Echo

Samstag, B.N. Seit ich Arsène Vernys Geschichte gehört habe, kann ich durchfahrende Züge nicht mehr ertragen. Früher, bis vor zwei Jahren, habe ich Tempo und Wind genossen, wenn ich am Gleis stand und – Achtung, durchfahrender Zug! – einer rauschte an einem vorbei und verschluckte alle anderen Geräusche unter seinem metallischen Megarauschen. Rausch der Technik, Rausch des Machbaren, der Macht, unter dem mache ich’s jetzt nicht, um dieses Gefühl wiederzugeben, das ein durchbretternder ICE oder Containerzug mit never ending tausend Anhängern in einem auslösen kann. Wenn die Haare hochfliegen und Kinder die Augen aufreißen und vor Lust schreien und man sich diesem Krach, dieser Gewaltmelange aus Eisen und Schnelligkeit hingibt für Sekunden –

heute drehe ich mich um. Heute habe ich Vernys Bilder im Kopf. Sein Sohn starb beim S-Bahn-Surfen, für die Lust eines Augenblicks. Ich spüre das Tempo und den Wind im Rücken und lausche auf das Echo des Rausches, und während ich vergeblich lausche, spüre ich die Traurigkeit eines Anderen und dass Geschichten einen verändern.

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Arsène Verny: Wenn ich die Wohnung verlasse, winke ich ihm zu, in: Lass uns über den Tod reden