aufgegeben, weil er sich an das Einheits-Regierungsfernsehen der DDR erinnert fühle.

(Wenn wir Claus von Wagner, Max Uphoff und ihre Anstalt nicht hätten …)

Jakob Augstein sagte kürzlich in einem Interview bei aspekte (ZDF): Keineswegs gebe es ein sogenanntes Meinungskartell, wie sich mancher Medienkonsument das vorstellt (ich auch irgendwie), weil es naheliegend erscheint angesichts der big Übereinstimmung in den Medien. Es gebe auch keine Absprachen. Es sei viel schlimmer: Die Journalisten seien überzeugt, es stimmt, was sie sagen! Die Absprachen, die Stimme von oben, sitze längst in den Köpfen der Berichterstatter selbst fest. Ohne große Not unterwerfen sie sich dem Mainstream. Kein Misstrauen, kein Drang, mal hinter die Fassade zu gucken, fechte sie an. Kritiklos übernehmen sie, kupfern sie ab, drucken sie ab, was bereits irgendein anderer zusammengeschrieben hat.

Damit werden die Medien zur Propaganda.

Was ich mir wünsche: Statt Horrorgeschichten über Trump, die langsam langweilig werden, wäre es doch jetzt mal an der Zeit, sich zusammenzusetzen und zu überlegen, welchen Weg die europäischen Staaten gehen könnten ohne die US-Wegweisung. Ganz konkret: Trumps Druck, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen – wo bleibt der Aufstand? Wo die unangenehmen Fragen von unabhängigen JournalistInnen? Von solchen, die selber kauen?

Und die auch ihre KonsumentInnen selber kauen, sprich: denken lassen?

Veröffentlicht unter 2017

Schöne Begegnung

Schöne / herzliche / überraschende Begegnung in Bonn-Bad Godesberg mit einer Leserin meines Blogbeitrags Auschwitz ist überall. Daraufhin hatte sie mich kontaktiert und eingeladen: Sie war jahrelang die Sekretärin und Mitarbeiterin meines Großonkels Wolfgang Kaskeline.

Über viele Familienangehörige weiß man so gut wie nichts. W.K. hat nicht nur gemalt und gezeichnet, er hat auch Geschichten geschrieben und Dokumentarfilme gedreht.

Bei Kaffee und selbstgebackenem Käsekuchen stöbern wir in Bildern und Texten von ihm. Ich bekomme ein abstraktes Ölgemälde geschenkt. Es gefällt mir. Ich weiß schon, wo ich es aufhänge.

In Familien dominieren oft Gerüchte die Tatsachen, leider …

 

Veröffentlicht unter 2017

Rosenmontag

Montag. Auf den Bahnsteigen von Mainz ziehen verkleidete Truppen – Prinzengarden, Monster, Kinderfeen – durch unbeteiligt vor sich hin starrende Reisende. Die einen sind im Feier- , die anderen im Arbeits- oder Reisemodus. Läuft so parallel – stehen zwei nebeneinander, sagt der mit der roten Pappnase: ich feiere gerade. Sagt der andere: Ich nicht. Auch in den Regionalzügen sitzen verkleidete Fahrgäste. Sie haben bunte Perücken auf, tragen Raketen oder Besen oder Leitern auf dem Rücken und fahren als Astronaut oder Putzfrau oder Schornsteinfeger von A nach B. Alles ganz peacefull.  Die Polizei von NRW hat die Asylanten aufgefordert, sich von Umzügen fern zu halten. In Köln gibt es eine Ini extra für Asylanten, die mitfeiern wollen. Auch ganz peacefull.

Im Intercity, der mich nach B.N. bringt,  schreit nur ein Baby. Wir sind jetzt in Bingen. Das dauert jetzt nicht mehr lange. Es geht uns gut von Arno Geiger ist mein aktueller Leseinput. Sehr konstruierter Aufbau, sehr gestelzte, unlebendige Dialoge („Aber was rede ich, familiäre Unambitioniertheit ist bei dir ja nichts Neues“, sagt die ca 25-jährige Johanna). Ironische Brechungen von Realität und Fiktion, okay, aber das alles ganz unwitzig, uncharmant. Ein Generationenroman, schon wieder…

Die FAZ hat mal den Begriff Hängekopfliteratur geprägt. Ich bin auch schon ganz deprimiert von der verdammt realistischen Darstellung des dementen Alten und seiner Checker-Frau, der er seit fünfzig Jahren das Leben versalzt. So viel checkt sie auch wieder nicht. Allumfassender Resignationsmodus jedenfalls, keiner der Generationenstellvertreter und -vertreterinnen kriegt was auf die Kette. Trotzdem hält mich irgendwas an dem Buch, vielleicht ist es gerade seine Sprödigkeit. Seine unwitzige, uncharmante Nachvollziehbarkeit. Kunst als Eins-zu-Eins-Abziehbild, dafür die hochintellektuelle Konstruktion, die ich gerade bei Wikipedia gegoogelt habe. (Der Roman will was, aber was?)

