Von Weichholzmöbeln, Satzfragmenten und Schokolade

Donnerstag. Der Holländer* hat das Buffet gebracht. Genauer: Er hat zwei gebracht, heute Morgen stand er mit seinem Transporter um 7.00 Uhr vor der Tür, er baute sie beide unten im Hausflur auf und das, worauf meine Wahl dann doch relativ schnell fiel, trug er mit Steves Hilfe in meine Wohnung hoch. Ein Prachtstück. Besser als der Vorgänger, ha!, Biedermeier, Weichholz, honigfarben gewachst, mit einem schön samtigen Schimmer. Eben ein richtiges altes, sehr altes Küchenbuffet. Noch einen Kaffee getrunken mit dem freundlichen Typen, und weg war er wieder. Ab nach Holland. Aber zuerst noch an den Bodensee und nach Frankfurt,

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Großmächte

Dienstag. Wir halten fest: Deutsche Politiker maßen sich das Recht an, darüber zu entscheiden, welche Rolle syrische Regierungstruppen in Syrien im Kampf gegen den IS spielen sollen, während die halbe Welt völkerrechtswidrig und ohne UN-Mandat ihre Interessen in Syrien durchsetzt und den legitimen Präsidenten stürzen möchte. Politiker, ist das euer Ernst? Von der Leyen: „Meine Position ist: es wird keine Zukunft mit Assad geben!“ – ist sie noch bei Sinnen? Deutschlands Kurs zeigt, dass wir die geopolitischen Entscheidungen der USA nicht nur abnicken, sondern militärisch mittragen. Selbst der Grüne Hofreiter bläst in dieses Horn, „Assad rauszunehmen, eine Übergangsregierung zu schaffen“. Tatsächlich

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Poetikdozentur

Tübinger Poetik-Dozentur dieses Jahr mit Clemens Setz und Kathrin  Passig als Co-Dozentin. Die Vorlesung in der Alten Aula hält Setz. Über Schreibanlässe spricht er. Ein Wortakrobat, ein Jongleur, der amüsante Spielereien mit Satzfragmenten und Überraschungseffekten durch Zusammenfügen von nicht Zusammenpassendem anzettelt (Screenshots von den Headlines alter, richtig alter Zeitungen). Lustig, verblüffend, ja durchaus – und irgendwann ermüdend. Bin ich müde? Ich kichere ein bisschen mit und dann der Gedanke: ach leck mich, komm endlich zur Sache. Sind Worte denn nur Zeichen, Spielzeug?, nein, sind sie nicht, um das gleich zu beantworten, habe ich auch noch nie so gesehen. Es gab

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Altes

Samstag. Zum ersten Mal seit meinem persönlichen Big-Bang – zum ersten Mal seit drei Jahren – acht Stunden lang geschlafen. Das letzte erinnerungsbehaftete Möbelstück ist raus. Ob du wirklich ER-LEICHTERT bist, ob du eine Sache wirklich hinter dir gelassen hast, nicht mit dem Gut-dass-der-Arsch-endlich-weg-ist-Gefühl, denn das ist immer unehrlich, sondern mit dem Gefühl: Ja. Es ist jetzt gut so, weil es gar nicht anders kommen konnte – wenn du mit genau dieser Einstellung eine Sache loslässt, dann merkst du das. Dann durchströmt und reinigt dich das von innen, sozusagen. Und du kannst, zum Beispiel, wieder schlafen. Der Typ von dem

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Fress-Ranking in Tübingen

Mein Lokal – dein Lokal in Tübingen! Mit im Rennen: Das Meze von Vasiliki und Gabriel. Zum gemeinsamen Fernsehen mit Pizza und reichlich Freixenet finden sich W., der seinen eigenen Sekt mitbringt, Susanne und natürlich Steve vor meiner Uraltglotze ein. Heftige Kontroverse: Ich lasse nichts aufs Meze kommen, während W. skeptisch ist. Zur Party am kommenden Samstag sind wir alle und ganz besonders PM eingeladen (Gabriel: Wann sehe ich meinen Freund wieder?). Diskussion über meine drei Kommunisten: Steve und ich haben Marx, Engels und Lenin letzte Woche jeweils eine original DDR-Pestalozzi-Medaille (von PMs Dad) verliehen. Zu Susannes Freude haben wir die Aktion fotografisch

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Die Linke und der Islam

Daniel Krause: „Linke Werte sind für mich: Gleichberechtigung von Frauen und Männern, von Mädchen und Jungen, von Homosexuellen und Heterosexuellen, gewaltfreie Kindererziehung sowie Trennung von Staat und Kirche. Ich bin dankbar dafür, dass die Generation der 68er diese Werte in Deutschland etabliert hat. Leider ist ausgerechnet vielen linken Milieus nicht bewusst, wie sehr der radikale Islam genau diese Werte bedroht. In islamistischen Ländern werden Frauen bei Ehebruch hingerichtet, und es werden Homosexuelle zu Tode gefoltert. Dazu darf man als Linker nicht schweigen. Zu schweigen wäre ein Verrat an linken Errungenschaften. Nun zum Unterschied zwischen linker und rechter Islamkritik: Rechte Islamkritiker

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Ruhe in Worms – Terror in Paris

Sonntag. Ein unvergessenes Wochenende in Worms, zwei Übernachtungen im Prinz-Carl-Hotel (einer ehemaligen Kaserne, schöngroße Zimmer, fantastisches Essen und vor allem: Ruhe) mit liebevollem Candle-Night-Dinner, einer dreistündigen Stadtführung an der Seite des wunderbaren Friedel Lahr, der über ein unerschöpfliches historisches/kirchengeschichtliches/theologisches Wissen verfügt (kommt uns besonders bei Dom-Besichtigung und jüdischem Friedhof zugute), und der Begegnung mit dem Buchautor Hartmut Keil – das alles ein klug arrangiertes Geschenk der Klinik für PM, für uns beide. Und dann der Schatten der entsetzlichen, unvorstellbaren Nachrichten aus Paris, die uns sprachlos machen, bzw. als einzig relevantes Thema dieser letzten drei Tage immer und immer wieder sich

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Helmut Schmidt ist tot

Dienstag. Helmut Schmidt ist tot. Mit ihm verbinde ich meine ersten politischen Reflexionen – wenn meine Eltern beim Abendessen über „Schmidt-Schnauze“ redeten. Sie hatten, als unbeirrbare CDU-Wähler, Respekt vor ihm. Das habe ich damals, als Kind, schon gespürt.

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