Jeder stirbt für sich allein

Sonntag, B.N. Am Nachmittag ist L. mit Familie da. Das ist das Glück, einfach full Life und in jeder Hinsicht fordernd und erfüllend …

Abends mit PM nach Bonn ins Theater, letzte Vorstellung von Jeder stirbt für sich allein nach Fallada von der Regisseurin Sandra Strunz. Abgesehen von der Leistung, aus einem 700-Seiten-Roman (den Fallada in vier Wochen niederschrieb u der erst posthum bei Aufbau veröffentlicht wurde) ein Rollenbuch zu machen, ist diese Aufführung eine geradezu expressionistische Zusammenschau von ausdruckstänzerischen Choreographien, Rahmengesängen als Reminiszenz an den antiken Chor, mixed Songs aus der Kriegszeit – Schlager, Soldatenlieder oder auch mal das Horst-Wessellied – ,  viel Blut und Geschrei, aber noch mehr Stille und Bedrückung.

Das Bühnenbild ein kreisrunder, gläserner Käfig. Darin hängen die Schauspieler gelegentlich kopfüber, während sie ihre Figuren sich und die Welt kurzzeitig im Tanz vergessen, durch Gewalt oder Selbstmord sterben und jedenfalls nicht entkommen lassen. Niemanden, auch die Testosteron strotzenden, debildumm herausbrüllenden Nazis nicht. Stellenweise habe ich darauf gewartet, dass die Akteure sich Castorf-mäßig ausziehen, das hätte ins Konzept gepasst, aber wohl nicht nach Bonn. Haben doch auch so schon einige die Vorstellung unter Kopfschüttelprotest verlassen … was ja immer ein sehr gutes Zeichen ist.