Waffen, Mobbing und ein Verein zur Rettung der deutschen Sprache

Dienstag. Wir sind die Guten! – Deutschland ist auf Platz 4 in Sachen Waffenexport nach den USA, Russland und Frankreich. Hauptimporteur: kein anderer als der saudische Mörderprinz MbS. Da fragt man sich, was schlimmer ist?

*

Sahra Wagenknecht wirft das Handtuch. Sie gibt gesundheitliche Probleme als Grund an, wen wundert’s? Dass fortwährendes Mobbing gesundheitsgefährdend ist, weiß jeder, der es selbst schon mal in der einen oder anderen Form erlebt hat.
Offenbar ließ sich Parteichef Bernd Riexinger im Oktober 2017 mit dem Satz zitieren:
“Sahra ist leider nicht aufzuhalten als Fraktionsvorsitzende. Man kann sie nicht einfach abschießen. Sahra muss gegangen werden und daran arbeiten wir. Wenn wir sie immer wieder abwatschen und sie merkt, sie kommt mit ihren Positionen nicht durch, wird sie sicher von alleine gehen.”
Nun hat das jahrelange Mobbing zum ersehnten Erfolg geführt. Operation geglückt, Partei tot? Weder Riexinger noch seine nicht minder intrigante Co-Vorsitzende Katja Kipping dürfen laut Parteistatut im nächsten Jahr noch einmal für den Parteivorsitz kandidieren. Was mich aber viel mehr interessiert: Ist Aufstehen jetzt schon gescheitert?

*

Der Verein Deutsche Sprache hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Genauer: Einen „Aufruf zum Widerstand!“ So kurz und bündig wie der Titel ist auch sein Programm: „Schluss mit dem Gender-Unfug!“
Die prominente Unterschriftenliste – man soll sich bei einer Sache ja nicht um die Personen scheren, die sie unterstützen, aber Gucken ist wohl noch erlaubt – führt u.a. Kai Dieckmann und, oh Schreck!, Dr.Dr. Rainer Zittelmann an. Dazwischen, WHUOT???, Didi Hallervorden sowie die Lyriker Kunert und Kunze, die ich ausnehme, weil in Gedichten – subjektive Perspektive – sowieso nicht gegendert wird, und logo, Cora Stephan, die seit den Siebzigern immer zur Stelle ist, wenn es darum geht, rückwärts zu gehen – also:
Wem soll diese Aktion NÜTZEN?
Sprache entwickelt sich. Sprache ist wie ein wildes, unbändiges Tier. Sie lässt sich nicht per Beschluss in ihre Schranken weisen, auch nicht von hochgerüsteten Sprachschützern.
Das haben schon andere versucht, etwa die Fruchtbringende Gesellschaft und Gelehrte wie M. Opitz im 17. Jahrhundert. Der Eifer einiger Mitglieder, jeglichen fremden Einflüssen (besonders dem Französischen) den Garaus zu machen, nahm mitunter groteske Züge an, etwa so, als würde man heute versuchen, sich gegen englische Fremd- und Lehnwörter zu stemmen. Kann man machen, ist aber reine Kraftverschwendung.
Irgendwann werden sich die exzessiven Auswüchse des Genderns im Sand der Geschichte verlieren – und vieles davon wird bleiben, da es sich als kulturell angemessen erwiesen hat. So wie die Anglizismen in der deutschen (Umgangs)sprache ganz sicher nicht ab- , sondern zunehmen werden, obwohl es auch dagegen eifernde Gesellschaften und Unterschriftenlisten gibt; der Kampf gegen Denglisch ist der Hauptantrieb des Vereins Deutsche Sprache.
Lohnt sich die Aufregung darüber? Von irgendwelchen gesetzlichen Vorgaben in Sachen geschlechtergerechte Sprache sind wir noch ziemlich weit entfernt, wie man an der Nichtdurchsetzung des generischen Femininums, also der „Professorin“ für alle Professorinnen und Professoren an der Uni Leipzig, – nur um ein Beispiel zu nennen – erkennen kann. Doch das Gendern ist staatlich gewollt und in den meisten wissenschaftlichen Disziplinen mittlerweile Standard. Die schon längere Geschichte des Genderns und die leidenschaftliche öffentliche Diskussion darüber bringen es mit sich, dass inzwischen fast jede(r) ein bisschen gendert, und das ist auch gut so!
Denn die bestehenden Geschlechterverhältnisse ändern sich für alle spürbar, unsere Hör-, Lese- und Schreibgewohnheiten sind anders als noch vor 20 Jahren. Selbstverständlich schlägt sich ein verändertes soziales Bewusstsein in der Sprache nieder. Umgekehrt erhöht aber auch das Einhalten sprachlicher Konventionen die soziale Sensibilität und die gesellschaftliche Kompetenz – eine fruchtbringende Wechselwirkung!
Gendern ist etwas unbequem. Zunächst! Aber: „Alles ist schwer, bevor es leicht ist (Thomas Fuller).“ Und wer auf noch mehr Gendern im Moment keinen Bock hat, hat eben keinen Bock. 
Letztlich gilt: Ich als Sprecherin / Autorin etc. bestimme die Spielregeln. Wie viele Doppelnennungen oder Gender*Sternchen noch ästhetisch sind, ist allein meine Entscheidung. Mut zum eigenen Weg hebt auch das Selbstwertgefühl. Wozu leben wir in einer freien Gesellschaft?
Ihr lieben, zum Teil ganz schön militanten Sprachschützerinnen und -schützer: entspannt euch mal! Passieren tut niemandem etwas. Oder drohen Strafen / Entlassungen / Karriere-Aus fürs Nicht-Gendern?

*

Genderphobisten …