Samstag, Tübingen. Wenn das Tchen mir durchs Zugfenster verschämt eine Kusshand zuwirft, ein Reflex auf meine Geste und im Bewusstsein eines Sechsjährigen abgrundtief uncool, noch im Abwenden ein stilles Lächeln auf dem Engelsgesicht, dann schmilzt mein Herz dahin.
WeiterlesenKategorie: 2023
Überfall
Donnerstag, Tübingen. Hackerangriff auf meinen Laptop. Der Andere übernimmt mein persönliches und geistiges Eigentum – sichtbar gemacht im Cursor, der über den Bildschirm flitzt, ohne dass ich die Maus berühre. Ein Einbruch in mein Allerheiligstes. Bin selbst schuld, bin auf die Angstmasche reingefallen. Vier ganze Tage in den Sand gesetzt mit diesem Müll. Kein Internet, kein Mail-Verkehr, kein Festnetz, kein Bankzugang … Banktermin: von PayPal bekomme ich alles zurück, fast 1000 € hat sich dieser bad-English-holpernde, der Aussprache nach indische “Mikrosoft-Berater” geholt, während er vorgibt mir zu helfen, dieses blöde Schwein. Das 400-Euro-Guthaben, das er sich bei Amazon auf meine
WeiterlesenNachhall
Samstag, Tübingen. Wie wunderbar ist es, allein zu sein. Und wieder zuhause. Der Urlaub klingt in mir nach als leichte Melancholie und Schmerzlosigkeit und Ruhe. Ich arbeite. Das Interview mit Elena Uhlig möchte ich bis Montag fertig haben, anschließend das mit Betty BBQ. Arbeit tut gut, auf dem Hintergrund dieses raren Gefühls von Einssein mit sich und der Welt. PM ist schon wieder in Eisenach. Am Donnerstag, direkt vor unserer Abfahrt, hat er das Bild gekauft. Während die Händlerin es in Luftpolsterfolie verpackt, sagt sie mit einem Lächeln: Ligurien reist jetzt nach Deutschland. Nun steht es also im Wohnzimmer in
WeiterlesenSommer auf dem Balkon
Mittwoch, Diano di Marina. Morgen ist Abfahrt. Wir kaufen Geschenke, Olivenöl, italienische Nudeln, Artischockencreme, Limoncello, Pesto und Pistazienkekse. Wir haben doppelt so viel Gepäck wie bei der Herfahrt. PM hat ein Bild entdeckt in einem Antiquariat, bei dem wir zufällig vorbeikamen. Es ist die sehr schöne Darstellung einer Stadt am Meer. Die Händlerin zeigt uns die Stelle auf ihrem iPhone und man erkennt das Motiv sofort wieder. PM möchte es sich noch überlegen, wir bummeln durch die Stadt, essen abends auf dem Balkon Käse und Foccacia und Parmaschinken, dazu wunderbare Tomaten mit Olivenöl und Salz, und haben Abschiedsschmerz.
