Work but no Christmas

Sonntag. Was ist das für ein schöner bürgerlicher Beruf, den ich habe? Ich lerne immerzu dazu, darf das Wissen an andere weitergeben, habe jeden Tag mit tollen, inspirierenden Menschen zu tun. Auch die fremdbestimmten Anteile horizonterweiternd, naja, meistens. Was mir heute am frühen Morgen auffällt: komischerweise gab es unter den Jugendlichen, mit denen ich arbeite, noch nie einen, den ich nicht leiden konnte. Es gibt aber durchaus Leute, die ich nicht leiden kann. Was einmal mehr beweist, dass es deine eigene Einstellung ist, die die Emotionen bestimmt.

Weihnachten fällt dieses Jahr, wie auch schon der Sommerurlaub, aus. Aus denselben Gründen. Ich schaffe es nicht. Die abgespeckteste Version, die man sich überhaupt vorstellen kann. Kein Baum! Damit muss ich erstmal fertig werden. Baum nimmt zuviel Zeit in Anspruch. Weihnachten diesmal nur zu viert: PM, ich, T. und neue (?) Freundin. Eine Italienerin, die kein Deutsch spricht. Englische Konversation sei erwünscht, hieß es. Bin gespannt, wie PM und ich uns durch den Abend holterdipoltern, unser beider Englisch ist grottenschlecht.

Auch der gemeinsamen Weihnachts-Tradition mit W. habe ich dieses Jahr eine Absage erteilt, mit einem miesen Gefühl im Herzen … Und meine liebe L. ist mit Family für fünf Wochen in Brasilien bei B.’s Schwester.

PM hat gestern die Ente und die Rindsrouladen in meiner Küche vorgekocht (sch…lecht!, die war nämlich schon großgeputzt …). Fährt heute mit Tupperschüsseln ausgerüstet nach Eisenach zu Old Dad, wo er bis morgen bleibt. PM kocht so gut und mit so einer Show-freien Lässigkeit, dass ich ihm immerzu begeistert zusehen könnte. Wie er die Rouladen bestreicht und einwickelt … wie er die Haut abtrennt … wenn ein Chirurg Hand anlegt …

Ich muss wieder an den Schreibtisch. Bis März ist jede Sekunde verplant, und das ist keine Übertreibung.