Sonntag, Tübingen. In der Sonne liegen und an nichts denken. Es ist so leise, Sachsen-Anhalt weit weg, der Trouble ist auch emotional weit weg.
Nach Drohnenvorfällen in Leipzig und noch irgendwo anders ist das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen worden, daraufhin will Russland nun die Goethe-Institute schließen. Eine tiefe Kränkung für das Land, dem unsere Väter und Großväter 27 Millionen Menschen weggemordet haben. Die Geschichtswissenschaft stuft das Vorgehen des NS-Regimes in der Sowjetunion als Genozid ein.
Ob das überhaupt viele wissen? Aber man darf wieder so denken. Man darf Russen hassen, wie man ja auch Juden wieder hassen darf, das Hassen macht wieder so richtig Spaß, und wie schön ist das mit einem ausgemachten Feindbild, dass man auch weiß, wer auf der richtigen Seite steht und wer nicht. So weit sind wir dann nicht mehr davon weg, dass dieser Hass auch noch als anständig gilt.
Wenn es russische Drohnen wären, würden sie doch nie im Leben vor einem Bus runterfallen und nicht explodieren! Russische Drohnen würden ihre Ziele zerstören. Jede weitere von diesen Laiendrohnen dreht an der Eskalationsspirale aus Rüstungswahn und Angst, und Angst haben doch irgendwie alle. Wie die Kaninchen starren wir auf die Schlange, anstatt dem Rad der Kiesewetters, Strack-Zimmermanns, Wadephuls, Pistorius, Hofreiters, Roths und wie sie heißen in die Speichen zu fallen.
Wie sich die aufrüstungsgeilen Aufhetzer in 50 Jahren in den Geschichtsbüchern wiederfinden, das wüsste ich zu gern. Ich folge mit meinem Liegestuhl der Sonne. Mag weder Hochrechnungen sehen noch an russische Botschaften denken. Das ist das klassische Ohnmachtsgefühl. Aus dem wächst genau das, was die Hochrechnungen heute im Laufe des Abends verkünden werden.