Es geht uns gut ist einer dieser Romane, die dich definitiv nicht zum Weinen bringen. Zum Lachen sowieso nicht. Wir sind lakonisch drauf. Lakonisch, lakonischer, am lakonischsten. Die Kritiker waren seinerzeit begeistert. Leute haben ihn geschenkt bekommen und nicht alle haben ihn zuende gelesen. Ich hab das Buch von einer Sammelstelle für Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, mitgenommen. Ein ausgesetztes Buch. Es ist wie neu, nur in den Anfangsseiten angelesen. Da hat einer die Regeln nicht eingehalten: gib dem Autor die 50-Seiten-Chance!

Ich lese das jetzt. Ganz! Ich bin Jonathan-Franzen-gestählt, was soll da noch kommen?

Und jetzt Lautsprecherdurchsage: Wir müssen alle raus. Der Zug wird umgeleitet, auf die andere Seite des Rheins. Mehrere Stationen entfallen dadurch, meine auch. Notarzteinsatz auf dem Gleis – jeder weiß, was das bedeutet –

Ende der Feier.

Wird wohl später werden –

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Lesung Schreibwerkstatt

Datum: 07.03.2017
Uhrzeit: 18.00 Uhr
Ort: Buchhandlung Rosa Lux, Lange Gasse 27, 72070 Tübingen

Das von T. entworfene Plakat zur Lesung unserer Schreibwerkstatt. Leider sind der untere Teil, wann und wo die Veranstaltung ist, und der obere Teil, wer liest, hier abgeschnitten…

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Meine Wohnung

Ein Haus oder eine Wohnung ist ein Ich mit vier Wänden, sagte Carolin Emcke im November letzten Jahres bei einem Vortrag in Tübingen.

Bin ich meine Wohnung? Ist meine Wohnung ich? Wenn ich nach Hause komme, sind da meistens meine beiden Mitbewohner oder wenigstens einer von ihnen. In der Regel freue ich mich darüber. Wir quatschen etwas und dann geht jeder seines Weges, sprich: in sein Zimmer.
 
Wenn ich mich nicht freue und schon weiß, dass ich mich nicht freue, gehe ich direkt in mein Arbeitszimmer und mache die Tür zu. Das ist ein Signal. Niemand würde es wagen, die Tür zu öffnen.
 
Meine Wohnung ist nicht hyper innovativ, aber modern. Ich habe sie zum Teil selbst entworfen. Manches würde ich heute anders machen. Das meiste ist richtig. Sie hat zwei Etagen. Manchmal, wenn ich die Treppe raufkomme, drehe ich mich einmal um mich selbst und finde alles wunderschön. Manchmal betrachte ich mein Wohnzimmer in der Spiegeltür des alten Kirschbaumschrankes und wundere mich über den Verfremdungseffekt. Dann überlege ich mir, ob ich in diese Wohnung gerne einsteigen würde.

Ja, definitiv!
 
Das stelle ich mir manchmal vor: In fremde Wohnungen einsteigen, eine Weile drin wohnen, ein bisschen herumschnüffeln – zum Kennenlernen, nicht zum Abwerten -, ein bisschen umstellen, vielleicht, und dann wieder gehen.
 
Meine Wohnung ist trotz des coolen Zuschnitts gemütlich. Ich habe die Coolness mit Farbigkeit besiegt. Ich habe viel dafür getan, dass sie nach mir aussieht. Inzwischen gibt es Spuren von PM. Von meinen Kindern sowieso. Von meinen Mitbewohnern zwangsläufig.
 
Ich bin großzügiger geworden. Meine Wohnung ist ein Wir mir vier Wänden.

 

Veröffentlicht unter 2017

Einsamkeitsgesellschaft

Wenn ich heute zwei relativ beliebige Beiträge von Spiegel-online zusammen nehme: den grausigen Video über den Tod einer jungen Frau durch ihren geistig verwirrten Freund plus dem Bericht über das Werk des Ausnahmeautors und maximal Depressiven David Foster Wallace, dann steht am Anfang aller depressiven Zustände und sehr vieler Verbrechen das Grundleiden Einsamkeit.

In derselben Spiegel-Ausgabe – Zufall? – erfahre ich, dass die Zahl der Menschen mit Depressionen weltweit rasant ansteigt: Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322 Millionen Menschen betroffen, 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. Das waren gut 18 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Wie wird der Mensch mit sich alleine fertig? Und warum muss er das überhaupt? Was bedeutet Einsamkeit in einer Massengesellschaft? Ist der Mensch qua Geburt zur Einsamkeit – zum in die Welt geworfen sein – verdammt? Welche Rolle spielt die Erfindung elektronischer Spielzeuge bei Vereinsamung? Gibt es ein größeres persönliches Versagen als die Einsamkeit des Menschen direkt neben mir?

Wäre ein interessantes Projekt. Wenn ich nicht gerade an einem anderen arbeitete ….

Veröffentlicht unter 2017

Kontakt

Sehr komplizierte Kontaktaufnahme zwecks Gewinnung eines potentiellen Interviewpartners mit einem sehr komplizierten Kontaktformular, HATE!, wenn die Technik nicht will, wie ich will. Aber diesen Kontakt will ich …

Veröffentlicht unter 2017