Feedback

Samstag, B.N. Superpositives Feedback von der Berliner Zeitung, mit der es gestern ein Telefoninterview gab, und von der Thüringer Allgemeinen, die mich vorgestern interviewte. Beide Interviews müssten nächste Woche erscheinen. Das von der Thüringer Allgemeinen hat Esther Goldberg gemacht, das von der BZ Florian Thalmann. Schönstes Kompliment von Thalmann: Er werde Lass uns über den Tod reden nach Fertigstellung des Interviewtextes zuende lesen – was nicht unbedingt die Regel sei.
Darüber habe ich mich gefreut.
Beret hat angerufen. Sie ist schon durch und hat beim Text von Ehrhardt-Lakomy geweint.

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Besuch

Auf der umgedrehten Zinkwanne sitzt heute Morgen eine Ente und watschelt durch das flache Wasser auf dem Wannenboden. Wo kommt die her? Wie kommt die wieder runter? Auf dem Nachbarbalkon sitzt auch eine, ein graues Weibchen; die bei mir ist das Männchen mit grün schillernder Federrobe. Auf Hörkontakt recken sie sich einander zu, eine Mauer trennt sie, zwei Königskinder?, nö, wie auf Verabredung heben die ab und weg sind sie …

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Waffen, Mobbing und ein Verein zur Rettung der deutschen Sprache

Dienstag. Wir sind die Guten! – Deutschland ist auf Platz 4 in Sachen Waffenexport nach den USA, Russland und Frankreich. Hauptimporteur: kein anderer als der saudische Mörderprinz MbS. Da fragt man sich, was schlimmer ist?

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Sahra Wagenknecht wirft das Handtuch. Sie gibt gesundheitliche Probleme als Grund an, wen wundert’s? Dass fortwährendes Mobbing gesundheitsgefährdend ist, weiß jeder, der es selbst schon mal in der einen oder anderen Form erlebt hat.
Offenbar ließ sich Parteichef Bernd Riexinger im Oktober 2017 mit dem Satz zitieren:
“Sahra ist leider nicht aufzuhalten als Fraktionsvorsitzende. Man kann sie nicht einfach abschießen. Sahra muss gegangen werden und daran arbeiten wir. Wenn wir sie immer wieder abwatschen und sie merkt, sie kommt mit ihren Positionen nicht durch, wird sie sicher von alleine gehen.”
Nun hat das jahrelange Mobbing zum ersehnten Erfolg geführt. Operation geglückt, Partei tot? Weder Riexinger noch seine nicht minder intrigante Co-Vorsitzende Katja Kipping dürfen laut Parteistatut im nächsten Jahr noch einmal für den Parteivorsitz kandidieren. Was mich aber viel mehr interessiert: Ist Aufstehen jetzt schon gescheitert?

