Samstag. Zwischendurch – ich habe ein neues Buchprojekt begonnen – komme ich an den Epstein-Akten nicht vorbei und grusel mich vor dem Widerwärtigen und Schockierenden, das da peu à peu ans Tageslicht kommt. Beinahe noch gruseliger finde ich, dass sie AntisemitInnen Anlass geben, noch ungenierter aus ihren Löchern zu kriechen, um mit judenfeindlichen Verschwörungstheorien wahlweise „die Juden“ / Israel / den Mossad zum Urheber der Epstein-Affaire zu erklären. Oder kriegsgeile RussophobikerInnen ihren Lieblingsfeind Putin. Was auch immer noch alles rauskommt, warum eigentlich gerade jetzt? Vielleicht bewirken die Veröffentlichungen genau das, was sie bewirken sollen: Erschrecken und Verunsicherung. Da interessiert mich
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Nachhause
Freitag. Bei der Geburtstagsfeier von T. wird mir klar: Ich gehöre doch irgendwie schon dazu. Einige Fragen gehen über Höflichkeits-Smalltalk raus, manche erzählen mir nicht nur von ihrer Arbeit, sondern erkundigen sich auch nach meiner. Obwohl es für die meisten seltsam scheint – Schreiben als Beruf? Der wunderschöne Blick von T.’s Terrasse: Hoch über Eisenach, schaut man auf die schneebedeckten Villen und Wälder. Dann wieder rein in die warme Stube, wo es kreatives Fingerfood in allen Variationen gibt. Der Wein fließt nicht mehr so reichlich wie in früheren Jahren, weil ihn nicht mehr alle vertragen, doch sobald die Themen sich
WeiterlesenMittäterschaft – nein Danke!
Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin von Italien, und die italienische Regierungspartei Fratelli d’Italia wollen Burkas und Niqabs im gesamten öffentlichen Raum verbieten. Das Verbot sei Teil eines umfassenderen Gesetzes, das darauf abziele, den „kulturellen Separatismus“ im Zusammenhang mit dem Islam zu bekämpfen. Heißt umgedreht, die italienische / europaische Kultur vor islamischen (islamistischen?) Einflüssen zu schützen. Die Burka ist ein Ganzkörperkleidungsstück, das die Trägerin von Kopf bis Fuß bedeckt und zudem noch ein Netzgewebe über den Augen enthält. Wer bezweifelt, dass es sich dabei um ein frauenverachtendes Kleidungsstück handelt, der sollte mal eine überziehen. Vor einiger Zeit hatte ich im Unterricht dazu Gelegenheit,
WeiterlesenManöver
Dienstag. Wer sich über Gaza echauffiert, aber bei den Massenhinrichtungen von Kurden, beim Iran, beim Sudan desinteressiert die Schultern zuckt, sucht in der Außenpolitik Rechtfertigung für seinen tiefsitzenden Antisemitismus. Es sind immer die Juden, es müssen die Juden sein …
WeiterlesenAch, diese Lücke …
Sonntag. Jeder kennt sie: diese Lücken, die unvermittelt aufploppen, beim Müllraustragen, beim Korrigieren, beim Schnee schippen – plötzlich bohrt sich so ein Gedanke bis in die Gedärme runter und knockt einen von einer Minute auf die andere aus, und man fragt sich, wieso ausgerechnet jetzt? Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke ist ein Film, der genau das thematisiert. Der Tod des Bruders bleibt ein Stachel im Fleische des Protagonisten, der daran verrückt zu werden droht, der ihn einen für die Familie überraschenden Move hinlegen lässt: Er will Schauspieler werden. Der doppelte Boden im Film: Die Schauspielerfamilie Verhoeven-Berger lässt die Schauspielerfamilie
WeiterlesenTätergeschichten
