Sonntag, Tübingen. Wen interessiert, ob ein Anschlag auf unbeteiligte Bürgerinnen und Bürger, auf Minderheiten aus der LGBTQ-Community, auf Juden und jüdische Einrichtungen, von einem Einzeltäter oder von irgendeiner Gruppe ausgeführt wird? Und warum ist das immer die erste, reflexartige Frage in den Medien? Wie alle auch nur einigermaßen informierten Leute wissen, fordert die faschistoide Hamas seit dem 7. Oktober 2023 z.B. über Messangerdienste ganz direkt zu Einzelaktionen auf. Alle „Gläubigen“ in aller Welt sind aufgerufen, sogenannte Ungläubige zu töten. Mit dem Messer, mit der Machete, mit Gewehr oder einem Auto. Meine SchülerInnen sind zum großen Teil Muslime. Ich erlebe sie
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Alles wird gut irgendwann
Samstag, Tübingen. In Frankreich und Spanien geraten die Brände außer Kontrolle, Spahn fliegt aus dem Amt wg. Leihmutterschaft, deren Legalisierung er selbst (zum Glück) immer abgelehnt hat, Kanzler Merz labelt die verbleibenden Minister um, die fehlende Kompetenz (Linnemann als Gesundheitsminister?) durch große, teure Beraterstäbe ersetzen werden, Trump ist dabei, mit Saudi Arabien, konkret, dem Mörderprinzen, einen Atomdeal zu schließen (mir wird übel) und öffnet damit das Tor zum nuklearen Wettrüsten in der Region. Und die unwissende, aber interessierte Bürgerin sitzt am Schreibtisch und schreibt ihren nächsten Roman (Schule, Corona, Digitalisierung), obwohl der vorherige (Obsession, Dreiecksgeschichte, Selbstfindung) noch nicht verkauft ist.
WeiterlesenDas Runde muss ins Eckige
Montag, Tübingen. Spanien ist Weltmeister. In der 106. Minute fällt das erste und einzige Tor (Torres)! Tolles Spiel, Tränen bei den Argentiniern, Freudensprünge bei den Spaniern. Yamal umarmt Messi, ein schönes Bild. Und dann marschieren der mächtigste Mann der Welt und Fifa-Präsident Infantino ins Stadion. Vergessen sind vorübergehend Skandale und Spanienschelte. Trump und Infantino schütteln Sportlern mit besonderen Leistungen die Hand, danach überreichen sie die Silbermedaillen (Messi in Tränen aufgelöst), und die Goldmedaillen an die Sieger. Küsse auf den Pokal, die spanische Königsfamilie gratuliert, aus einer Kanone schießt goldenes Konfetti vor dem riesigen Goldpokal. Die WM ist vorbei. Am Anfang
WeiterlesenNever ending project
Donnerstag, Tübingen. Schreibend sich selbst – und der Welt – auf die Spur kommen. Das ist das Thema der heutigen Schreibwerkstatt gewesen. Keine einfache Sache, schon klar. aber wer behauptet denn, dass Schreiben einfach ist. Auf diesem niemals abgeschlossenen Weg möchte ich meine Gruppe gerne mitnehmen – ich glaube, sie lassen sich darauf ein.
