BayerAG und die Nachhaltigkeit

Sonntag. Geschieht Bayer recht!

Eine Prozesslawine rollt auf den Chemieriesen zu. Nachdem Hunderte Landwirte, Gärtner und andere mit Glyphosat kontaminierte Ankläger an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und einige mittlerweile schon gestorben sind, nachdem deutlich der Verdacht im Raum steht, dass Monsanto, die Erfinderfima des Pflanzenvernichters, massenhaft Studien bezahlt habe, um die Harmlosigkeit des Teufelszeugs zu belegen, hat ein US-Bundesrichter in Kalifornien nun endlich mehrere hundert Klagen gegen Bayer/Monsanto zugelassen.

Seit zwei Jahren hat Bayer alles darangesetzt, Monsanto zu vereinnahmen. Seit Juni 2018 ist der US-Saatgutriese in deutscher Hand. Seit Jahren stehen US-Klägeranwälte mit zahlreichen Sammel- und Einzelklagen gegen Monsanto in der Warteschleife. Im Kampf gegen den umstrittenen Wirkstoff geht es schließlich um gigantische Schadensersatzforderungen. Dieses Rechtsrisiko hat Bayer in den Kaufpreis von 63 Milliarden US-Dollar einkalkuliert. Der Deal ist der bisher größte eines deutschen Unternehmens im Ausland.

Um die Sache zu befrieden und das miese Image aufzupolieren, hat Bayer nun erstmal den negativ besetzten Namen Monsanto gelöscht und setzt damit auf die Vergesslichkeit der Weltbevölkerung.

Tatsächlich gilt Monsanto als eines der umstrittensten Unternehmen der Welt. Bayer-Chef Werner Baumann hat mit dem Mega-Deal den Leverkusener Konzern zum weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut aufgebaut. Er kündigt an, „den Dialog mit der Gesellschaft vertiefen“ zu wollen und „eine gemeinsame Unternehmenskultur“ entstehen zu lassen, was immer dieses Geblubber bedeutet außer, dass Baumann keine Angst vor großen Worten hat. Auf sehr eigene Weise legt er auch seine Sicht von „gestiegener Verantwortung“ dar: „Wir werden mit derselben Entschlossenheit an unseren Nachhaltigkeitszielen arbeiten wie an unseren Finanzzielen“, sagt Baumann.

Der Begriff Nachhaltigkeit klingt in diesem speziellen Zusammenhang in meinen Ohren geradezu höhnisch. Es wird sich zeigen, wie Bayer / Baumann in Zukunft nicht nur mit den Krebs-Klagen, sondern auch mit dem auffallenden Artensterben umgehen wird, das ja ebenfalls seit Jahren mit dem Pflanzenvernichter Roundup bzw. dessen Wirkstoff Glyphosat in Verbindung gebracht wird. Von der Entstehung resistenter Unkräuter ganz zu schweigen.

Das Bayer-Agrargeschäft wird durch die Monsanto-Übernahme verdoppelt und künftig etwa gleich groß wie das Gesundheitsgeschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, rezeptfreien Gesundheitsprodukten sowie Tierarzneimitteln sein. Bayer ist nicht nur Chemie-Riese, sondern auch DAX-Riese. Die Aktie von Bayer Börsen-Chart gab am Mittwochmorgen vor Handelsbeginn rund 1,2 Prozent nach.