Heute mal anders

Samstag. Heute mal kein PM und kein B.N., sondern arbeiten zu Hause, weil es momentan so viel ist, dass ich kein Land mehr sehe.

U.a. beschäftige ich mich gerade  – von „Amts“ wegen – mit den beiden letzten Zeilen vom „König von Thule“ (J.W. Goethe). Sie sind m.E. entweder vermurkst oder zwangsverrätselt:

Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer,
Die Augen täten ihm sinken,
Trank nie einen Tropfen mehr.

Keine der zugängigen Interpretationen im Netz oder im vorhandenen Sekundärmaterial meines Bücherregals geht darauf ein. Nur, dass der König, indem er den goldenen Becher ins Wasser wirft, jetzt sein großartiges Leben beendet.

Hallo, da steht aber der Konjunktiv! Noch dazu ein sehr hässlicher – wenn es statt täten wenigstens würden hieße … Oder warum nicht einfach nur: Die Augen sinken ihm? Oder noch besser: Die Augen sinken ihm zu? Und warum zweimal sinken?

Zeig dich, Rätsel, wenn es dich denn gibt!

Jedenfalls fand Old Goethe sein „Volkslied“ vom Old Thule-König so toll, dass er es, obwohl schon 1774 verfasst, im 1808 erschienenen Faust I aus dem Munde des armen Gretchens noch einmal aufleben ließ … und da haben wir den Salat.