Happy Easter

Ostersonntag, B. N. Die N.s, mit denen wir einen schönen Abend verbracht haben, nehmen großen Anteil daran, wie es mit meinem Buch weitergeht. Das tut mir gut und ist auch nicht verwunderlich, da er einer meiner Interviewpartner ist, mit dessen Text (oder einem Teil davon) ich jetzt immer meine Lesungen abrunde wegen seinem positiven Drive.

Ein anderer schöner Abend war der mit A. und J., mit denen wir unseren nächsten Urlaub planen – zu viert diesmal statt zu siebt wie letztes Jahr, was sich ja dann zur ziemlichen Katastrophe entwickelte.

Gestern und heute spontanes Wochenende in Eisenach aus keinem guten Anlass, das jedoch wider Erwarten in einem recht amüsanten Abend in Steffs Kellerbar seinen Höhepunkt fand. Weil im Glockenhof (ehemals ‚Hospiz‘ und PMs alte Stammkneipe) nichts mehr frei war, landeten wir im Steigenberger in einem Zimmer mit schmiedeeisernem Balkon hoch über dem Karlsplatz, der abends romantisch beleuchtet und morgens bunt und betriebsam ist, das alles bei sonnigem Sommerwetter hinter doppelten Vorhängen aus Voile und Chintz, und das war der zweite Höhepunkt dieser Kürzestreise.

Das weibliche Prinzip von Meg Wolitzer ist ein amerikanischer Roman ohne literarische Tradition, jedenfalls dockt er nirgends an, und ich weiß noch nicht, ob ich ihn gut finden soll oder nicht. Du bekommst viel vom Leben in New York und an den Universitäten mit, der Plot ist interessant und zieht dich stellenweise auch rein, doch Wolitzers Sprache ist megakonventionell und sie schreibt in einer Art, als habe sie sich noch nie von einem Buch inspirieren lassen, als gäbe es vor ihr keine Autoren, als habe sie sich eines schönen Tages an ihren Schreibtisch gesetzt und beschlossen, jetzt mal EIN BUCH zu schreiben (dabei hat sie schon viele Bücher geschrieben) – als würde jede und jeder von uns demnächst alleine auf einem Baum sitzen und mit allem von vorne anfangen.
Ich glaube, es ist genau diese Zukunftsvision, die ich mit ihrer Schreibe verbinde und die mich so befremdet. Ich liebe literarische Zitate, Anspielungen, Intertextualitäten, wie beispielsweise in Ruhm von Daniel Kehlmann, ein Buch, das dich auf die Suche schickt, du kann den Ball auffangen oder auch nicht, aber jedenfalls geht der Ball nie ins Leere.
Vielleicht beschreibt Wolitzer auch einfach eine Gesellschaft ohne Plan – und ohne Zusammenhang. Die Sache der Frauenrechte erschöpft sich in Das weibliche Prinzip im Reden schreiben für irgendwelche Stiftungen und dem Organisieren von Tagungen. Also, da könnte ich aus meiner feministischen Vergangenheit aber andere Geschichten erzählen …

A. hat uns ein selbstgebasteltes Osternest mitgebracht. Ich liebe das. ‚Basteln‘ hat für manche eine negative oder lächerliche Konnotation, für mich aber nicht, weil ich selbst gerne bastle. Du brauchst bloß ein paar verschiedene Materialien und eine Idee, und schon entsteht daraus ein neuer Gegenstand.

Basteln ist eigentlich wie ein Buch schreiben, um mal am Glorienschein zu kratzen, das Material sind Wörter und Geschichten. Das alte Romanmanuskript … vielleicht sollte ich es …