Corona Diary / Gesammelte Worte

Donnerstag. Wer über Lockerungen der Corona-Maßnahmen nachdenkt, muss auch darüber nachdenken, wie viele Tote das kosten darf. (Prof. Lothar H. Wieler, Präsident Robert Koch-Institut). So einfach, so brutal ist die Rechnung.

Man hat kein Ewigkeitsgefühl mehr. Das brauchst du aber, um kreativ zu sein. Sagt Susanne.

Nichts macht mehr Spaß, sagt Tobi.

Ich kenne da einen, der hat dein Buch fast auswendig gelernt. Er will von dir wissen, warum es ihn so bewegt. Seinen Namen sag ich dir noch nicht, er ist ein Hidden Champion unseres Landes. Vielleicht sogar einer für dein nächstes Projekt? Sagt Christiane.

Wow! Da trifft man jemanden auf der Straße, und schon geht es weiter. Es gibt doch noch schöne Momente in dieser trüben Zeit, das sollte man nicht vergessen.

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Corona Diary / Masken und Müll

Dienstag. Niemand da. Im leergefegten „Amt“ hallen meine Schritte nach. Saubere Gänge, saubere Toiletten, nur ein paar Leute vom Leitungsteam hocken vereinzelt in ihren Büros hinter weit geöffneten Türen. Alles anders als sonst. Wir schielen uns über unsere Atemschutzmasken an – Woher hast du die? Wow, die nähen welche? Hätte auch gern eine davon – und freuen uns. Ah, ein Mensch, was für ein schöner Anblick. Hallo!, wie geht’s? Toller Rock! Kommst du klar? Na ja, geht so. Meine Unsicherheit in Sachen Arbeiten in Coronazeiten – deswegen bin ich hier – wird mir ganz schnell genommen. Ich mache alles richtig. Echt? Super! Das hört man ja gerne. Es gibt keine Regeln, alle eiern vor sich hin, vom Wunsch getrieben, helfen zu wollen, die Lage zu checken, den eigenen Standort zu checken. Eine Pädagogin vor einem leeren Klassenzimmer – das ist definitionsbedürftig. Die Tische sind weit auseinander gestellt, ab nächste Woche sitzen hier immer zwei halbe Klassen nebeneinander, man muss also hin- und herspringen, oh yeah, das wird lustig. Ausgedünnter Betrieb: nur die Kursstufe, nur die Hauptfächer. Der Rest wird weiterhin online vermittelt.
Anschließend habe ich das dringende Bedürfnis nach Stadt. Ich bummle durch halbleere Straßen, durch leere Geschäfte.
Alle reden davon, was die Krise mit der Gesellschaft macht und was sich danach ändern wird. Ich glaube, das einzige, was sich ändert, ist unser Konsumverhalten. Keiner braucht was, ich auch nicht. Wir haben alles. Im Gegenteil, die Leute misten aus und räumen auf. Vor vielen Hauseingängen stehen Kisten mit ausrangierten Sachen, man kann sich was mitnehmen oder feststellen, dass man ganz Ähnliches auch gerade rausgestellt hat.
Beim Wässern meiner Balkonpflanzen ärgere ich mich über das abgebrochene Verbindungsstück zw. Schlauch und Wasserhahn. Zum Glück habe ich vorhin Sekundenkleber gekauft und hoffe nun, dass die geleimte Stelle eine Weile hält. Das abgebrochene Stück ist mit dem Schlauch verschweißt, unter Umständen hätte man also das ganze Trumm weggeschmissen und einmal mehr dazu beigetragen, die Erde mit unserem Wohlstandsmüll zu überziehen. Wegen eines einzigen, kleinen Fehlers. Das ist der gewollte Unsinn unseres Systems, das sollte sich ändern.