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Der Verein Deutsche Sprache hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Genauer: Einen „Aufruf zum Widerstand!“ So kurz und bündig wie der Titel ist auch sein Programm: „Schluss mit dem Gender-Unfug!“
Die prominente Unterschriftenliste – man soll sich bei einer Sache ja nicht um die Personen scheren, die sie unterstützen, aber Gucken ist wohl noch erlaubt – führt u.a. Kai Dieckmann und, oh Schreck!, Dr.Dr. Rainer Zittelmann an. Dazwischen, WHUOT???, Didi Hallervorden sowie die Lyriker Kunert und Kunze, die ich ausnehme, weil in Gedichten – subjektive Perspektive – sowieso nicht gegendert wird, und logo, Cora Stephan, die seit den Siebzigern immer zur Stelle ist, wenn es darum geht, rückwärts zu gehen – also:
Wem soll diese Aktion NÜTZEN?
Sprache entwickelt sich. Sprache ist wie ein wildes, unbändiges Tier. Sie lässt sich nicht per Beschluss in ihre Schranken weisen, auch nicht von hochgerüsteten Sprachschützern.
Das haben schon andere versucht, etwa die Fruchtbringende Gesellschaft und Gelehrte wie M. Opitz im 17. Jahrhundert. Der Eifer einiger Mitglieder, jeglichen fremden Einflüssen (besonders dem Französischen) den Garaus zu machen, nahm mitunter groteske Züge an, etwa so, als würde man heute versuchen, sich gegen englische Fremd- und Lehnwörter zu stemmen. Kann man machen, ist aber reine Kraftverschwendung.
Irgendwann werden sich die exzessiven Auswüchse des Genderns im Sand der Geschichte verlieren – und vieles davon wird bleiben, da es sich als kulturell angemessen erwiesen hat. So wie die Anglizismen in der deutschen (Umgangs)sprache ganz sicher nicht ab- , sondern zunehmen werden, obwohl es auch dagegen eifernde Gesellschaften und Unterschriftenlisten gibt; der Kampf gegen Denglisch ist der Hauptantrieb des Vereins Deutsche Sprache.
Lohnt sich die Aufregung darüber? Von irgendwelchen gesetzlichen Vorgaben in Sachen geschlechtergerechte Sprache sind wir noch ziemlich weit entfernt, wie man an der Nichtdurchsetzung des generischen Femininums, also der „Professorin“ für alle Professorinnen und Professoren an der Uni Leipzig, – nur um ein Beispiel zu nennen – erkennen kann. Doch das Gendern ist staatlich gewollt und in den meisten wissenschaftlichen Disziplinen mittlerweile Standard. Die schon längere Geschichte des Genderns und die leidenschaftliche öffentliche Diskussion darüber bringen es mit sich, dass inzwischen fast jede(r) ein bisschen gendert, und das ist auch gut so!
Denn die bestehenden Geschlechterverhältnisse ändern sich für alle spürbar, unsere Hör-, Lese- und Schreibgewohnheiten sind anders als noch vor 20 Jahren. Selbstverständlich schlägt sich ein verändertes soziales Bewusstsein in der Sprache nieder. Umgekehrt erhöht aber auch das Einhalten sprachlicher Konventionen die soziale Sensibilität und die gesellschaftliche Kompetenz – eine fruchtbringende Wechselwirkung!
Gendern ist etwas unbequem. Zunächst! Aber: „Alles ist schwer, bevor es leicht ist (Thomas Fuller).“ Und wer auf noch mehr Gendern im Moment keinen Bock hat, hat eben keinen Bock. 
Letztlich gilt: Ich als Sprecherin / Autorin etc. bestimme die Spielregeln. Wie viele Doppelnennungen oder Gender*Sternchen noch ästhetisch sind, ist allein meine Entscheidung. Mut zum eigenen Weg hebt auch das Selbstwertgefühl. Wozu leben wir in einer freien Gesellschaft? Den zum Teil ganz schön militanten Sprachschützerinnen und -schützern zum Trotz – passieren tut niemandem etwas. Oder drohen Strafen / Entlassungen / Karriere-Aus für Nicht-Gendern?

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Genderphobist …

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Es ist da

Samstag. Seit heute halte ich mein Buch in den Händen. Was lange währt, wird endlich gut. Dieses Gefühl habe ich: Ich bin einverstanden, so wie es ist.
Wir sind extra früh nach Tübingen losgefahren, um die Pakete mit den Belegexemplaren heute noch von der Post abzuholen. Jetzt stehen sie in meiner Küche. Ich habe sie geöffnet, während PM Kaffee gemacht hat. Er nimmt ein Buch heraus und gibt es mir. Es liegt gut in der Hand, die Leinenstruktur ist haptisch angenehm, die Farben so, wie ich sie mir gewünscht hatte, und wenn ich es aufschlage, sehe ich meine 18 tollen Gesprächspartnerinnen und -partner vor mir.
Ein schöner Moment. Vor allem weil der, ohne den das Buch niemals entstanden wäre, dabei ist.

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Frauentag

Freitag, B.N. PM gratuliert mir zum Internationalen Frauentag und liest mir die News vor. Der 8. März ist seit diesem Jahr gesetzlicher Feiertag in Berlin als erstem Bundesland. Kritik hagelte es direkt nach dem Beschluss des Abgeordnetenhauses aus Bayern. Weil Berlin pleite ist und Bayern beim Länderausgleich draufzahlt. Die Bayern haben trotzdem noch drei Feiertage mehr als die Berliner.
Zur Feier des Tages treffen wir uns heute Abend mit J. und A. zum Essen im Medo in Siegburg.

