Team- und Soloplayer

Donnerstag, Diano Marina. Sieben ist gruppendynamisch betrachtet keine besonders gute Zahl. Mit Abgrenzung beschäftigt, manches geht mir gerade tierisch auf die Nerven (die abendlichen Besäufnisse des einen, die uninspirierenden Angebergeschichten der anderen …).

Habe mich heute in Zuccarello verliebt. Auf der Rückfahrt von Genua haben wir, d.h. PM und ich, es entdeckt, im Hinterland von Albenga.

Das Dorf liegt im Neva-Tal. Von der Straße aus, auf dem Weg nach Castelvecchio di Rocca Barbena, ist sie mir aufgefallen: Die mittelalterliche Kulisse aus zünftig verratzten Häuserrücken und einer uralten Steinbrücke über die Neva.

Nachdem uns Castelvecchio nicht so umgehauen hat, wie es die Ankündigungen des DuMont-Reiseführers nahelegen, halten wir auf dem serpentinenreichen Rückweg an, um zu erkunden, was sich auf der anderen Seite jener Kulisse verbirgt.

Wir werden von einem gut erhaltenen, gepflegt renovierten Ortskern überrascht. Dessen Bewohner, soweit sichtbar, begrüßen uns freundlich desinteressiert, sie haben alles, was sie brauchen, und Touristen wie uns brauchen sie gar nicht. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb sie in der Abgeschiedenheit eines Nestes wie Zuccarello leben, anstatt an der unter wirtschaftlichem Druck stehenden, ligurischen Küste.

Die Hauptgasse ist von Arkaden gesäumt, von denen man in die Häuser und die drei (!) Osterias gelangt. Die dunkle Kirche ist aus dem 13. Jh., friedlich, still, renivierungsbedürftig. Der Gang über die Brücke über den tief in den Felsen geschnittenen Fluss ist genauso romantisch, wie ich ihn mir ausgemalt habe. Von unten, vom Flussufer aus, mutet die Anlage noch viel wilder an.

Wer wohnt hier? Und wie versorgen die sich? Wie kommt die Post hierher? Wo ist die nächste Schule?

Die vielen verlassenen Häuser und Ansiedlungen geben Antwort auf solche Fragen. Doch dann taucht plötzlich ein Gemüselaster auf, der all die Dörfer abklappert und mit dem Nötigsten versorgt. Eines davon, Coletta, hat als „Internetdorf“ überregionale Bekanntheit erlangt. Die restaurierten Häuser aus dem späten MA sind mit perfekter Telekommunikation ausgestattet – ein Strommast auf einem gewagt vorspringenden Bergfelsen erzählt davon – und bieten jetzt Wohn- und Arbeitsplätze für Freiberufler, die sich hier niedergelassen haben.

Hin und wieder kommt es auf die Idee eines Einzelnen an, das ist beruhigend und beängstigend zugleich.