Freudedusche

Dienstag. Heute ist was Schönes passiert. Mein Deutschkurs belagert die Bänke auf dem Johannisplatz, das ist Unterricht und nicht Freizeit. Thema Schilderung / Schreiben vor Ort: In die Situation reinhören, Eindrücke sammeln, sie später in eine sinnvolle Ordnung bringen. Wir hocken so in der morgendlichen Kälte beisammen und schauen uns um. Da kommt eine Frau vorbei, sieht mich / uns und zieht „Junge Texte aus Eisenach“ aus ihrer Tasche, das gibts nicht! Lacht und ruft, sie sei totaler Fan von dem Projekt, habe uns auch im Fernsehen gesehen und mache ständig Werbung für uns. WHAT? Direkt in den letzten Tagen habe

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Kino Kino

Samstag. Im Kino: The Housemaid. Ich liebe Amanda Seyfried. Anschließend im Corner’s Club 54. Wir waren die Einzigen, auch diese Bar wird schließen, jede Wette. Die schönsten Läden und Locations sterben dahin. In Eisenach gibt es bald mehr zugeklebte Schaufenster als offene. Wir hocken auf einem absterbenden Ast und wollen es nicht wahrhaben. Ist Eisenach besonders lost oder ist es der Osten oder das ganze Land?

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Habermas wird fehlen – als Denker und Dialogpartner

Samstag. Übernachtungsgast Marcel aus Tübingen, der heute zur Leipziger Buchmesse weiterfährt. Ohne mich, diesmal. Ich bleib zuhause, arbeite am nächsten Manuskript und freue mich auf ein ruhiges WE am Schreibtisch mit Blick auf die Wartburg. Heute erschien sein Leserbrief in der Frankfurter Rundschau, von Philosoph zu Philosoph … Zu „Der  Philosoph der Republik“, FR-Titel vom 16.03., und „Die Diskursethik bleibt ein Meilenstein“, FR-Feuilleton vom 17.03. Zu Recht erfahren die Biografie sowie das wissenschaftliche und publizistische Werk des Philosophen und Soziologen JürgenHabermas in der FR eine umfassende und differenzierte Würdigung. Zu wenig berücksichtigt wird allerdings dabei, dass der engagierte Intellektuelle auch

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Scham und Stärke

Freitag. Es sind die starken, selbstbewussten Frauen, denen so etwas passiert. Die sich zu blassen, schwachen Männern hingezogen fühlen – herabbeugen, möchte man sagen, vielleicht weil sie sich bei ihnen in Sicherheit wähnen. Während aus allernächster Nähe, aus dem häuslichen Hinterhalt, auf sie geschossen wird. Was mag in dem blassen, schwachen Christian Ulmen vorgegangen sein, wenn seine Frau ihm beim Abendbrot erzählt, dass sich jemand auf krasseste Weise ihrer Identität und ihres Körpers bemächtigt? Wenn sie vor Scham verzweifelt, weil schon wieder Pornos mit ihrem Gesicht und ihrer Stimme aufgetaucht sind? Wenn sie angsichts des ständig nachwachsenden Schmuddelmaterials ihre Ohnmacht

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Lesung Salonabend Reuter-Villa

  „Lass uns über den Tod reden“ Salonabend in der Reuter-Villa Eisenach – Gründonnerstag 02.04.2026, 19.00 Uhr Thema: Gründonnerstag – ein Anlass über den Tod zu sprechen Veranstalter: Salonabende in der Reuter-Villa, Kunstverein Eisenach e. V. Wann: Donnerstag 02.04.2026, 19.00 Uhr Wo: Reuterweg 2, 99817 Eisenach Kontakt: 03691 – 74329 *** Es gibt zwei Möglichkeiten, mit dem Tabuthema Tod umzugehen: Ihm ausweichen („Die Leute wechseln die Straßenseite, wenn sie mich sehen!“) oder sich damit konfrontieren, heißt darüber reden. Entstanden ist die Idee zu dem Buch Lass uns über den Tod reden (Ch. Links Verlag Berlin, 2019) durch den Tod meines

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Kein Widerspruch – nirgends

Andrej Hermlin schreibt: Die „Antizionisten“ in unserer Zeit Mein Großvater David Leder, portraitiert 1920 von Gustav Schaffer. (Das Bild wird hier aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt, C.J. Vieregge) Das Bild zeigt David vor der Kulisse von Jerusalem. Das Bild ist eine Phantasie. David, der Zionist war, hat Jerusalem nie gesehen. Im November 1938 wurde er in Berlin verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Einige Wochen später ließ man ihn frei, meine Großmutter hatte die SS wohl mit einem Gemälde von Lovis Corinth bestochen. Im letzten Moment, kurz vor Kriegsausbruch, gelang meinen Großeltern die Emigration nach England, wo David einige Jahre

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Social life

Montag, Tübingen. Marcels Geburtstag im Ludwigs gefeiert mit lieben ExkollegInnen, u.a. Mecki. Früher war alles lustiger. Wir sind analytisch & resignativ. Ich weiß schon jetzt, wenn ich wieder in Eisenach bin, werde ich Heimweh haben. Morgen ist Lesung im Hospitalhof.

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Klammheimlich

Donnerstag, Tübingen. Der Krieg bombt die Menschenrechte nicht in den Iran rein, und der Sohn des getöteten Ajatollah Chamenei wird sein Nachfolger. Ach du Scheiße, alles umsonst? Abends Schreibwerkstatt bei mir zuhause. Natürlich gehts hoch her wegen des Krieges im Iran. In Tübingen ist man sich einig, das Palituch hat Hochkonjunktur, und die Querfront Linke-Islamisten hat sich gemütlich eingerichtet. Trotzdem wird mich niemand dazu bringen, abfällig über Israel zu sprechen. Da halte ich es mit Ferdinand von Schirach und bin, aus historischen wie familiären Gründen, ganz einseitig und solidarisch. Denn seien wir ehrlich: Das „Nie wieder“ franst gerade ziemlich aus. Jüdische

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