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Corona Diary / Schule 2.0

Samstag. Dass die Nerven „etwas blank“ liegen, wie es kürzlich in einem internen amtlichen Schreiben zu lesen war, ist eine schwer verharmlosende Umschreibung des Zustandes, in dem sich fast alle Eltern von schulpflichtigen Kindern derzeit befinden. Tagsüber drucken sie an ihren Arbeitsplätzen in Kliniken und Geschäftsbüros die tägliche Flut von Arbeitsblättern für ihre überforderten Kids aus, mit denen sie abends am Esstisch zusammenhocken, um Mathe- und Geographieaufgaben zu lösen, englische Lückentexte zu füllen und Handyfotos für den Kunstunterricht zu produzieren.
Überforderung auch auf der anderen Seite der Front, wo sich der eifrige Teil des Lehrpersonals angesichts der coronabedingten Leere im Gehirn in blindem Aktionismus gegenseitig zu übertrumpfen sucht. Mit Microsoft Teams, Moodle, Doodle, Zoom oder Dropbox werden die lieben Kleinen vor die Webkamera gelockt, vor der die Lehrer sie in normalen – vorcoronalen – Zeiten immer gewarnt haben („Und nicht vergessen: sogar Mark Zuckerberg klebt das Auge an seinem PC ab!“). Mit verzweifelter Euphorie stürzen Pädagog*innen sich in das technische Regelwerk, das ihnen im Minutentakt aus ihrem Mailaccount entgegenfliegt. Bei dem anderen Teil löst das Fachchinesisch der „unterstützenden“ Links je nach Temperament Tobsuchtsanfälle oder Migräneattacken aus. Entweder wird jetzt weggeklickt oder in masochistischer Kleinarbeit das Fremde, Feindliche ins widerstrebende Gehirn runtergeladen.
Für die Zielgruppe all dieser Bemühungen gilt jeden Morgen: Wer sich am Familien-PC gegen Geschwister und Eltern durchsetzt, hat die Heimbeschulung via Bildschirm als Erster hinter sich. Sofern die Technik mitspielt. Da das Lehrpersonal in Sachen IT niemals systematisch aufgerüstet wurde und es jedem überlassen blieb, den Anschluss zu finden oder zu verpassen, geht vieles schief. Der Ton fällt aus, man sieht den Lehrer nicht, der Lehrer den Schüler nicht. Der kleine Moritz klickt sich weg, weil er keinen Bock hat, die große Samira loggt sich gar nicht erst ein. Man ist schließlich zu Hause und die Lehrerin nur ein Bild. Außerdem sind Videokonferenzen mehr oder weniger freiwillig. Niemand darf gezwungen werden, Apps runterzuladen, Programme zu installieren und Webkams anzuschaffen.
Ist alles also eine einzige große Beschäftigungstherapie?
Die Medien aber jubeln: Das Virus schaffe, was die Schulen bisher nicht geschafft haben – das längst überfällige technische Upgading, die Erneuerung des Schullebens, die digitale Revolution, Schule 2.0! Für alle direkt Betroffenen ist dieser Tenor ein Rätsel. Dessen Lösung nur darin liegen kann, dass die Berichterstatter in ihren Glasbunkern am Hamburger CityHafen oder in den Edelstadtteilen Frankfurts, Münchens und Berlins sich lieber in eine cleane IT-Zukunft wegbeamen anstatt die Dinge zu beschreiben, wie sie sind.
Schwierig nämlich!
Mit jedem Tag liegen auch meine Nerven blanker. Ich beginne an meiner beruflichen Identität zu zweifeln, ein Zustand, den ich bisher so nicht kannte. Die Flut von stressenden Mails macht mich krank und elend. Beim Support scheitere ich meistens schon am Vokabular. Meinen Beruf liebe ich, weil ich es liebe, mit Menschen zu arbeiten. Jetzt soll über Nacht eine IT-lerin aus mir werden. Zunehmend fühlte ich mich verunsichert und überfordert, ein Selbstverständnis, mit dem es sich schwer leben lässt.
Den Tag heute habe ich praktisch non stop am PC verbracht. Morgen wird es nicht anders sein, übermorgen auch nicht. Keine gesunde Sache. Mit Mecki am Abend spazieren gegangen, auf einer Bank an der Steinlach packt sie plötzlich eine Flasche Weißwein (Kröver Nacktarsch!) und zwei Becher aus: Highlight des Tages. Wir lauschen einem Kuckuck und erzählen uns Geschichten. Von chinesischen Schülern, die nach sieben Wochen Digitalunterricht nicht mehr konnten … (Quelle leider vergessen …)

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Corona Diary / Zwickmühle

Freitag. In Brasilien ist die Zahl der täglichen Todesfälle durch das Coronavirus auf über 400 gestiegen. Jair Bolsonaro scheint das wenig zu beeindrucken. Der Präsident gehört zu den sog. Corona-Leugnern, wie immer das funktioniert, ein Virus zu leugnen. Anstatt Maßnahmen gegen dessen Ausbreitung zu ergreifen, hat Bolsonaro seinen Gesundheitsminister Luiz Mandetta entlassen. Dieser hatte sich für die soziale Isolation ausgesprochen, während der Präsident es nicht einsieht, die brasilianische Wirtschaft wegen eines “Grippchen[s]” zu schädigen.

