Aufbruch

Samstag. Nach Übernachtung in Tübingen und Koffer umpacken für Sonne und Urlaub heute Weiterfahrt nach Italien (im Koffer meine neuen, hippen Sachen von Rinascimento, knallbunter Rock, orangenes Top, gelber Sweater … aaah, ich freue mich!).

T. und Ye sind nicht da. Wo sind sie??? Sofort diese Mamasorgengefühle, dabei ist ihr Status – ja, auch T’s. – der eines Mitbewohners, daran muss ich mich gewöhnen.

Es ist früh am Morgen, ich sitze an meinem Arbeitsplatz in meiner Wohnung und könnte jetzt auch da weiterarbeiten, woran ich die Woche über in B.N. gearbeitet habe. Schreiben ist eine asoziale Tätigkeit. Du willst deine Ruhe. Alleine sein, immerzu, willst weitermachen, weiterentwickeln, die Perspektive, die sich gerade gestern erst gezeigt hat, im Auge halten, in Worte umwandeln, festnageln, ausformulieren.

PM schläft noch. Nachher holen wir Hans und Karin vom Hotel ab, sie fahren, wie jedes Jahr (bis auf letztes) bei uns mit. Und dann werden diesmal auch Anne und Jacek dabei sein. Neue Konstellation, neue Inputs. Jacek geht es nach seiner Mammut-Herz-OP kurz vor Neujahr wieder gut, GsD. Außerdem kommt auch noch Martina mit, nachdem ihr Gatte sie wg einer Anderen, mit der er seit zwanzig Jahren eine Nebenbeziehung unterhält, endgültig verlassen hat. Komische Geschichte. Erinnert mich fatal an meine eigene, verblüffende Detailübereinstimmungen. Manche Typen können den Weg, den sie gehen – den Doppelweg, den sie aufgrund irgendwelcher äußeren Zwänge beenden müssen – nur durch Unmenschlichkeit und Brutalität vor sich selbst rechtfertigen, hinter ihren schweinischen Angriffen steht der Wunsch nach totaler Vernichtung (einer Zeugin?). Ich ahne, was ihr bevorsteht. Wenn sie alles richtig macht, for example sich helfen lässt, kann sie da rauskommen wie Phönix aus der Asche …, mit ein paar Narben unter dem Gefieder. Das Leben leuchtet danach mehr … und  anders … Ausdauer … ein gerüttelt Maß (schönes Wort) an Schonungslosigkeit …

Gerade kommt Ye die Treppe rauf, um sich einen Tee zu machen, ist also doch da. Ich bin heute ein Gast in meiner eigenen Wohnung, so komme ich mir gerade vor.