WeiterlesenLesen
Dienstag, Diano Marina. Unstimmigkeit geklärt, hatte irgendwas mit Ernährungsproblemen und dem Essen nach 17 Uhr zu tun … Abends zu viert in unser Gartenlokal gegangen, Entspannung ohne negativen Nachhall, bin sehr erleichtert. Morgengrauen von Philippe Djian gelesen. Sehr enttäuscht. Djian kann nicht mehr schreiben, kanns aber auch nicht bleiben lassen – so mein Gefühl. Vielleicht hat er auch einfach keinen Bock mehr auf einen nachvollziehbaren Plot und Sätze wie Gemälde wie in seinen frühen Romanen. Statt dessen kritzelt er irgendeine hanebüchene Story runter, leider auch noch aus der Sicht einer jungen Frau (welche Anmaßung), spickt sie mit abgehangenen Altherrenphantasien und
WeiterlesenHäuser und Gärten
Montag, Diano Marina. Wanderung nach Cervo und wieder zurück. Die wunderschönen Altstadtgässchen fotografiert (wie schon im letzten Jahr), rumgesponnen, ein altes Haus zu kaufen und zu renovieren (jeder ital. Millionär müsste sich verpflichten, eins zu retten, um so das mittelalterliche Stadtbild zu erhalten). Auf dem Hin- und Rückweg bewundern wir die phantastischen Gärten mit ihren gigantischen Palmen, den Zitronen- und Orangenbäumen, die über Mauern und Wände wuchernden Bougainvillea, die duftenden Jasminsträucher (du riechst sie, ehe du sie siehst) und die Oleanderbüsche in allen nur vorstellbaren Rottönen. Rechts und links der Straßen ein endloser Saum von blühendem Ginster, Oleander und mannshohen
WeiterlesenWas bleibt
Sonntag, Diano Marina. Ausflug nach Bordighera. Spätnachmittags machen wir auf dem Rückweg Halt in San Lorenzo wg. der Schönheit der Kirche direkt am Strand. PM hat zu Letzterem nicht wirklich Lust bzw. ist zu kaputt von der stundenlangen Fahrerei im Stop-and-go-Modus. Alles wahnwitzig voll, Staus ohne Ende auf der Küstenstraße wie auch auf der Autobahn. Beim Rückwärtsausparken gegen eine Mauer gedotzt, ziemlich große Beule am Kofferraum. Meine Schuld? Schweigen auf der Rückfahrt, das sich bis zum Abend jedoch wieder verflüchtigt. Wir gehen in unser Lieblingslokal, wo du auf einen großen Palmengarten und dahinter aufs Meer blickst. Vor der Pandemie, 2018
WeiterlesenAtmosphäre
Samstag, Diano Marina. Bis in die Nacht quellen die Straßen von Menschen über. Geschäfte, Kneipen hochfrequentiert, sozusagen. Das WE gehört den Familien aus dem Umland, die hier am Meer entspannen, einkaufen und essen gehen. Wir warten lange auf J. und A., doch sie kommen nicht. Missverständnis? Wir sind zum Essen verabredet. Seltsame Stimmung / Verstimmung. Hintergrund nicht kapiert. Vielleicht interpretieren wir (ich) aber auch zu viel rein. Wir finden eine kleine Kneipe außerhalb des Zentrums. Könnte auch in Eisenach sein, sagt PM und betrachtet die Baustelle rechts und das verfallene Haus links. Das Essen ist gut, der Weißwein kühl und
WeiterlesenNicht der letzte Sommer
Freitag, Diano Marina. Tage voller Harmonie, einer wie der andere für die Ewigkeit gemacht: der volle Mond über dem Meer, die Nacht, die das Wellenplätschern durch die offene Balkontür trägt, leicht gebauschte Vorhänge und der Morgen danach in Blau, Gelb und Grün mit Blick auf das zum Greifen nahe Meer. Ein neuer Tag, eine neue Nacht undsoweiter, so lange, dass es sich ewig anfühlt. Darf es einem so gut gehen? Yes! Das kalte Poolwasser strömt über meine Haut, indem ich mit langsamen Zügen meine Runden drehe, zehn pro Tag, wie ich es mir vorgenommen hatte, danach in die warme Sole
WeiterlesenKorrekturen
Donnerstag, Diano Marina. Auf unserem Balkon mit Blick auf das dunkle Meer oder auf dem Balkon über uns, dem von A. und J., diskutieren wir über Gott und die Welt. Über Impfschäden und die mangelhafte Kommunikation zwischen Gesundheitsministerium und Bürgern während der Pandemie und über die fahrlässige Verurteilung von Impfkritikern und ihr Framinig in die rechte Ecke (beliebtestes Mittel, um mundtot zu machen, wie ja auch mit Kritikern der Russlandsanktionen verfahren wird). Von den Medien ganz zu schweigen, die sich eigentlich entschuldigen müssten ob ihrer kritiklosen Parteinahme für sämtliche staatliche Maßnahmen anstelle kritischer Neutralität, die aber zur Selbstreflexion gar nicht
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