Angela Merkel hat laut Steingarts Morning Briefing vom 24.04.2020 in diesen dramatischen Tagen die politische Rationalität auf ihrer Seite: ”Riskiert sie zu früh eine Rückkehr in das Alltagsleben, sind ab diesem Zeitpunkt alle Toten ihre Toten. Sie macht sich schuldig. Kommt es infolge einer verhinderten Öffnungspolitik zu einer ökonomischen Depression, was als gesichert gelten darf, trägt sie formal die Verantwortung, aber moralisch keine Schuld. Schuld ist in diesem Fall immer nur das Virus.”
Deshalb ist mit weiteren Lockerungen wohl nicht zu rechnen. Merkel: “Die Situation ist trügerisch, und wir sind noch lange nicht über den Berg.“ Und: Lassen Sie uns jetzt das Erreichte nicht verspielen und einen Rückschlag riskieren.“
Ihr Mentor Obervirologe Christian Drosten: “Wenn man die Maßnahmen lockert, dann starten an vielen Orten in Deutschland neue Infektionsketten.“
Genau dies ist wohl jetzt schon – nach nicht einmal einer Woche seit den ersten Lockerungen – zu beobachten. So hat sich die Zahl der Infizierten gestern im Vergleich zum Vortag verdoppelt. Mit 5600 Corona-Toten hat Deutschland das riesige China (4700 Tote) überholt.
Also weiter gehts mit angezogener Handbremse. Man wundert sich, wieso überhaupt noch etwas funktioniert. Gestern bei der Augenärztin zum Beispiel (ja, is klar, ich brauche eine Brille, ansonsten alles im grünen Bereich). Oder beim Einkaufen im Supermarkt (zum ersten Mal bin ich mit Maske unterwegs, man wird sich daran gewöhnen müssen). Die Regale sind voll, unterbrochene Lieferketten scheinen sich hier nicht auszuwirken.
Steingarts Fazit: “Eine kluge Pandemiebekämpfung muss danach streben, beides hinzubekommen: Die Durchbrechung der Infektionsketten und die Wiederherstellung der ökonomischen Kreisläufe. Was wir im Moment allerdings erleben, zeigt ein Dilemma, wie wir es nur aus dem antiken Drama kennen: Die Lockerung ist zu weitgehend, um das Virus zurückzudrängen. Sie ist nicht weitgehend genug, um unseren Wohlstand zu retten.”
Man könnte auch sagen: Eine Zwickmühle auf Leben und Tod.

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Corona Diary / Agent Smith

Mittwoch, B.N. Nach 21 Jahren nochmal Matrix gesehen. Und ganz anders gesehen, seit ich mich in den letzten Monaten mit der schrägen/irren/destruktiven Ideologie der Transhumanisten (Transhumanistinnen gibt es meines Wissens nicht) auseinandergesetzt habe.

Zitat: Agent Smith: Ich kam zu einer interessanten Entdeckung, seit ich in der Matrix bin. Es fiel mir auf, als ich versuchte, Eure Spezies zu klassifizieren. Ihr seid im eigentlichen Sinne keine richtigen Säugetiere. Jedwede Art von Säuger auf diesem Planeten entwickelt instinktiv ein natürliches Gleichgewicht mit ihrer Umgebung. Ihr Menschen aber tut dies nicht. Ihr zieht in ein bestimmtes Gebiet, und vermehrt Euch und vermehrt Euch, bis alle natürlichen Ressourcen erschöpft sind. Und die einzige Möglichkeit zu überleben ist die Ausbreitung auf ein anderes Gebiet. Es gibt noch einen Organismus auf diesem Planeten, der genauso verfährt. Wissen Sie, welcher? Das Virus! Der Mensch ist eine Krankheit! Das Geschwür dieses Planeten! Ihr seid wie die Pest, und wir sind die Heilung!