WeiterlesenTschuldigung
Mittwoch, Tübingen. Wenn dir auf jedem Bahnhof, egal wo du landest, von sämtlichen Bahnsteigen die Ausreden entgegendröhnen: wir entschuldigen uns für 50 Minuten Verspätung wegen Arbeiten am Gleis, für 80 Minuten Verspätung wegen vorausfahrendem Zug, für 240 Minuten wegen eines folgenschweren Meteoriteneinschlags über Stuttgart 21 – wo die Bahn gerade 1000 km, tausend Kilometer, falsche Kabel installiert hat, nur um die jetzt alle wieder rauszurupfen, bevor die richtigen eingesetzt werden können, weshalb es inzwischen Stuttgart 31 oder 32 heißt –, dann stellt sich zwangsläufig dieser deprimierende Gedanke ein: Die Bahn steht symptomatisch für den Zustand unserer Eierrepublik. Übrigens halte ich
WeiterlesenFünf Jahre danach
Dienstag. Heute vor fünf Jahren war die Ahrtalflut. Wenn ich daran denke, wie wir das alles bewältigt haben … meine Fresse. Und was diese Katastrophe alles in unserem Leben verändert hat! Natürlich wären wir ohne die Flut nicht nach Eisenach gezogen. Zufälle fällen Entscheidungen, und nicht die schlechtesten. PM ist seit dieser Nacht ein anderer. Wahrscheinlich ist das ganze Ahrtal immer noch traumatisiert. Heute war großer Politikerauflauf in Bad Neuenahr, Merz auf dem Marktplatz und so weiter. Der rheinland-pfälzische CDU-Ministerpräsident Gordon Schnieder hat sich bei den Betroffenen entschuldigt: „Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass das Ahrtal nicht auf diese
WeiterlesenFalschrichtig
Sonntag. Definitiv gibt es ein richtiges Leben im Falschen. Adorno kam während seines kalifornischen Exils Mitte der Vierzigerjahre mit Blick auf sein faschistisches Herkunftsland zum gegenteiligen Schluss: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ (Minima Moralia). In der ersten, ursprünglichen Textfassung lautete der Satz: „Es läßt sich privat nicht mehr richtig leben.“ Adorno war mit seiner Familie gerade noch rechtzeitig 1938 in die USA emigriert, wo er bis 1953 blieb. Der unwissenden aber interessierten Bürgerin gefällt der ursprüngliche Satz fast besser. Wie kann ich mich privat okay fühlen, wenn das Gebäude um mich herum knirscht und kracht und einsturzgefährdet ist?
WeiterlesenThe Trump Trillion
Juhu, WIR gehen einkaufen! Marschflugkörper vom Typ Tomahawk. Pistorius, der Deutschen liebster Politiker, spricht von einem „starken Zeichen der transatlantischen Freundschaft“. Zunächst hatte Trump der Stationierung der US-Wunderwaffe in Deutschland samt US-Truppen eine Absage erteilt. Gegen den Kauf hat der Welt größter Dealmaker („Wir kaufen Grönland!“) allerdings nichts einzuwenden. Das Abkommen schließe eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung, zeigt sich Merz bei seiner Regierungserklärung „Zur aktuellen politischen Lage“ am Donnerstag, 09. Juli 2026, im Bundestag höchst zufrieden. „Mit der Anschaffung der Tomahawks reagiert Deutschland auf die Bedrohung Russlands“, erläutert der Spiegel pseudo-objektiv. Als hätten wirs noch nie gehört, dass
WeiterlesenGratwanderung
Samstag, Köln (Rückfahrt). EineinhalbTage schöne Momente, Glück, und die Erkenntnis der eigenen Ohnmacht. Eiern auf sehr schmalem Grat. Selbstvorwürfe. Sehnsucht. Mitleiden. Und immer diese Angst um die, die man am meisten liebt.
WeiterlesenDemon Copperhead in Eisenach
Mittwoch. Hätte mein Buchhändler mir Demon Copperhead von Barbara Kingsolver bloß nicht empfohlen! Jetzt hänge ich in den 864 Seiten fest, will das Brikett ständig in die Ecke schmeißen (in welche?, es ist ziemlich schwer) und lese doch jede freie Minute weiter. Im Nachhinein erinnere ich mich an ein leises Zögern, als hielte der Buchhändler etwas zurück. Nun, er hielt nichts zurück, sagte stattdessen was von White Trash und Trailer Park und Lost Children, und ich kaufte es. Ziehe mir jetzt also die Geschichte des rothaarigen und grünäugigen Demon Copperhead rein, den die Natur mit einem ansprechenden Äußeren beschenkt hat,
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