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REWE aktuell

Mittwoch, B.N. Hatice, die ich durch PM kenne, kann vor lauter Weinen nicht arbeiten. Ihr Schwiegersohn ist ermordet worden, von einer vierköpfigen Gang auf dem REWE-Parkplatz in S.
Ein kurzes Wortgefecht war dem Angriff vorausgegangen. Darauf stach ein 18-Jähriger mit seinem Jagdmesser zu. Unmittelbar vor der Tat hatten die vier Jugendlichen schon zwei Schüler abgezogen, nachdem sie die beiden gezwungen hatten, Geld von ihren Konten abzuheben. Auch die Schüler verletzten sie mit dem Messer.
Hatices Schwiegersohn war mit einem Freund zum Einkaufen unterwegs, nichts deutete darauf hin, dass er an dem Abend durch einen Stich ins Herz sterben würde. Der Freund wollte den Blutfluss stillen, aber es war zu spät. Der Freund ist seit dem Vorfall in der Psychiatrie, die Ehefrau leidet unter Schuldgefühlen, weil sie sich am Morgen nicht richtig von ihrem Mann verabschiedet habe, sie, der Freund und der Bruder des Getöteten sind seither arbeitsunfähig. Zwei bzw. drei Familien versuchen, mit dem Unglück, mit der totalen Sinnlosigkeit des Unglücks, fertig zu werden.
Die online-Ausgabe der Regionalzeitung fügt dem Bericht über den Vorfall eine REWE-Werbung mit den tagesaktuellen Sonderangeboten an.

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Grüne Religionspolitik

Dienstag, B.N. Sägen am Berliner Neutralitätsgesetz – für mich als Frau / Feministin / Theologin / politisch Denkende in der Tradition von Aufklärer*innen, Demokrat*innen und Sozialist*innen unfassbar. Besonders wenn das Neutralitätsgesetz von reformorientierten und islamismuskritischen Musliminnen wie Seyran Ateş verteidigt wird. Denen fällt die religionspolitische Sprecherin Bündnis90DieGrünen Bettina Jarasch mal so richtig in den Rücken, …

… wenn sie Muslime in Berlin dazu ermutigt, eine Kampagne für Religionsfreiheit und kopftuchtragende Lehrerinnen zu starten, um u.a. vom Extremismus gefährdete muslimische Schüler zu erreichen(?!).
Ignoranz kann sich auch im grünen Gewand zeigen.

siehe auch: https://jungle.world/artikel/2018/05/klassenziel-kopftuch

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Lass uns über den Tod reden – Arsène Verny

„Berlin ist, glaube ich, die einzige Stadt, wo solche Irren leben, die auf diese Weise ihr Leben riskieren. Ich war schon zu rbb-Sendungen über S-Bahn-Surfer eingeladen, anlässlich eines YouTube-Films. Da feiern vier, fünf Leute richtige Partys auf S-Bahn-Dächern, mit Stühlen und was auch immer – fatal! Eine fatale Selbstüberschätzung! Was die Jungs da tun, ist hasardös! Andere, die sie dadurch animieren, sind vielleicht nicht so reaktionsschnell und fit wie sie. Nicht jeder hat einen klaren Kopf, nicht jeder hat genug Angst, um sich zu schützen. Diejenigen, die all das nicht haben, bleiben manchmal auf der Strecke, wie Valerian.
Helden sollten positive Helden sein. Hasardeure sind keine Helden. Sie stoßen sich die Köpfe und sterben. Ich verstehe das nicht. Auch zum größten Wagemut gehören Ratio und Verantwortung. …“

… sagt Arsène Verny in meinem am 13. März 2019 erscheinenden Buch Lass uns über den Tod reden, Ch. Links Verlag.

Buchpremiere am 28. März 2019 um 20. 00 Uhr in der Buchhandlung Osiander Tübingen, Metzgergasse 25

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Begegnungen am Sonntag

Brunchen mit W. und PM. Alle drei sind wir mit Buchprojekten beschäftigt, Austausch von Infos, Plänen, Hoffnungen – und dazu die Doppelwecken von Café Lieb, die PM immer an das gute Eisenacher Brötchen erinnern.
Am Nachmittag findet ein ganz besonderes Lesetreffen bei Dorle statt: Georg-Gedenk-Lesen … I. war sehr gefasst, ein besseres Wort fällt mir nicht ein. Kannst ja nicht in ihren Kopf reinsehen. War komisch ohne ihn. Das letzte Mal war er noch unter uns und sehr, sehr müde.
Gleich fahren wir los nach B.N.: drei Stunden Autofahrt, ein paar Tage Zusammenleben, Zeit vergessen, gemeinsame Zeit genießen. Wie lange machen wir das noch so?

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