Schwere Themen II

Mittwoch. Ich weiß nicht, warum mich das so beschäftigt, aber ich denke gerade an eine Begebenheit mit einem älteren, alten Kollegen. Ich war damals um die dreißig, deshalb kam er mir so alt vor, und er sah auch alt aus, weil er von seiner Krankheit gezeichnet war. Er hatte ein vertrocknetes Gesicht und ganz schlimme Augen, rote, tränende Augen, die so basedowmäßig vorstanden, er sah wirklich nicht besonders gut aus. Drei Mal die Woche musste er zur Dialyse, das war beschwerlich für ihn, und das erzählte er mir, und dann sagte er, dass er so dringend auf eine Niere warte, schon so lange, aber es passiere einfach nichts!

Passieren? Ich wurde plötzlich furchtbar wütend und dachte, du alter Sack, du hast doch dein Leben gehabt, was wartest du, dass einer stirbt, gib’s zu, nichts wünschst du dir sehnlicher als dass an einem sonnigen Sonntag irgendein junger Typ mit seiner Maschine aus der Kurve fliegt, nur damit er dir seine Niere überlässt. Ich hätte diesen alten, lächelnden Kollegen mit seinen Triefaugen am liebsten geschlagen.

Vielleicht ist das keine gute Geschichte, vielleicht spricht sie sogar gegen mich, aber dafür erinnerst du dich ja nicht und dafür erzählst du keine Geschichten, dass alles für dich ins Lot kommt. Diese Geschichte hat eher Unordnung gebracht, sie hat mich nachhaltig beeindruckt, und deshalb bin ich da mit dieser schweren Thematik bis heute mehr als skeptisch.