Fremdscham

Sonntag, Diano Marina. Was Innenministerin Faeser anlässlich des Mordes an einem Jugendlichen in Bad Oeynhausen zu sagen hat: Jedenfalls kein Wort zu der Familie des Opfers Philippos T.!

Statt dessen: Abwiegeln der Verantwortlichkeit, moralische Entlastung des Täters aufgrund der besonderen Umstände. Dessen Name wird, im Gegensatz zu dem des Opfers, nirgendwo genannt. Weil das den Finger in die Wunde legen würde? Leider liegt die Annahme nahe.

Das Thema Migration sei aus der Öffentlichkeit verschwunden, behauptet Faeser weiterhin. Wie bitte? Es gibt doch kein zweites Thema, das die Öffentlichkeit so sehr umtreibt wie das Migrationsproblem.

Dann erst wird sie konkreter: „Heute ist leider ein sehr schlimmer Tag, wo wir über einen Mord an einem Jugendlichen diskutieren müssen, wo der Täter, ein Geflüchteter ist, der seit acht Jahren in einer Flüchtlingsunterkunft lebt. Ein Jugendlicher, der gar nichts anderes kennt“, sagt Faeser.

Neben der Tatsache, dass sie über den erst zwei Tage zurückliegenden Mord an einem Jugendlichen durch einen anderen Jugendlichen “diskutieren” möchte, sind zwei Aussagen der Innenministerin wirklich schrecklich:

Erstens: Die missglückte Migrationspolitik – für die Faeser ja maßgeblich selbst verantwortlich zeichnet – habe zu der schrecklichen Tat geführt, und nicht die Entscheidungsgewalt des Täters.

Zweitens: Die achtjährige Unterbringung in einer Flüchtlingsunterkunft müsse bei der Beurteilung der Tat entlastend berücksichtigt werden.

Hier verbreitet Faeser, man kann es nicht anders nennen, Fakenews. Tatsächlich hat der Täter, der syrischer Staatsbürger ist, niemals in einer städtischen Asylunterkunft gewohnt. Vielmehr ist er 2016 im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen und wohnt seitdem bei seiner syrischen Großfamilie in Bad Oeynhausen, Stadtteil Rehme. Nebenbei sei noch erwähnt, dass er in der Vergangenheit bereits durch Gewalt-, Eigentums- und Betäubungsmittel-Delikte aufgefallen, somit polizeibekannt, aber nicht vorbestraft ist.

Ihre Ausführungen beendet Faeser mit dem Satz: „Und ich glaube, dass wir (über, d. Red.) diese Form der nicht gelungenen sozialen Integration viel mehr reden müssen.“

Übersetzt: Wir, die totalversagende Aufnahmegesellschaft, sind also die Eigentlichen, die diese Morde zu verantworten haben.

Von ihrer Botschaft fühle ich mich persönlich beleidigt. Mein Berufsalltag besteht nämlich im Wesentlichen darin, Schüler*innen mit Migrationshintergrund zu fördern, vor Benachteiligung zu schützen und ihnen zu helfen, in einem Land anzukommen, das nicht sie, sondern ihre Eltern als ihren neuen Lebensort bestimmt haben.

Und wie mag Faesers Botschaft bei den Eltern des Getöteten ankommen? Für ihre Gefühllosigkeit bzw. Instinktlosigkeit gegenüber der Opferfamilie kann man die Innenministerin nicht entschuldigen. Selbst Mutter eines Sohnes, sollte sie den Schmerz über den Verlust eines Kindes nachvollziehen können. Bezweifelt werden darf hingegen, ob sie persönliche Berührungspunkte mit Migrant*innen hat – außer ihre vielzitierten “Besichtigungen von Unterkünften”. Im Gegensatz zu allen Lehrer*innen, Sozialhelfer*innen, Pflegepersonal etc. pp., die sich täglich mit den Konflikten einer u.a. durch die Migration verursachten gesellschaftlichen Spaltung konfrontiert sehen.

Mehr Erklärung finde ich nicht für Äußerungen und nicht gemachte Äußerungen einer Innenministerin, für die ich mich zutiefst fremdschäme.