Springender Strom

Donnerstag. Heute Morgen mit dicker Backe aufgewacht. Als hätte ich eine Kirsche gebunkert. Sieht entschieden blöd aus. Sprechen geht nicht, tut weh. Von der Arbeit abgemeldet, muss aber nachher trotzdem kurz hin wg. unaufschiebbarem Termin. Vorher zum Zahnarzt … Stresssymptom, ich kenne das schon von früher … aber nicht in dem Ausmaß … das geht bis zum Auge hoch! Die letzten Monate mit nicht enden wollendem Anwalt-Notar-Papierkrieg-Wohnungs-Scheiß waren ungefähr so, wie wenn du in stetig steigendem Wasser stehst und du merkst/siehst es gar nicht, außer dass du keine Luft mehr kriegst. Gestern war der Elektriker von dem wunderbaren Lampenladen da, aus dem fast

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Boxen und Speisen

Montag. W. hat heute Nachmittag seine alten Boxen bei mir installiert.  Was für ein Sound im Vergleich zu vorher!, und dann haben wir gleich mal Colosseum und später Chicago eingelegt… Den neuen Glastisch hat PM mir am Wochenende mitgebracht. Ist jetzt doch nicht der mit den Rädern geworden, sondern ein runder mit interessantem Stahlsockel. PM hat im Möbelladen die ausschlagebende Entscheidungshilfe geleistet. W. hat große Augen gemacht. Er findet ihn stylisch. Nach der Boxenmontage, für die W. erst noch 12 Meter Lautsprecherkabel beim Saturn holen musste, bedankte ich mich mit einer Einladung im Herzog Ulrich, wo wir köstlich gespeist haben:

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Unbeflecktes Töten

Sonntag. Drohnen töten, ohne dass sich jemand die Finger dabei schmutzig macht. Man sieht auch kein Blut fließen. Unbeflecktes Töten, sozusagen. Dafür reicht eine Telefonnummer aus. Wie das funktioniert und dass es – mit deutscher Unterstützung – ganz einfach geht, berichtete der ehemalige US-Drohnenoperator Brandon Bryant am 15. Oktober 2015 vor dem deutschen Bundestag. Genauer: Vor dem NSA-Untersuchungsausschuss, der ihn als Kronzeugen anhörte. Dass mittels der Telefonnummer ein feindliches Handy so exakt geortet werden kann, dass die Drohne das Haus bzw. die entsprechende Location auch punktgenau trifft (Kollateralschäden inbegriffen), dafür sorgt die geheimdienstliche Metadatenspeicherung. Solange Bryant bei der amerikanischen Luftwaffe

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Alles psycho

Mit Dorle ins Piccolo Sole d’Oro auf einen Sekt und Schinkentoast nach diesem wahrhaft anstrengenden Tag. Danach mit Schokolinsen und noch mehr Sekt bewaffnet ins Kino: I killed my Mother von Xavier Dolan aus der Reihe Film und Psychoanalyse, heute mit Dr. H. v. Freytag-Loringhoven und Dipl.Psych. P. Schraivogel. Ein taffer Film vom erst 25-jährigen Dolan, der das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat und außerdem die Hauptrolle spielt. Angeblich dreht er jedes Jahr einen. Bevorzugtes Thema: Die Mama bzw. seine schräge Mutterbeziehung. Schwer autobiographisch, schwer ödipal. Von Freytag-Loringhoven vermutet, dass Dolan selbst nicht alles durchschaut, was er in dem Film

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Seit heute

Mittwoch. Seit heute bin ich alleinige Eigentümerin meiner Wohnung. Seit heute habe ich alleine einen großen Schuldenberg abzutragen. Seit heute sind Bedrohung, Unehrlichkeit, Verachtung und Destruktion endgültig aus meinem Leben verschwunden. Seit heute weiß ich, dass, wer sich selbst belügt, Andere nur belügen kann. Seit heute weiß ich, dass Menschen – ich – sich ändern können. Dank an meine „Frau Tietze“ (die in Wirklichkeit ein Mann ist und Dr. K. heißt). Seit heute weiß ich, dass ich den Weg der Bedrohung, der Unehrlichkeit, der Verachtung, der Destruktion mir nicht freiwillig ausgewählt habe, sondern weil er mir von kleinst auf vertraut

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Stimmt so

Sonntag, B.N. Solche Tage, wo du das Gefühl hast, alles stimmt so, wie es ist, und du hast doch einiges richtig gemacht, Tage eben wie der Sonntag heute, und die richtigen wichtigen (liebsten) Leute rufen an und du hast ein gutes Gespräch mit L. und mit T. und hörst PM’s Lachen aus der Küche, und der Kaffee duftet und das Laub durch die Tür zum Garten auch, und die Arbeit ist getan und der Koffer schon gepackt und dann klappts auch noch mit der Bahn – du stehst inzwischen auf dem Hbf Koblenz, wohin die Bahn-App dich geschickt und PM mit durchgedrücktem

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So weit, so mainstream

Warum war die Sendung mit Anne Will und der Bundeskanzlerin über die Flüchtlinge in Europa (Die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise, 07. Oktober 2015) so langweilig? Weil die Kanzlerin jedes aussagekräftige Statement vermied. Interessant wäre gewesen, über die Ursachen der Flucht zu erfahren. Warum auf syrischem Boden hemmungslos die Großmächte agieren, welche Rolle der Westen spielt und welche die arabischen Nachbarstaaten – dazu hätte mich Merkels Meinung interessiert. Mit keinem Satz weist die Bundeskanzlerin jedoch darauf hin, dass die vom Westen angezettelten Kriege von Libyen über Syrien und Irak bis Afghanistan einer der wesentlichen Gründe dafür sind, dass Menschen fliehen. Und

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Das war Mord

Samstag, B.N. Das von den Ärzten Ohne Grenzen (Medecins Sans Frontieres) betriebene Krankenhaus in Kunduz/Afghanistan wurde nicht „versehentlich bombardiert“, wie das Pentagon sich seit Tagen herauszureden versucht. Es wurde gezielt von einem amerikanischen AC-130 Hercules Spectre Gunship angegriffen. Das Krankenhaus steht allein auf einem ansonsten unbebauten Gelände und konnte mit keinem anderen Gebäude verwechselt und schon gar nicht von einem „Irrläufer“ getroffen werden. Zur Zeit des Luftangriffs befand sich kein Taliban mehr in der Klinik. Der Taliban, der davor von den Ärzten behandelt worden war, trug keine Waffen bei sich. 24 Menschen starben, 37 weitere wurden verletzt. Dieser Angriff ist

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Alles ist im Fluss

Donnerstag. Dorles Geburtstagsparty. OmG, war ich müde. Viele liebe Menschen wiedergesehen. Musste daran denken, wie ich bei Dorle einmal eingeschlafen bin, mitten im Fest, weil ich so fertig und runter mit den Nerven war, das war schön mit diesen Stimmen und Klirren und Krach im Hintergrund, die haben mich da einfach weiterschlafen lassen, weil es das einzige war, was ich brauchte. Von W. habe ich die Boxen übernommen. Er hat sich, samt High-Tech-Anlage, neu eingerichtet, alles erste Sahne in edlem Weiß-Anthrazit. Und da stehen sie nun bei mir, diese hohen, schwarzen Türme mit ihrem dominanten, männlichen Touch.Zuerst habe ich versucht

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