Der Fall Hüber

Donnerstag, Tübingen. Den Fall Sven Hüber kann man nicht einfach stehen lassen. Hier sind gleich mehrere unerhörte Ereignisse zusammengefallen. In die Öffentlichkeit lanciert, um der bedrohlichen AfD einen Fallstrick zu legen, erweist sich die Affäre, wie so oft schon, als ein finaler großer Dienst an die AfD. Sven Hüber ist Vize-Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, das muss man ja erstmal wissen. Vor wenigen Tagen sorgte er für Erstaunen, Irritation und auch Wut, indem er sich mit einem Aufruf der Befehlsverweigerung an alle PolizistInnen im Falle einer AfD-Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt in die Schlagzeilen brachte. Gleich zum Downloaden mitgeliefert wurde eine Anleitung

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Romanschreiben

Montag. Meine britische Lieblingsschriftstellerin Deborah Levy schreibt: „Wie sollte ich mir hier einen Platz schaffen, an dem ich auch im Winter leben und arbeiten konnte? Einen Roman zu schreiben erfordert stundenlanges Stillsitzen, wie auf einem Langstreckenflug – mit unbekanntem Ziel, aber halbwegs festgelegtem Streckenverlauf.“ (aus: Was das Leben kostet, S. 46)

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Moralische Asymmetrie

Sonntag. Ich gebe Konstantin Schreiber recht: Die Tatsache, dass der Spiegel niemals ein vergleichbares Cover mit Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Berliner Linke, aufs Cover bringen würde unter der Schlagzeile „Die gefährlichste Frau Deutschlands“, zeigt eine Asymmetrie in der moralischen Dramatisierung.

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Ausgang

Dienstag. Ich blicke ziemlich viel nicht. Vor allem, was Geographie, Himmelsrichtungen, Straßen, lange Gänge und Korridore, Türen, Ein- und Ausgänge angeht. (Ganz alter Horror: Schwimmbäder.) Aber ich komme immer an.

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Unterwegs

Sonntag. In meiner dauerunbeantworteten Frage, was Heimat ist, komme ich insofern weiter, als ich inzwischen überzeugt bin, dass es (für mich) mit Orten zusammenhängt. Die innere Heimat, das Schreiben in meinem Fall, was ja praktischerweise überall geht, reicht mir nicht. Es ist vielleicht die wichtigste Heimat, aber nicht die einzige. Tübingen ist meine Heimat. Ich gehe durch Straßen, komme an Häusern und Plätzen vorbei, die voller Erinnerungen sind. Eisenach ist inzwischen auch Heimat. Unser Lieblingsurlaubsort in Italien ist Heimat. Dort anzukommen, löst jedes Mal eine ganz wilde, fröhliche Freude aus. Heimat sind aber auch familiäre Orte. Ich war vielleicht selbst

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Realistisch

Montag. Manchmal findet so ein längst vergessen geglaubter Schmerz seinen Weg in die Gegenwart, als warte er darauf, dass ihm der Stachel gezogen wird. Man greift nach einem süßen Kuchen oder zieht die neuen Schuhe an, als wäre das die Rettung. Dabei muss man einfach nur stillhalten und ihn annehmen, den Schmerz, und warten. Was ist das für ein herrlicher Sommer. Ein- und Ausatmen auf dem Balkon, das neue, ziemlicch schräge Buch von Deborah Levy August Blau, Schmetterlinge im kniehohen Lavendel, Rosen, Hortensien, lila, pink, weiß, darüber der penatenblaue Himmel. Farborgie.

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Ein Abend

Sonntag. Die Thüringer feiern viel. W.s Party findet auf seinem Hof statt, den er vom Großvater geerbt hat. Da, wo wir sitzen, sind früher 200 Schweine rumgelaufen. Da, wo das Buffet aufgebaut ist, war früher der Futtertrog. Seine Großeltern seien gezwungen worden, sich einer LPG anzuschließen, was sie nicht wollten, aber mussten. Viele DDR-Geschichten, Bitterkeit über gebrochenes Selbstbewusstsein, über verhinderte berufliche Wege, aber auch Glück über unbeschwerte Kindheiten und intensive Freundschaften, die bis heute halten. Eine Jägerin erzählt PM vom Ansitz und vom Ausnehmen (man schneidet um den Anus herum und verknotet die Speiseröhre, damit der Brei nicht das Fleisch

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Menschenwürde

Samstag. 60.000 sollen es inzwischen sein. Die nach Ceuta geschwommen sind, zu dieser spanischen Enklave, von deren Existenz ich bis vor wenigen Tagen noch nichts wusste. Wegen irgendeiner Gesetzesänderung in Spanien, dass geschwommene Flüchtende nicht mehr zurückgeschickt werden dürfen, im Gegensatz zu denen, die über den Landweg gekommen sind, aber es ist ja eigentlich egal, wie verquast und verdreht manche Gesetze sind. Das Schockierende ist vielmehr, wie unvorstellbar viele Menschen sich einfach so aus dem Nichts auf den Weg machen, wenn sie auch nur eine klitzekleine Lücke wittern, durch die sie flutschen können, um endlich ihr Leben so zu leben,

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Fragen stellen (bearbeitet)

Mittwoch. Immer wieder dieses Argument, weil die westliche Welt einen geopolitischen Entwicklungsvorsprung gegenüber dem Globalen Süden habe, werde der Islam sich zwangsläufig irgendwann von seinen archaisch-patriarchalen Wurzeln wegentwickeln, hin in Richtung Demokratie und Menschenrechte. NEIN! Dieses Argument, das ja irgendwie eine religiöse Ungerechtigkeit suggeriert, lässt sich eben nicht auf die religiös-weltanschauliche Entwicklung übertragen. Dann müsste auch das Judentum noch im Mittelalter stecken, was aber definitiv nicht der Fall ist. Israel, Kernland des Judentums, ist ein demokratisches Inselchen, umzingelt von muslimischen Autokratien. Der Unterschied in Sachen Rückständigkeit liegt einzig und allein in der Ideologie, sprich, im Islam begründet, der keine Trennung

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