Donnerstag. Sie erzählen von einem Mädchen, das lange Zeit in der Psychiatrie war. Was? Warum das? Ich sehe dieses Mädchen vor mir, eine ehemalige Schülerin, fröhlich, laut lachend, aufmerksam. Ihre Mutter habe etwas ganz Schlimmes zu ihr gesagt, sagen sie, dann sehen sie sich an, und dann auf den Boden und schweigen. Die Mutter tue nur nett, wenn sie oder andere dabei seien, aber sonst … Sie bricht ab. Zu viel Unaussprechliches im Leben der zurückgekehrten Freundin, das gerade im Schweigen noch unaussprechlicher, noch entsetzlicher wird. Wieso kommt statt der Tochter nicht die Mutter in die Psychiatrie? Fragen, die ihr
WeiterlesenUnthematisierte Themen
Dienstag. Schade, dass nur rechte Medien sich für den zunehmenden Einfluss islamistischer PolitikerInnen auf unseren Rechtsstaat interessieren. So muss ich hier Apollo News zitieren, die dieses Thema so gründlich aufgerollt haben wie keines unserer sog. Leitmedien. Deren Entscheidung, würde ich sagen, und nochmal schade. Die Zeit widmet dem Thema nur ein pflichbewusstes Blabla, und der Tagesspiegel stellt das Problem als eine Streiterei zw. Berliner Lokalpolitikern dar, anstatt die grundsätzliche Brisanz zu erfassen. Immerhin einen kleinen Beitrag zum Thema ‚Islamistische Unterwanderung der SPD‘ liefert die WELT, indem sie die Berliner Integrationsbeauftragte Güner Balci zur Zeugin ernennt. Balci erhebt schwere Vorwürfe gegen den
WeiterlesenUnterwegs
Sonntag, im Zug nach Eisenach. 55 min jetzt. Häppchenweise erscheint es im Display, von 5 auf 55, eine stolze Anfangsfehleinschätzung. „Der Grund dafür ist …“, da dreht man innerlich schon ab. Gefühlt-echt ist jeder zweite Zug, jedes zweite Gleis reparaturbedürftig, jedes zweite Zugpersonal und JEDER vorausfahrende Zug schwer hinterher, und die neue Bahnchefin verdient 100.000 € / Monat. Wenn mir jemand 100.000 € aufs Konto schieben würde, und das jeden Monat, würde ich auch die Probleme weit, weit, sehr weit unter mir vergessen. O.T.: Die beste Durchsage kurz nach Stuttgart: „Aufgrund einer Störung gibt es heute leider nur kleine Snacks.“ Was
WeiterlesenBegegnungen
Samstag, Überlingen. Es geht nichts über Begegnungen. Ich liebe Abende wie gestern in Überlingen mit viel menschlichem Kontakt und Austausch, Lachen und Weinen und persönlicher Ansprache. Fazit der Lesung im Augustinum: Positive Vibes, Interesse am Buch, interessante Menschen, die bereit sind, ihre Gedanken mit mir zu teilen. Beim anschließenden Essen von und mit der Veranstalterin und der Moderatorin superinspirierender Austausch über neue, evtl. gemeinsame Projekte. Das gemütliche Zimmer ist das Sahnehäubchen. Nach dem Hin und Her der letzten Tage und der Kofferschlepperei eine wohlverdiente Oase der Ruhe.
WeiterlesenGuter Tag
Freitag, Konstanz. Ich genieße die Altstadt mit ihren Cafés und Boutiquen und Gässchen, in denen sich hinter jeder Ecke neue Überraschungen auftun. Das Münster ist trotz Einrüstung und Bauarbeiten geöffnet und ganz leer. Ein paar Straßen weiter verliebe ich mich in die zeitgenössischen Fresken vom Konstanzer Konzil in der Dreifaltigkeitskirche: In langen Bändern verzieren sie zu beiden Seiten die oberen Wände des Mittelschiffs. Erstaunlicherweise zeigen sie aber gar nicht die Teilnehmer bzw. Entscheidungsträger des Konzils, sondern heftig diskutierende Augustinermönche, die z.T. Schriftrollen in den Händen halten. Das Christentum soll sich hier als eine Religion zeigen, in der um das Wort
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