Ja, so ungefähr geht deren Denke

Zur Heilung vom Corona-Virus, bzw. zu seiner Eindämmung ist jetzt die allgemeine Maskenpflicht zu erwarten. Manche Bundesländer haben sie schon eingeführt. Wenn ich morgen mit dem Zug nach Hause fahre, wegen eines Arzttermins und einigen Unklarheiten im „Amt“ – werde ich auch eine mitnehmen.

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Corona Diary / Mini-Ausstieg aus Lockdown

Montag, B.N. Trump hat den Schuldigen ausgemacht: Hartnäckig spricht er vom Chinesenvirus. Er kolportiert das Gerücht, das Virus entspringe einem chinesischen Forschungslabor in der Nähe des Viehmarktes von Wuhan, der bisher als Ursprungsort von Covid-19 galt. Eine neue Variante der Kalten Krieges: Warum den seit Monaten schwelenden Handelskonflikt zwischen den beiden Supermächten China und USA nicht durch Virus-Fake-News befeuern?

Heute waren die Geschäfte zum ersten Mal seit dem Lockdown wieder offen. Es dürfen immer nur zwei bis vier Leute rein, in manchen bekommt man am Eingang eine Maske überreicht. Alle Leute haben gute Laune, lächeln und blinzeln in die Sonne. Kaum aus meinem (hiesigen) Favorite Shop Clara raus, in der einen Hand die volle Tüte, in der andern ein Kuchenpaket balancierend, hupt es hinter mir. Es ist PM, der früher fertig ist und zur Bank muss. Ich hole noch Blumen für D., bei der ich morgen zum Kaffee eingeladen bin, zusammen fahren wir nach Hause. Noch niemals bin ich PM zufällig auf der Straße begegnet. Ein Gefühl, als würde ich richtig hier wohnen…

Dabei waren wir am Samstag in Eisenach ein Haus angucken. Meinen wir das ernst?, ich weiß es nicht. Wir wissen es wohl beide nicht. Anschließend waren wir bei Tini und Asse auf der Terrasse, von der aus man einen Blick über Eisenach und das Johannistal hat, dass du dich geradewegs in einen kitschigen Heimatfilm gebeamt fühlst. Du siehst auf die Dr.-Kleist-Villa und auf all die anderen traumhaft schönen Villen, und im Hintergrund der Thüringer Wald, der leider wie alle Wälder von der Trockenheit und dem Borkenkäfer geschädigt ist.

Das Problem der Trockenheit verschwindet hinter der Coronakrise, dabei ist es die viel größere Sache. Aber man kann nicht alles Schlimme auf einmal im Blick haben, und heute sehe ich gar nichts davon.

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Corona Diary / Privat

Freitag, B.N. Wenn jetzt irgendein Promi erzählt, dass er während der Coronakrise zugenommen habe, dann hört man sich das nicht an, weil dieser Typ einen großartig interessiert, sondern weil er sein privates Problem zu einem öffentlichen macht, indem er eine Sache thematisiert, die gerade viele angeht. Aus dem gleichen Grund guckt man zu, wenn eine Gesellschaftslady sich vor laufender Kamera die Haare färbt. Niemand kommt gerade zum Friseur, und mal sehen, wie die den Farbpinsel ansetzt und ob die das besser draufhat als man selbst.
Das Wort Privatfernsehen bekommt plötzlich eine neue Bedeutung. Auf fast allen Sendern wird der private Corona-Alltag ganz normaler Leute in ihren ganz normalen Wohnungen gezeigt, wie sie zusammen Gemüse schneiden oder allein in der Garagenwerkstatt Sachen austüfteln, für die sie sonst keine Zeit haben.

Wir machen unseren Abendspaziergang durchs Städtchen. Wir drücken unsere Nasen an den Schaufenstern und Kneipenfenstern platt. Wir haben heute viel geschafft, PM in der Klinik und ich am Schreibtisch, das ist ein gutes Gefühl, aber noch besser wäre es, jetzt hier irgendwo mit D. und M. bei einem Bier zu sitzen und gemeinsam über den Tag zu quatschen.

