Pegida, Bergida, Kögida …

Dienstag, B.N. …  Als ich im Bonner Stadtteil Godesberg zum ersten Mal komplett verschleierte Frauen sehe, die von ihren Männern wie Kohlensäcke am Arm durch die Straßen geschoben werden, weil ihnen nicht mal der Sehschlitz in der Burka zugestanden wird, bekomme ich einen Todesschrecken. Wenn das Fremde mit Gewalt einhergeht – und Komplettverschleierung ist Gewalt gegen Frauen – musst du schon genauer hinsehen.
Die Diskussion über die diffuse Angst vor dem „Fremden“, das ja zum Glück meistens auf recht unkomplizierte Weise längst in unserer gesellschaftlichen Mitte Fuß gefasst hat, wird m.E. in Deutschland zu oberflächlich geführt.
In der öffentlichen Diskussion wird die Angst gerne umgelenkt (wohl aus bekannten historischen Gründen) in eine eher leichtfertige Vorstellung vom Islam als Freiheitsbewegung gegen autoritäre Regime oder als folkloristisches Phänomen, das es, wie andere Minderheiten auch, zu schützen gelte.
Durch solche Marginalisierung werden Angstgefühle aber nicht beantwortet.
Vielleicht sollten wir uns zunächst fragen, was eigentlich unsere westliche Identität ausmacht und was wir daran für schützenswert halten. Erst, wenn ich meinen eigenen Standort kenne, kann ich mich von der Furcht vor Fremdem frei machen.
Meinungsfreiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit/Gewaltenteilung, Menschenrechte, Gleichberechtigung von Mann und Frau, keine Benachteiligung wg. sexueller, religiöser oder politischer Zugehörigkeit, Pressefreiheit, Chancengleichheit – das sind Werte, die mir spontan dazu einfallen, sie prägen meine persönliche und unsere gesellschaftliche Wirklichkeit.
Die allein entscheidende Frage ist, ob der Islam mit diesen Werten kompatibel ist. Eine Frage, die letztlich nur unsere muslimischen Mitbürger*innen selbst, bzw. deren Interessenvertreter / islamischen Verbände beantworten können. Bisher fallen die Antworten, soweit ich das beurteilen kann, nicht eindeutig aus. Das ist es, was mich persönlich beunruhigt.
Meine Beunruhigung wird definitiv nicht adäquat damit beantwortet, dass in Dresden 18.000 Mann „gegen Fremde“ auf die Straße gehen.
Wir sollten es unseren Politikern nicht ersparen, auf Antworten zu bestehen – auf Antworten von unseren muslimischen Mitbürger*innen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben und hier – selbstverständlich – auch bleiben sollen.