Tag der Arbeit

Mittwoch. Der komplette Monat Mai ist dieses Jahr mal wieder der Megakorrektur fürs “Amt” vorbehalten, einschließlich vier gesetzlich vorgegebener Korrekturtage, dergestalt, dass sich der Korrektor – ich – uneingeschränkt von morgens bis abends, nachts oder bis zum nächsten Morgen seiner Aufgabe widmen kann. Einschließlich leiser Grundsatzzweifel am System, am didaktischen Wert, am Ergebnis solcher Prüfungsmarathons (positives Gegenstück hierzu: meine Schreibwerkstatt mit von Zeit zu Zeit wahrhaft verblüffenden Ergebnissen). Einschließlich einer deprimierenden Grundstimmung, die im Zweijahresrhythmus den Wonnemonat Mai überschattet.

Dahingehen immerhin 30 Tage meines Lebens …

Heute, am 1. Mai, zieht mein neuer Mitbewohner ein – Dario, ein Naturwissenschaftler aus Venezuela, was ich sehr spannend finde angesichts der gefährlichen Entwicklung, die das Land gerade unter massivem Einfluss der USA (und natürlich des wackeren Heiko Maas) nimmt.

Allerdings vergisst unser prächtiger Außenminister nicht darauf hinzuweisen, dass er gegen Waffengewalt sei: “Wir wollen eine Perspektive für Neuwahlen und unterstützen daher Guaido nach wie vor. Was wir nicht wollen, ist, dass die Waffen sprechen …” (Auswärtiges Amt, 30. April 2019)

Ist es nicht sehr strange, dass ein deutscher Außenminister, noch dazu ein angeblicher Sozialdemokrat, einen rechten Putschisten unterstützt, der mit Waffengewalt zum Sturz der amtierenden Regierung aufruft? Nennt sich das nicht Hoch- und Landesverrat, wenn Guaido als selbsternannter Präsident zur militärischen Intervention gegen sein Land aufruft? Verstößt Deutschland als Vorsitzendes Mitglied des UNSC (Sicherheitsrat der Vereinten Nationen) damit nicht gegen das völkerrechtliche Interventionsverbot?

Ich frag ja nur …

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Falls es jemanden interessiert:

Am Dienstag ist in Venezuela ein von der äußersten Rechten des Landes mit Unterstützung der USA angeführter Putschversuch gescheitert. Die entschlossene Antwort der überwältigenden Mehrheit der Angehörigen von Armee und Polizei sowie die spontane Massenmobilisierung des Volkes verhinderten, dass die Putschisten ihre Pläne umsetzen konnten. Offenbar hatten sie geplant gehabt, am frühen Morgen die Luftwaffenbasis La Carlota unter ihre Kontrolle zu bringen, um von dort aus den Staatsstreich durchführen zu können. Doch sie gelangten nie auf das Gelände des Flughafens, wie Präsident Nicolás Maduro gegen 21 Uhr Ortszeit in einer über alle Rundfunk- und Fernsehsender des Landes ausgestrahlten Ansprache betonte.

»Dieser Putsch des Betrugs, der Gewalt, hat diese putschistische Opposition vor aller Welt demaskiert«, erklärte Maduro. »Es gibt welche, die aus dem Ausland eine bewaffnete Konfrontation zwischen Venezolanern provozieren wollen, um eine Intervention in unserem Land und die schlimmsten Szenarien rechtfertigen zu können, damit das Imperium seine Klauen nach Venezuela ausstrecken kann«, so der Staatschef weiter.

Maduro richtete einen Appell an die Regierungen der Welt, die noch immer Gewalt und Destabilisierung im Land unterstützen: »Hier seht ihr die Wahrheit über die bewaffnete Gewalt. Sie haben keine friedlichen, demokratischen oder verfassungsmäßigen Absichten. Sie wollen ihre Ziele mit Gewalt durchsetzen.«

Venezuelas Präsident teilte mit, dass die zuständigen Stellen die Ermittlungen aufgenommen hätten, um entsprechend der gesetzlichen Vorgaben die Verantwortlichen für die jüngsten Ereignisse festzustellen. Die Generalstaatsanwaltschaft habe dazu drei Sonderermittler eingesetzt.

Nach Angaben Maduros wurden bei den Auseinandersetzungen nahe La Carlota fünf Soldaten und drei Polizisten verletzt. Nach dem Scheitern des Putschversuchs kam es in mehreren Teilen der Hauptstadt Caracas zu Straßenschlachten zwischen militanten Regierungsgegnern und Sicherheitskräften. Dabei sollen nach Oppositionsangaben 69 Menschen verletzt worden sein.

Putschistenführer Leopoldo López flüchtete sich zunächst mit seiner Familie in die chilenische Botschaft, später zogen sie in die diplomatische Vertretung Spaniens um, wie die chilenische Regierung bestätigte. Auch Guaidó soll sich in der chilenischen Botschaft versteckt haben, 30 aufständische Militärs halten sich demnach in der Vertretung Brasiliens auf.

Quelle: Informationsministerium Boliviens / RedGlobe