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Corona Diary / Perspektive

Freitag, B.N. Den Pitch bitte kürzen und den nächsten Abschnitt weglassen, sagt der Agent. Haben Sie das Exposé vor sich? Die Handlungsskizze ist okay, kann so bleiben, die Personenübersicht auch. Ich lösche die entsprechenden Zeilen und setze seine Anweisungen direkt um. Die Worte fliegen mir zu. Es prickelt in meinem Bauch. Es geht los. Der Agent hat es plötzlich eilig. Nächste Woche geht mein Roman auf die Reise…

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Corona Diary / Reproduktionsfaktor

Donnerstag, B.N. Meine Zuversicht, dass es am Montag wieder losgeht, kommt mir angesichts der Regierungsbeschlüsse von gestern fast schon absurd vor. Die von Merkel angekündigte Lockerung betrifft nur Geschäfte, und zwar nur die mit einer Ladenfläche unter 800 qm2. Alle anderen Einrichtungen unterliegen weiterhin dem Shutdown.
In zwei Wochen dann der nächste Schritt: Ab dem 4. Mai dürfen Friseure wieder öffnen (hey!, am 6. Mai habe ich einen Termin, direkt noch vor der Krise ergattert). Und endlich auch die Schulen – irgendwie gestaffelt mit eigens angepassten Stunden- und Raumverteilungsplänen: 1,5 Meter Abstand gilt auch hier. Eine enorme Herausforderung für die Schulleitungen! Auch in Bezug auf Hygienemaßnahmen heißt es jetzt aufrüsten: Viele Schulen haben kein warmes Wasser (sic!), Spender für Desinfektionsmittel sind die absolute Ausnahme.
Gaststätten, Kneipen, Theater, Clubs u.ä. bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Genau wie die Kirchen – als würden die Gläubigen sich sonst dort drängen! Reisen natürlich auch verboten.
Großveranstaltungen sind bis zum 31. August untersagt. Das Maskentragen bislang noch nicht Pflicht, sondern nur Empfehlung. Überhaupt ist die Maske in aller Munde. Es gibt nämlich keine mehr, deshalb kann man die Bevölkerung auch nicht dazu verpflichten. Doch viele Kleinunternehmer*innen und Textilbetriebe stehen bereits in den Startlöchern: Die Maske ist das neue It-Peace am Modehimmel.
Ergo: Der Homeoffice geht weiter. Wir müssen uns an ein Leben mit dem Virus gewöhnen, zumindest bis es einen Impfstoff gibt. Alle reden jetzt vom Reproduktionsfaktor. Der soll unter Eins fallen, logischerweise lässt sich sonst die Ausbreitung von Covid-19 nicht eindämmen. Aktuell steht er noch etwas darüber …

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Corona Diary / Fensterbesuch

Ostermontag, B.N. PM fährt mit mir nach Werne. Wir haben vorher Bescheid gegeben, damit meine Mutter ans Fenster geschoben wird. Zum Glück wohnt sie im Erdgeschoss. Ich habe eine Tasche voller Sachen mitgebracht in der Hoffnung, sie ihr durchs Fenster zustecken zu können. Geht aber nicht, weil es nur einen Spaltbreit gekippt ist. Nichts passt durch. Ich gebe die Tupperdosen – Spargelcremesuppe und Kartoffelsalat – und das übrige Zeug am Eingang ab. Dann versuchen wir es mit einer Unterhaltung – so ein mit Händen und Füßen untermaltes Gebrüll. Jeder auf dieser Seite des Hauses hört mit. Es gibt nur ein Thema: Mit der Einrichtung geht es den Bach runter. Das hat nichts mit Corona zu tun, sondern mit der Übernahme durch einen anderen, noch profitorientierteren Konzern. Seitdem ist das Essen mies, das Freizeitprogramm dürftig, die Pflege lieblos. Sämtliche bisherigen Pflegekräfte haben gekündigt und werden durch Zeitarbeiter aufgefüllt. Wie’s kommen muss, hat einer von ihnen das Virus eingeschleppt, sieben Bewohner*innen sind jetzt infiziert. Meine Mutter ist negativ getestet, was ihr aber nichts nützt. Alle müssen auf ihren Zimmern bleiben, kein Austausch, kein Kontakt, von außen wie von innen totale Besuchssperre. Wir erzählen Geschichten und machen Späße durch die Scheibe. Es ist kalt, es regnet, über Nacht ein Temperatursturz von 15 Grad. Zu wenig, zu wenig, das Dauergefühl gegenüber den alten Eltern. Noch während ich da stehe, überfällt es mich. Jetzt noch mehr als in normalen Zeiten.

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