Gewöhnung

Dienstag, B.N. Zwei Massenmorde an einem Wochenende: 21 Tote in El Paso/Texas, nur wenige Stunden später neun Tote in Dayton/Ohio. Beide Amokschützen Anfang zwanzig, in der weißen Mittelschicht aufgewachsen, beide bis an die Zähne bewaffnet und von einem diffusen Fremdenhass getrieben.
Der amerikanische Präsident macht in seiner Krokodilstränenrede die Gewalt „grausiger Videospiele“, vor allem aber „psychisch Gestörte“ verantwortlich. Nicht die Waffen an sich seien das Gefährliche, fabuliert er in der Ansprache aus aktuellem Anlass, sondern Waffen in den Händen von psychisch Kranken!
Mit der leichten Verfügbarkeit von halbautomatischen Schusswaffen hat Trump kein Problem, im Gegenteil hat es ihm gar gefallen, anlässlich des Schulmassakers von Parkland 2018 laut über die allgemeine Bewaffnung von Lehrern zu sinnieren. In Trumps Welt gibt es nur Weiß und Schwarz. So wie er Migranten und Minderheiten mehr oder weniger offen dämonisiert, erklärt er den weißen Attentäter von El Paso zu einem „bösen Menschen“ und den von Dayton zum „verdrehten Monster“. Die Notfallhelfer hingegen sind seine „amerikanischen Helden“. 
In El Paso starben vor allem mexikanische Migranten. In Dayton waren sechs der neun Opfer Schwarze. Seine Schwester erschoss dieser Amokläufer wohl aus Versehen. 250 Schuss hatte er dabei, und nur weil er seinerseits sehr schnell von der Polizei erschossen wurde, kamen sie nicht voll zum Einsatz.
Es gab schon größere Massaker, zum Beispiel das in Las Vegas/Nevada. Da ballerte einer aus dem Fenster seines Hotels und traf 59 Personen tödlich. An den Waffengesetzen ändert sich trotzdem nichts. In San Francisco sollen jetzt Plastikflaschen verboten werden – kann eine Stadt dann nicht Gewehre verbieten? Oder hat sich die US-Bevölkerung irgendwie an die Toten gewöhnt?