Guter Tag

Freitag, Konstanz. Ich genieße die Altstadt mit ihren Cafés und Boutiquen und Gässchen, in denen sich hinter jeder Ecke neue Überraschungen auftun. Das Münster ist trotz Einrüstung und Bauarbeiten geöffnet und ganz leer. Ein paar Straßen weiter verliebe ich mich in die zeitgenössischen Fresken vom Konstanzer Konzil in der Dreifaltigkeitskirche: In langen Bändern verzieren sie zu beiden Seiten die oberen Wände des Mittelschiffs. Erstaunlicherweise zeigen sie aber gar nicht die Teilnehmer bzw. Entscheidungsträger des Konzils, sondern heftig diskutierende Augustinermönche, die z.T. Schriftrollen in den Händen halten. Das Christentum soll sich hier als eine Religion zeigen, in der um das Wort gerungen wird, vermute ich. Das Konstanzer Konzil ist ja auch ein Einschnitt in der Kirchengeschichte. Doch leider beschließt es auch die Hinrichtung des reformatorischen Vordenkers Johann Hus, ein grausamer Fehler, der sich beinahe mit Luther wiederholt hätte.
Angeregt von den vielen sinnlichen Eindrücken der Stadt, trägt die gute Stimmung mich abends durch die Lesung. Hinterher beim spontanen Glas Wein mit neuen Bekannten vom Organisationsteam in einem urigen Weinlokal bei guten Gesprächen den Tag beendet.