Donnerstag. Gut, dass wir in Deutschland maßgebliche Leute wie Ahmad Mansour haben, die aus dem arabischen Raum kommen und uns über Islamismus und florierenden Antisemitismus informieren und vor den Auswüchsen warnen können, wie gestern Abend bei Lanz. Merkwürdig, dass viele PolitikerInnen und überhaupt sehr viele Menschen diese Warnungen von Insidern komplett ignorieren. Mansour ist ein in Israel aufgewachsener Araber. Er hat den Israelhass mit der Muttermilch aufgesogen, sich aber als Erwachsener intellektuell und emotional davon emanzipiert. Wenn einer die Hintergründe des Islamismus kennt, dann er. Von manchen Gruppierungen, vor allem aus der Linke-Partei, wird er in die rechte Ecke geframt.
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Irrtum eingeschlossen
Donnerstag. Für den Beitrag gestern ein bisschen in meinem Blog gestöbert. Und mich erschrocken. Wie kritiklos, wie massiv ich die Coronapolitik verteidigt habe. Daran konnte ich mich tatsächlich gar nicht mehr erinnern. Hab immer gedacht, dass meine Betrachtungsweise eher leidenschaftslos gewesen ist. Beim Lesen zum Beispiel dieses Beitrags (Corona Diary – verschärfte Maßnahmen) kann ich das nicht mehr behaupten. Ich ändere nichts, lasse alles so stehen. Ich berufe mich auf das Recht, sich zu irren. Und sich weiterzuentwickeln.
WeiterlesenAsymmetrien
Mittwoch. Wenn einzelne KI-Creators vor ihrem eigenen Produkt warnen, zum Teil sogar aus ihren Projekten aussteigen, wie Möbius in Dürrenmatts Physiker es vergeblich versucht, dann kann niemand mehr so tun, als sei künstliche Intelligenz der reinste Segen. Folgte man dem Narrativ der großen Technologieunternehmen, dann wäre der Weg über die KI unumgänglich und sogar moralisch wünschenswert und notwendig für das langfristige Überleben der Menschheit. Allerdings zeigt sich, dass die Weltanschauung der Tech-Ideologen mit der Vorstellung vom Menschen als selbstbestimmtes und verantwortungsbewusstes Individuum nicht kompatibel ist. Und sie damit das brandgefährliche Gegenmodell zur Demokratie darstellt. Die KI ist nur ein Kernsegment
WeiterlesenAngekommen
Montag, Eisenach. Wieder zuhause. Bei PM, bei der Wartburg, bei Freunden, die heute Nachmittag kommen. In der Ruhe, in der Natur (für mich als Ruhrpottkind manchmal ein bisschen zu viel Natur) – eine andere Welt. Welche die bessere ist, frage ich am besten nicht.
WeiterlesenAussicht
Freitag, Tübingen. Aus dem hellen Grau des tief hängenden Himmels lösen sich die ersten Tropfen, schlagen mit platschendem Geräusch auf die Fenstersimse und zerplatzen in tausende Teile. GsD!, es regnet! Schon die ganze Nacht, und jetzt wieder. Die Flüsse füllen sich, die Schiffe fahren wieder, Wälder und Felder saugen das Wasser auf und speichern es bis zur nächsten Trockenheit. Es reicht wenig, um mich in den Zustand der Freude zu versetzen. Der Panik auch. Heute vor 25 Jahren … jeder kann sich noch ganz genau an die Situation erinnern, wann, wo, mit wem, als die ersten Bilder auftauchten. Panik lauert
WeiterlesenSo what
Montag, Tübingen. Und du bist bald wieder in deinem AfD-Ländle, sagt heute eine zu mir. Da komme ich gerade vom Vorstellungsgespräch und schließe mein Rad vorm Bäcker ab. Entweder weiß sie nicht, dass Eisenach in Thüringen und nicht in Sachsen -Anhalt liegt, oder sie hält ganz Ostdeutschland für dermaßen lost, dass sich eine Differenzierung nicht lohnt. Die Sonne ist heute überall aufgegangen, entgegne ich und blinzle in den blauen Himmel. Und erinnere mich an dieselbe Stimmung, als Ramelow Ministerpräsident von Thüringen wurde. Der Kommunismus zieht ein!, wir werden alle enteignet!, schwurbelte es damals durch den medialen Blätterwald. Der erste deutsche
WeiterlesenAnständig
Sonntag, Tübingen. In der Sonne liegen und an nichts denken. Es ist so leise, Sachsen-Anhalt weit weg, der Trouble ist auch emotional weit weg. Nach Drohnenvorfällen in Leipzig und noch irgendwo anders ist das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen worden, daraufhin will Russland nun die Goethe-Institute schließen. Eine tiefe Kränkung für das Land, dem unsere Väter und Großväter 27 Millionen Menschen weggemordet haben. Die Geschichtswissenschaft stuft das Vorgehen des NS-Regimes in der Sowjetunion als Genozid ein. Ob das überhaupt viele wissen? Aber man darf wieder so denken. Man darf Russen hassen, wie man ja auch Juden wieder hassen darf, das
WeiterlesenWochenmarktTalk
Freitag, Tübingen. Vor mir am Stand steht W. mit einer Schale Zwetschgen in der Hand. Seine Frau, sagt er, leide schon immer unter Verdauungsproblemen. Das allererste Geschenk, das er ihr gemacht habe: Früchtewürfel! Ein Hausarzt erzählt, dass die Patienten ihn inzwischen ALLES fragen: Welche Partei sie wählen sollen, wie ihre Rente aufstocken, welche Schule für das Kind die beste sei und wie ihr Geld anlegen. Das Vertrauen in Politik, Ämter, Gesundheitswesen scheint dahin. Bleibt nur noch der Doc. S. kommt vom Fischstand angeflitzt und fragt, wie lange ich denn in Tübingen sei und wieso überhaupt. Sage ich Dir am Montag, sage
WeiterlesenLuxus
Donnerstag. Den Möglichkeitssinn meiner Schreibgruppe als Schreibimpuls präsentiert. Stößt zu meiner Überraschung auf lebhaftes Echo. Ein Schreibkollege, Mathematiker, erweist sich als Heisenberg-Spezialist. Kann sogar die Weiterentwicklung des Heisenbergschen Denkuniversums anhand der Kuby-Methode aufweisen (Clemens Kuby ein Neffe von Werner Heisenberg, der nach einem schweren Unfall die logische Fortführung seines bisherigen Denkansatzes in Ladakh bzw. im Buddhismus gefunden hat). Ich genieße den intellektuellen Austausch und bin dankbar, Menschen gefunden zu haben, mit denen gegenseitige Inspiration auf hohem, spielerischem Niveau möglich ist. Gleich kommen Handwerker wg. meinem Balkon. Danach Treffen mit Christiane, auf das ich mich freue. Die Sonne scheint, und es scheinen
WeiterlesenMöglichkeitssinn
Montag. Diese Frage, warum ich nachts Videos – und wahrscheinlich nicht nur sie – anders wahrnehme als tagsüber, beschäftigt mich auch noch einen Tag später. Robert Musil lässt in Der Mann ohne Eigenschaften seinen Helden Ulrich die Wirklichkeit nur als eine von vielen denkbaren Varianten betrachten. Der Möglichkeitssinn ist ein philosophisches Konzept, das Menschen, die ihn besitzen, dazu befähigt, das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist, aber sein könnte. Ein Leben im Potentialis: Ulrich weigert sich, die Welt so zu sehen, wie sie ihm vorgesetzt wird. Vielmehr ist ihm das Leben ein Experiment, und Strukturen
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