Neue Sommerfiese – bald gehts los …
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Realistisch
Montag. Manchmal findet so ein längst vergessen geglaubter Schmerz seinen Weg in die Gegenwart, als warte er darauf, dass ihm der Stachel gezogen wird. Man greift nach einem süßen Kuchen oder zieht die neuen Schuhe an, als wäre das die Rettung. Dabei muss man einfach nur stillhalten und ihn annehmen, den Schmerz, und warten. Was ist das für ein herrlicher Sommer. Ein- und Ausatmen auf dem Balkon, das neue Buch von Deborah Levy August Blau, Schmetterlinge im kniehohen Lavendel, Rosen, Hortensien, lila, pink, weiß, darüber der penatenblaue Himmel. Farborgie.
WeiterlesenEin Abend
Sonntag. Die Thüringer feiern viel. W.s Party findet auf seinem Hof statt, den er vom Großvater geerbt hat. Da, wo wir sitzen, sind früher 200 Schweine rumgelaufen. Da, wo das Buffet aufgebaut ist, war früher der Futtertrog. Seine Großeltern seien gezwungen worden, sich einer LPG anzuschließen, was sie nicht wollten, aber mussten. Viele DDR-Geschichten, Bitterkeit über gebrochenes Selbstbewusstsein, über verhinderte berufliche Wege, aber auch Glück über unbeschwerte Kindheiten und intensive Freundschaften, die bis heute halten. Eine Jägerin erzählt PM vom Ansitz und vom Ausnehmen (man schneidet um den Anus herum und verknotet die Speiseröhre, damit der Brei nicht das Fleisch
WeiterlesenNehmen
Samstag. 60.000 sollen es inzwischen sein. Die nach Ceuta geschwommen sind, zu dieser spanischen Enklave, von deren Existenz ich bis vor wenigen Tagen noch nichts wusste. Wegen irgendeiner Gesetzesänderung in Spanien, dass geschwommene Flüchtende nicht mehr zurückgeschickt werden dürfen, im Gegensatz zu denen, die über den Landweg gekommen sind, aber es ist ja eigentlich egal, wie verquast und verdreht manche Gesetze sind. Das Schockierende ist vielmehr, wie unvorstellbar viele Menschen sich einfach so aus dem Nichts auf den Weg machen, wenn sie auch nur eine klitzekleine Lücke wittern, durch die sie flutschen können, um endlich ihr Leben so zu leben,
WeiterlesenFragen stellen (bearbeitet)
Mittwoch. Immer wieder dieses Argument, weil die westliche Welt einen geopolitischen Entwicklungsvorsprung von mehreren hundert Jahren gegenüber dem Globalen Süden habe, werde der Islam sich zwangsläufig irgendwann von seinen archaisch-patriarchalen Wurzeln wegentwickeln, hin in Richtung Demokratie und Menschenrechte. NEIN! Dieses Argument, das ja irgendwie eine religiöse Ungerechtigkeit suggeriert, lässt sich eben nicht auf die religiös-weltanschauliche Entwicklung übertragen. Dann müsste auch das Judentum noch im Mittelalter stecken, was aber definitiv nicht der Fall ist. Israel, Kernland des Judentums, ist ein demokratisches Inselchen, umzingelt von muslimischen Autokratien. Der Unterschied in Sachen Rückständigkeit liegt einzig und allein in der Ideologie, sprich, im Islam
WeiterlesenEinzel Täter (bearbeitet)
Sonntag, Tübingen. Wen interessiert, ob ein Anschlag auf unbeteiligte Bürgerinnen und Bürger, auf Minderheiten aus der LGBTQ-Community, auf Juden und jüdische Einrichtungen, von einem Einzeltäter oder von irgendeiner Gruppe ausgeführt wird? Und warum ist das immer die erste, reflexartige Frage in den Medien? Wie alle auch nur einigermaßen informierten Leute wissen, fordert die faschistoide Hamas seit dem 7. Oktober 2023 z.B. über Messangerdienste ganz direkt zu Einzelaktionen auf. Alle „Gläubigen“ in aller Welt sind aufgerufen, sogenannte Ungläubige zu töten. Mit dem Messer, mit der Machete, mit Gewehr oder einem Auto. Meine SchülerInnen sind zum großen Teil Muslime. Ich erlebe sie
WeiterlesenAlles wird gut irgendwann
Samstag, Tübingen. In Frankreich und Spanien geraten die Brände außer Kontrolle, Spahn fliegt aus dem Amt wg. Leihmutterschaft, deren Legalisierung er selbst (zum Glück) immer abgelehnt hat, Kanzler Merz labelt die verbleibenden Minister um, die fehlende Kompetenz (Linnemann als Gesundheitsminister?) durch große, teure Beraterstäbe ersetzen werden, Trump ist dabei, mit Saudi Arabien, konkret, dem Mörderprinzen, einen Atomdeal zu schließen (mir wird übel) und öffnet damit das Tor zum nuklearen Wettrüsten in der Region. Und die unwissende, aber interessierte Bürgerin sitzt am Schreibtisch und schreibt ihren nächsten Roman (Schule, Corona, Digitalisierung), obwohl der vorherige (Obsession, Dreiecksgeschichte, Selbstfindung) noch nicht verkauft ist.
WeiterlesenDas Runde muss ins Eckige
Montag, Tübingen. Spanien ist Weltmeister. In der 106. Minute fällt das erste und einzige Tor (Torres)! Tolles Spiel, Tränen bei den Argentiniern, Freudensprünge bei den Spaniern. Yamal umarmt Messi, ein schönes Bild. Und dann marschieren der mächtigste Mann der Welt und Fifa-Präsident Infantino ins Stadion. Vergessen sind vorübergehend Skandale und Spanienschelte. Trump und Infantino schütteln Sportlern mit besonderen Leistungen die Hand, danach überreichen sie die Silbermedaillen (Messi in Tränen aufgelöst), und die Goldmedaillen an die Sieger. Küsse auf den Pokal, die spanische Königsfamilie gratuliert, aus einer Kanone schießt goldenes Konfetti vor dem riesigen Goldpokal. Die WM ist vorbei. Am Anfang
WeiterlesenNever ending project
Donnerstag, Tübingen. Schreibend sich selbst – und der Welt – auf die Spur kommen. Das ist das Thema der heutigen Schreibwerkstatt gewesen. Keine einfache Sache, schon klar. aber wer behauptet denn, dass Schreiben einfach ist. Auf diesem niemals abgeschlossenen Weg möchte ich meine Gruppe gerne mitnehmen – ich glaube, sie lassen sich darauf ein.
WeiterlesenTschuldigung
Mittwoch, Tübingen. Wenn dir auf jedem Bahnhof, egal wo du landest, von sämtlichen Bahnsteigen die Ausreden entgegendröhnen: wir entschuldigen uns für 50 Minuten Verspätung wegen Arbeiten am Gleis, für 80 Minuten Verspätung wegen vorausfahrendem Zug, für 240 Minuten wegen eines folgenschweren Meteoriteneinschlags über Stuttgart 21 – wo die Bahn gerade 1000 km, tausend Kilometer, falsche Kabel installiert hat, nur um die jetzt alle wieder rauszurupfen, bevor die richtigen eingesetzt werden können, weshalb es inzwischen Stuttgart 31 oder 32 heißt –, dann stellt sich zwangsläufig dieser deprimierende Gedanke ein: Die Bahn steht symptomatisch für den Zustand unserer Eierrepublik. Übrigens halte ich
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