Nehmen was kommt

Mittwoch. Neueste politische Floskel: Erwartungsmanagement. Meine Zugverbindung hat heute nicht geklappt, 2 1/2 Stunden Verspätung wg. zwei ausgefallenen Zügen und einem massiv verspäteten Zug. Hektisches Absuchen der Bahn-App nach Alternativen, da sagt der Typ neben mir: Man muss nehmen, was kommt. Oh? So kann man das auch sehen. Es geht gar nicht um die Bahn, sondern um so was wie Sportsgeist. Wer sich ärgert, ist selbst schuld. Das Erwartungsmanagement der Deutschen Bahn greift voll in mein Mindset. Ein riesiger Kundenstamm, der nicht erwartet, dass der Zug pünktlich kommt, dass überhaupt einer kommt, der das Warten nicht als Zeitverschwendung, sondern als

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Klar und schmerzvoll

Mittwoch, Tübingen. Die hysterische Fixierung auf den Gaza-Konflikt und die absurd einseitige Positionierung auf die Seite der Terroristen / Palästinenser, die nebenbei auf der ganzen Welt Brandherde verursachen, zeigen besonders in Europa ein Phänomen: Neuerdings wird der latent schlummernde Antisemitismus (warum auch immer???) verbrämt hinter dem Schlagwort „Antizionismus“. Als sei das Umlabeln die Legitimation für den überall wieder hervorkriechenden Judenhass – vielleicht, um das Bewusstsein um den Holocaust und das nachhaltig schlechte Gewissen der Deutschen endlich und endgültig abzuwerfen, so à la „Die Juden sind selbst schuld“? Mir macht das Angst. Eine traurige, sehr pessimistische Analyse liefert Prof. Michael Wolffsohn

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Lesung am Donnerstag in Bad Langensalza

Am 21. Mai lese ich in der bezaubernden Buchhandlung Buchgeschwister in Bad Langensalza: Was wirklich zählt – 18 Mal Hoffnung in Krisenzeiten Lesung, Diskussion, Austausch, zusammen einen schönen Abend haben – Donnerstag, 21.05.2026, 19 Uhr Buchhandlung Buchgeschwister Bad Langensalza Mühlhäuser Str. 39 99947 Bad Langensalza Um Voranmeldungen wird gebeten: 03603 842449 Kontakt

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Egal

Freitag, Tübingen. Seit zwei Tagen tue ich nichts. Muss das scheinbar erst lernen. Ich tue sonst nie nichts. Arbeit ist mein zweites Glaubensbekenntnis. Ich schaue Harry und Sally, Ein Chef zum Verlieben und French Kisses. Mir ist alles wunderbar egal (beginne das Wort runterkommen zu verstehen). Ich treffe mich mit meinen beiden Lieblingsfamilien, mein lieber T. mit Baby Z., und aus Köln meine liebe L. und das Lchen und das Tchen. Letztere sind gerade in Tübingen, wohnen aber beim Vater. Die Traurigkeit wegen der Kompliziertheit von Patchworkfamily, insbesondere unserer Patchworkfamily, wegen der Sehnsucht nach den liebsten Lieblingsmenschen, die diesmal in

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Alles im Fluss

Dienstag, Tübingen. Gute Nachrichten von meiner Agentin. Plan A scheint aufzugehen, es gibt konkretes Angebot von einem kleinen Verlag. Wahrscheinlich wird es keine Verbindung zu meiner Person geben, werde den neuen Roman wohl unter Pseudonym veröffentlichen. Ich muss mein Gesicht nicht überall reinhalten, im Gegenteil. Alles ist im Fluss, alles in Bewegung. Bin mega erleichtert.

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Mediator

Montag. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas‘ Begründung, weshalb sie den von Putin ins Spiel gebrachte Gerhard Schröder als Vermittler zw. Russland und Ukraine ablehnt: Schröder „sitzt auf beiden Seiten des Verhandlungstisches“. Ich dachte, ein Vermittler / Mediator sitzt immer auf beiden Seiten des Verhandlungstisches. Sagt doch schon das Wort, oder? Schröder ist für mich positiv besetzt aus mehreren Gründen. Hauptgrund: Als Bundeskanzler hat er im Jahr 2003 eine deutsche Beteiligung am Irak-Krieg explizit abgelehnt. Als ich das damals im Radio hörte, ich stand gerade im Flur, war ich stolz wie Bolle auf mein Land, auf meinen Kanzler. Ich kann mich noch genau

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Kunst und Autonomie

Donnerstag. Eine anmaßende, inzwischen zurückgetretene Biennale-Jury wollte Russland und Israel von vornherein von der Preisvergabe ausschließen. Seine Galerie hat den jüdischen, in Haifa lebenden Künstler Belu-Simion Fainaru aus ihrem Portfolio gestrichen, andere Künstler meiden ihn: Fainaru vertritt Israel auf der Biennale 2026 in Venedig. Die Stimmung ist aufgeheizt, der psychische Druck auf ihn wächst: Aktivisten rufen zu Demos gegen Israel auf, seit Wochen wird der israelische Pavillon angefeindet, ja, das Canceln der Ausstellung von Belu-Simion Fainaru wird gefordert. Hunderte, zum Teil prominente Teilnehmer der Biennale, unterschreiben dafür Petitionen. In der kommenden Woche bis zur Biennale-Eröffnung am 9. Mai ist mit

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P & P

Dienstag, Tübingen. Und gleich gehts wieder zurück. Morgen sechs Stunden Deutsch. Ende Mai sind die Hauptschulabschluss-Prüfungen, und ich zittere mit meinen Jungs und Mädels, die allesamt Schulabbrecher oder MigrantInnen sind, genauso wie ich in Tübingen mit meinen wohlbehüteten GymasiastInnen um ihren Abschluss gezittert habe. Nur dass es jetzt um viel mehr geht. Nichtbestehen würde sie existentiell bedrohen. Sie haben nur noch diese eine Chance. Nachmittags Schreibwerkstatt mit meinen JungautorInnen. Bin in der Woche in Tübingen zur Ruhe gekommen. Luxusstatus: Keinerlei Verpflichtungen, nur Treffen mit Freunden und Familie, Kino („Die reichste Frau der Welt“, gespielt von der erstaunlichen Isabelle Huppert), meine wunderbare

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Ungeil

Samstag, Tübingen. Wenn jemand Kaffee & Kuchen für 8,90 € konsumiert hat und mit einem 10-€-Schein bezahlt und 1 € zurückverlangt, dann formiert sich direkt mal der Gedanke, ob es das war mit der Freundschaft. 

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PEN

Donnerstag, Tübingen. Gestern bin ich dem PEN-Zentrum Deutschland zugewählt worden. Im Juni darf ich an der viertägigen Jahrestagung in Nürnberg teilnehmen, andere schreibende Menschen kennenlernen, mich austauschen und vernetzen. Es ist mir eine Ehre, Mitglied des PEN Deutschland zu sein. Ich freue mich sehr.

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