Grenzstadt Ventimiglia

Samstag, Italien. Das Baptisterium in Albenga und der kilometerlange Wochenmarkt in Ventimiglia (und dann der Blick über die Roia auf die Altstadt) sind die kulturellen Highlights der vergangenen drei Tage.

In den Küstenstädten der Blumenriviera, speziell in Ventimiglia – Grenzstadt zum benachbarten Menton -, gibt es viele Flüchtlinge bzw. Migranten afrikanischer Herkunft. Parallel zum Wochenmarkt unterhalten sie eine Art zweiten Markt entlang der gegenüber liegenden Straßenseite, wo sie neben den üblichen Fake-Artikeln wie “Rolex”-Uhren und “Gucci”-Taschen und -Sonnenbrillen noch weitaus erstaunlicheres Zeug versuchen an den Mann/die Frau zu bringen.

Setzt du dich irgendwo hin, kommen sie an deinen Tisch und bieten dir ihre Sachen feil. Als würden sie hoffen, aus deinem Nein könnte doch noch ein Ja werden, bleiben sie dicht neben dir stehen. Sie sind nicht unfreundlich und nicht freundlich, nicht ungeduldig und nicht langmütig, nichts davon, ihre Gesichter sind vollkommen leer, und du fragst dich, ob sie noch hassen können.

Der Kellner scheucht sie weg wie Fliegen, auch nicht direkt unfreundlich, aber sie heben nicht einmal den Blick, sie umgehen zwei, drei Tische, als würden sie seinen Anweisung folgen, und fangen am Außenrand wieder von vorne an.

Nicht, dass sie die besseren Nerven hätten. Jedes Gefühl von Scham, von No-go ist ihnen ausgetrieben, das ist das wirklich Beschämende an der Sache. Du schwankst zwischen Wegsehen und Alles-Kaufen, zwischen Mitleid und Aggression, aber auf wen eigentlich, rational weißt du, es ist ein aussichtsloses Spiel, sogar die Polizei sieht weg.

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Heute Heimfahrt, was die Stimmung seit gestern Abend deutlich dämpft. Jeder denkt an den wieder anstehenden Alltag mit seinen Ansprüchen, mit seinen jeweils ungelösten Problemen. (Die Arbeit, die ich zwar mit- , aber nicht ein Mal aus dem Koffer herausgenommen habe …)

Anfang August steht ein neues Interview an, bis dahin sollten die beiden letzten Aufzeichnungen transkribiert sein.